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Kolumnen

Zeit um sich zu sorgen

 

Ich habe von Sorgearbeitszeit gelesen. Aber was soll das denn heißen? Zeit, die man nutzen sollte, um sich noch mehr Sorgen zu machen? Schließlich hat man davon ja eigentlich immer einen ganzen Sack voll im Schrank zu stehen. Sie springen dann mehr oder weniger erwartet heraus, heften sich an Herz und Hirn und durchlaufen dezent, aber immer da, den mütterlichen Alltag. Egal ob Kinderkrankheit, Einkauf, defektes Kellerlicht, Finanzen oder unliebsame Kollegen. Keiner ist sorgenfrei – lediglich der Grad der Bestürzung ändert sich. Dabei ist das Perfide, dass sich die kleinen und großen Monster im Kopf scheinbar vermehren und größer werden – je mehr wir über sie nachdenken. Man macht sich Gedanken über etwas, das noch gar nicht eingetreten ist. Etwas, das in der Zukunft liegt. Und weil es eben noch nicht da ist, haben wir auch keine Chance es tatsächlich zu lösen. So kreisen die Gedanken und sie kreisen weiter – bis man sich schlaflos des Nachts von einer Seite auf die andere wälzt. Und dafür soll ich nun mehr Zeit haben? Eher nicht. Das kann doch kaum die politische Intention sein.

 

Oder doch? Was also tun?

 

Experten raten, Sorgen aufzuschreiben. Wenn es dann schwarz auf weiß vor einem liegt, ist es logisch zu fragen, was man tun kann, um einem negativen Ergebnis zu entgehen. D.h.

 

Was habe ich schon getan, damit meine Vorstellung von X nicht eintrifft?

 

Halte ich meine Entscheidungen, die ich bisher in der Sache getroffen habe, für richtig oder möchte ich etwas anderes tun?

 

Weiß ich genug, um entscheiden zu können, was getan werden muss?

 

Wo kann ich Informationen erhalten, um die Situation besser einschätzen zu können?

 

Wen kann ich um Rat und Hilfe bitten?

 

Und wenn all diese Fragen bearbeitet sind, dann… soll man loslassen. Manches kann man jetzt einfach nicht lösen und das muss akzeptiert werden. Aber diese Herangehensweise kann ja auf keinen Fall die politisch Favorisierte sein – dann bewegt sich ja nichts und nichts geht voran.

 

Also suche ich weiter und versuche hinter das Geheimnis des neuen Wortes zu kommen (Verrückt, was es so alles für Wortschöpfungen gibt und wer denkt sich das eigentlich immer aus?) Arbeit ist klar. Kennt man. Hat man. Bezahlt oder eben auch unbezahlt. Zeit kennt man auch. Gibt es meistens zu wenig. Verrinnt viel zu schnell (wie man an seinem geliebten Nachwuchs und den eigenen Falten sieht). Sollte so effektiv wie möglich genutzt werden. Also bleibt die Sorge…

 

Und da gibt es einen gedanklichen Flügelschlag, so leicht und schnell wie ein Vogel, der im Wind vorbei saust. Sorgen um sich. Einfach nur um sich selbst kümmern. Sich selbst wichtig genug nehmen. Hören, was einem gut tut und wann man lieber nicht weiter rennen sollte. Höher. Schneller. Einfach mal verschnaufen. Reste-Essen statt 3 Gänge. Knitterblusen statt stundenlangem Bügeln. Die Taschenlampe im Keller nutzen statt fluchend an der Glühbirne rumschrauben oder einfach mal fünf Minuten auf Arbeit im Damen-WC die Augen schließen. An sich selbst denken….  eigentlich eine grandiose Idee.

 

In diesem Sinne, Ihre/Eure Sabine Henriette Schwarz

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