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Familie und Leben

Zwangs- und Kontrollverhalten bei Kindern und Jugendlichen – Teil 1

Die Schuhe und Spielsachen müssen von Tobias immer in einer Reihe stehen, sonst kann er nicht das Haus verlassen oder ins Bett gehen. Maja muss sich ihre Haare jeden Tag mehrfach bürsten, immer von rechts nach links, immer zehnmal hintereinander, damit es wirklich ordentlich aussieht. Felix verlässt nur rückwärts das Haus und muss auf nur einem Bein hüpfend jede Bordsteinkante nehmen…
 

Kindische Alberei oder doch zwanghafter Ernst?

Kinder greifen oft im Spiel auf abergläubisches Verhalten oder mitunter lustig anmutende Rituale zurück. Das ist nicht außergewöhnlich – leben sie doch phasenweise in ihrer eigenen Fantasiewelt bestehend aus Rollen und märchenhaften Wesen. Warum sollten sich diese Wesen also nicht auch außerordentlich verhalten? Solche Entwicklungsrituale können als Teil einer normalen Entwicklung betrachtet werden – insbesondere, wenn sie im Rahmen von Veränderungen auftreten, wie dem Wechsel vom Kindergarten in die Schule oder einem Umzug. Nehmen dann scheinbar sinnlose Rituale oder Spiele jedoch einen großen Raum ein und betroffene Kinder zeigen zusätzliche Verhaltensauffälligkeiten, kann hinter diesem Verhalten eine Zwangsstörung stecken. Das hören die jeweiligen Familien zwar nicht gern, aber ein Beschönigen hilft dem Kind nicht, denn die auferlegten Verhaltensweisen sind wie eine Strömung, ein Strudel aus Notwendigkeiten, der nur schwer unterbrochen werden kann.
 
„Rituale und gewohntes Verhalten werden von Kindern oft eingesetzt, um Struktur und Sicherheit zu empfinden. Bei vielen augenscheinlich zwanghaften Verhaltensweisen handelt es sich um harmlose Spiele oder auch Marotten, die mit der Zeit wieder von allein verschwinden“, berichtet Dr. Ingo Spitczok von Brisinski vom Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland (BKJPP). „Problematisch ist es jedoch, wenn die betroffenen Kinder insgesamt einen bedrückten, traurigen Eindruck machen, sich zurückziehen, stundenlang scheinbar unsinnige Handlungen vornehmen und kaum mehr zugänglich sind.“
 

Wie Zwänge erkennen und wie Behandeln?

Häufige Zwangssymptome sind Wasch- und Putzzwänge sowie Kontroll-, Ordnungs- oder auch Zählzwänge. Die Kinder wiederholen dabei ständig die gleichen Handlungen, kontrollieren z. B. Fenster und Türen, zählen bestimmte Gegenstände immer wieder oder stehen sehr lange unter der Dusche. Dabei achten die Kinder meist hartnäckig auf eine exakte Durchführung der Zwangsrituale.
 
Durch eine gezielte Therapie können schon in kurzer Zeit Zwänge abgeschaltet werden. Die wirksamste Behandlungsmethode ist eine kognitive Verhaltenstherapie. Unterstützend können Methoden zum Stressabbau wie autogenes Training und progressive Muskelentspannung wirken.
 
Neu ist die Methode der Achtsamkeitstherapie, welche zu einer verbesserten Aufmerksamkeits- und Emotionsregulation, einer ruhigeren Haltung im alltäglichen Leben und gegenüber dem Zwang, zu einer Stimmungsverbesserung und einem besseren Schlaf führen soll. Die Behandlungen erfolgen meist ambulant unter Kontrolle eines Therapeuten, nur bei stark ausgeprägten Zwängen, wie einer Depression oder Essstörung, kann ein stationärer oder teilstationärer Aufenthalt helfen. Bei solch schweren Zwängen sollte mit Hilfe eines Arztes eine medikamentöse Behandlung in Betracht gezogen werden.
 
Eine Auskunft zu qualifizierten Therapeuten und Fachkliniken bietet der „Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen e.V.“ auf seiner Website:

www.zwaenge.de
 

Diese Kliniken in Mitteldeutschland arbeiten in speziellen Fachbereichen mit Kindern:


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