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Familie und Leben

Zwangs- und Kontrollverhalten bei Kindern und Jugendlichen – Teil 2

Nachdem wir euch gestern schon in das Thema eingeführt und einige behandelnde Krankenhäuser und Therapieansätze vorgestellt haben, geht es heute weiter mit einem Erfahrungsbericht einer Mutter, wie sie und ihre betroffene Tochter den Alltag meistern.
 

Verhaltenstherapie, dem Zwang den Kampf ansagen

Oftmals ist eine Zwangsstörung und deren Therapie für Außenstehende, aber auch für Familien, die noch vor einer Therapie stehen, nebulös. Auch in den Weiten des Internetes findet man wenig bis keine Aussagen zu konkreten Therapieabläufen. Natürlich auch deswegen, weil auf jeden Patienten und Zwang individuell eingegangen werden muss. Was bleibt ist eine Angst bei den Betroffenen und Bedenken bei Eltern und Familie.

Heute haben wir einen Erfahrungsbericht einer Mutter zusammengefasst, die mutig in einem Forum den Weg ihrer Tochter durch die Verhaltenstherapie beschreibt. Kurz zu den Fakten: ihre Tochter ist 9 Jahre alt, ihr wurde ein Zwang mit Namen „Magische Handlungen“ diagnostiziert und seit 18 Monaten ist sie in Therapie. Sie musste mit ansehen, wie Ihre Tochter anfing Dinge mehrmals zu berühren und zu zählen, da ihrer Überzeugung nach sonst etwas schlimmes passieren könnte. Wie bei vielen Zwängen besteht der Teufelskreis darin, dass man den Zwang verstärkt, sobald man ihm nachgibt und ihn ausführt.
 
Am Anfang der Therapie stand die Aufklärung

Zwangsverhalten muss als Krankheit akzeptiert werden. Unter einem Zwang tut man Dinge, die man ohne diese Krankheit nicht tun würde. Ihre Therapeutin erklärte dies mit einem Beispiel „Jeder Mensch hat manchmal komische Gedanken wie z.B. Was ist, wenn wir jetzt mit dem Auto gegen einen Baum fahren? – aber ohne Krankheit sagt man sich, Blödsinn, es besteht jetzt überhaupt kein Grund, dass so etwas passieren könnte. Man schüttelt es ab, bei manchen Ideen lacht man sogar darüber und macht weiter. Bei Zwangsstörungen funktioniert dieser Mechanismus nicht.“ Sinn der Verhaltenstherapie ist es nun diesen Mechanismus zu stärken und den Zwang zunächst zu schwächen, bis dieser komplett überwunden wird. Ein Hilfsmittel dafür ist die Konfrontationstherapie. Doch zunächst erstellten Mutter und Tochter eine Liste mit allen Zwängen, die die Therapeutin dann in verschiedene Schwierigkeitsgrade einteilte. Die Tochter konnte jedoch selbst entscheiden, an welchem Zwang sie arbeiten wollte, in dem sie ihm nicht nachgab.
 
Übertreibung als Mittel den Zwang zu kontrollieren

So beschreibt die Mutter den weiteren Verlauf „Später musste ich eine Schnitzeljagd zusammenstellen. Täglich schrieb ich auf Zettel verschiedene Aufgaben – dabei baute ich immer Handlungen ein, die genau das Gegenteil von dem waren, was der Zwang ihr befahl. Abschließend gab es immer eine Belohnung. Nach einer gewissen Zeit führte sie die Konfrontationstherapie selbständig aus.“ Wichtig dabei ist, die Kinder immer wieder zu ermutigen und auch bei Rückschlägen nicht aufzugeben. Nach ein paar Monaten erweiterte sich die Therapie um verschiedene Entspannungstechniken und Zeichnungen. Ihr Kind sollte einen Zwang so überspitzt zeichnen, dass dieser keinesfalls eintreten konnte. In dem Beispiel, welches sie beschreibt, überwindet ihre Tochter den Zwang Ihre Finger abzulecken und danach ihre Füße zu berühren. Sie versucht so die Menschen in ihrer Nähe zu beschützen, denn diese wären sonst verflucht. In ihrem Bild passieren lauter unmögliche Dinge, wie dass ihre Mutter durch den Boden stürzt, bis sie auf der anderen Seite der Erde wieder hinauskommt und im Weltall explodiert. Auch hier findet die Mutter ermutigende Worte „Wichtig ist, dass man dem Zwang wirklich nicht mehr glaubt. Seid wütend auf den Zwang und betrachtet ihn als euren Feind.“
 
Nach den Höhen und Tiefen der bereits hinter ihnen liegenden Therapien der letzten 18 Monate, kann ihr Kind nun wieder einen normalen Alltag leben. Mit Ihrem Bericht möchte sie Betroffenen und Angehörigen Mut und Hoffnung zusprechen.
 
Lest hier den kompletten Beitrag:
www.paradisi.de


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