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Kolumnen

Wohnst Du noch oder lebst Du mit Kindern?

Wohnst Du noch oder lebst Du mit Kindern?

Mit Kindern ändert sich alles. Der Tag, die Nacht. Das Essen. Der Urlaub. Das Leben. Selbst das Zuhause bleibt nicht verschont. In einem Anflug von Nestbau malerte ich, damals vor dem ersten Kind, es wurden Vorhänge und Windspiele gekauft, die mein Mutterherz links über dem dicken Melonenbauch höher schlagen ließen, ich brachte Bilder an und drapierte Kuscheltiere. Natürlich war das dem kleinen vierzig Zentimeter Zwerg egal, aber das glaubt die Erstlingsmutter für gewöhnlich nicht. Man denkt, dass es besonders hübsch sein soll. Ein Kinderzimmer, wie man es sich selbst immer erträumt hat, damit fortan der neue Erdenbürger darin lebt und wächst und spielt und schläft. Aber, Pustekuchen.

Seit Jahren bauen und malern wir nun. Betten werden an der alten Stelle abgebaut und an neuer aufgebaut, Zimmer getauscht, Räume vergrößert oder Zimmer geteilt. Schlaflichter angebracht, aus dem Babybett wird ein großes Bett, aus dem großen Bett ein Hochbett. Ich weiß inzwischen, dass gelbblaue Möbel nur drei Ab- und Aufbauten überstehen, dass auch der stabilste Parkettboden das Verrücken von Unausgeräumtem nicht unbeschadet hinnimmt – und auch der emsigste Mann hat trotz Tim Tayler Verehrung irgendwann genug vom Hämmern und Schrauben, vom Sägen und Bauen. Ich bin verständnisvoll, denn ich sehne mich auch nach ein wenig Kontinuität und Ruhe. Warum? Ganz einfach….

Wir haben inzwischen ein erstes Babyzimmer gehabt, das einem Komplettumzug zum Opfer gefallen ist. Es gab ein kleines neues Kinderzimmer, was nach knapp drei Jahren (gerade als die Spielfreunde aus der Kita bei uns eingefallen sind) zu klein wurde. Dann gab es das größere Schlafzimmer als neues Kinderzimmer und das Gästezimmer wurde Schlafzimmer, was wirklich sehr hübsch war. Leider – rein umzugstechnisch betrachtet – klopfte da bereits Baby Nummer Zwei an und der Plan von Zweisamkeit im, am und um das Bett herum war dahin. Da das neue Schlafzimmer keinen Platz für ein Babybettchen hatte, musste noch ein RäumeRingtausch stattfinden. Parallel bereiteten wir für Nummer Zwei ein extra Kinderzimmer und ich gestehe, dass ich trotz Riesenmurmel auch dort noch einmal für die perfekte Wandfarbe sorgte. (Ich habe inzwischen die Philosophie, dass Schwangerenhormone einen geheimen Pakt mit den Schöner-Wohnen-Genen eingehen, so dass man gar nicht anders kann – man ist sozusagen zur Schönheit gezwungen bevor es für eine lange Zeit nur noch Milch, Windeln und Blähungen geben wird. Aber sei`s drum.) Das zweite Kinderzimmer war fertig und Kind Nummer eins bettelte und flehte, dass das Geschwisterchen doch mit ins erste Kinderzimmer sollte. Wir schwächelten nach guten 10 Monaten, räumten um, ein Hochbett und ein Kinderbettchen inmitten von viel lila und Leuchtsternen.

Doch wo wäre die Herausforderung und das Abenteuer, wenn von diesem Moment an alle zufrieden und selig gewesen wären? Eben. So lernten wir, dass große Geschwister kleine Geschwister viel zu spannend finden, um sie einfach schlafen zu lassen. Wer muss schon schlafen? Singen, Tanzen, Geschichten erzählen oder zur Not auch mal was kleines aus dem Hochbett hinab auf das kleine Murmeltier werfen (keine Sorge, es war jeweils nur Plüsch, aber auch das ist nicht der Sinn der Sache) ist eindeutig aufregender. Auch wenn die achtzig Zentimeter dann bereits zwei Stunden nach dem Aufstehen wieder todmüde mit dicken roten Apfelbacken einknickten und einfach einschliefen. Zitat: „Aber Mami, Schlafen ist doch sooo langweilig.“ Ja, langweilig wird es wirklich nicht, dachten wir und hofften, dass das große Kind es irgendwann weniger spannend finden und das kleine Kind nicht so sensibel sein würde. Aber das war im alten Jahr und ist inzwischen verjährt. Als Eltern denkt man scheinbar vieles und mit manchem befindet man sich auf dem Holzweg. Nun, das war im alten Jahr und ist inzwischen verjährt.

Wir haben 2016. Und statt vieler guter Vorsätze, die zumeist im Februar hinfällig sind, investierten wir in die Zukunft (wir sind guter Hoffnung).

Das Jahr wird schön – mit einer neuen Wand, Dämmwolle, mit einer Tür und frischen Vorhängen, die jetzt das zweite Kinderzimmer schmücken. Wir drücken die Daumen und vielleicht, möglicherweise, eventuell wird es jetzt langweilig…..

Ein grandioses, richtig gutes Jahr im Kreise der Lieben wünscht Sabine Henriette Schwarz


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