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Familie und Leben

Wie wichtig freies Spielen wirklich ist

“Mein Kind kann schon bis 100 zählen”, “Mein Junge liest, seitdem er 4 Jahre alt ist!”, “Und unsere Tochter kann dir jeden Dinosaurier nennen, der je auf Erden gelebt hat!” – Ihr kennt das vielleicht. Eltern treffen sich und fangen fast automatisch an ihre Kinder mit anderen zu vergleichen und zu loben, was ihre schon alles können. Sie sind stolz darauf, schon so viel Zeit mit ihrem Nachwuchs in Übungen zu investieren und sie so hoffentlich auf ein gutes Leben vorzubereiten, dass sie den eigentlichen Zweck der Kindheit aus den Augen verlieren und ihren Jungs und Mädchen die Möglichkeit nehmen selber Fragen zu stellen und ihre Umwelt zu entdecken.

Der Hirnforscher und Autor Gerald Hüther beschäftigt sich schon seit geraumer Zeit mit diesem Phänomen und ist der Meinung, dass Eltern, die ihren Kindern von Beginn an vorschreiben, womit sie sich beschäftigen sollen und was sie zu lernen haben, die Möglichkeit nehmen, ihren Geist eigenständig zu entwickeln und von sich aus die Welt zu erschließen. Dafür sei das freie Spiel unglaublich wichtig, da es die angeborene Entdeckerfreude nutzt, um selbstständig zu lernen.
 

Ein lehrreiches Experiment für Kind und Eltern

Um diese Art des Spiels und die Auswirkung von elterlichem Eingreifen in einem Experiment mit Kindern zu testen, schlossen Wissenschaftler verschiedener renommierter Universitäten sich 2011 zusammen. Dafür erstellten sie ein Spielzeug, das aus verschiedenen Teilen bestand und unterschiedliche Funktionen aufwies. So konnte ein Element leuchten, eines spielte Musik, bei einem handelte sich um einen versteckten Spiegel und eines konnte hupen.

Dieses Spielzeug wurde zwei Gruppen von Vorschulkindern gegeben, um sich damit zu beschäftigen. Einer Gruppe wurde jedoch von einem Erwachsenen die Hup-Funktion erklärt und dann wurden beide Gruppen allein gelassen.

Die Gruppe, der eine Funktion im Voraus gezeigt wurde, beschäftigte sich in der gesamten Zeit ausschließlich mit der Hupe, während die andere Gruppe in der gleichen Zeit alle Funktionen entdeckte und in ihr Spiel integrierte.
 

Die drei Säulen der kindlichen Entwicklung

Hüthner stellt die Entwicklung eines Kindes in drei Säulen dar. Sie bestehen aus dem Erlernen von Kreativität, Wissen und Können und könnten von jedem Kind selbstständig erschlossen werden, doch leider nehmen viele Eltern ihren Kleinen diese Möglichkeit. Natürlich nicht absichtlich und auch nicht aus bösem Willen, sondern viel mehr aus der Angst heraus, dass ihr Nachwuchs den Anschluss an die digitale, globalisierte Gesellschaft nicht schafft.
 

Fantasie

Völlig absichtsloses Spielen sei das Beste für die Entwicklung kreativer Denkprozesse, so Hüther. Kinder schlüpfen in die unterschiedlichsten Rollen, entdecken unterschiedliche Blickwinkel und probieren Neues aus, ganz unabhängig davon, ob ihre Idee nun logisch ist und Sinn ergibt oder nicht. So versuchen sie neue Strategien aus und entwickeln eigene. Dies hilft ihnen später bei der unabhängigen Problemlösung und dem Eigenständig werden.
 

Wissen

Damit euer Nachwuchs seine Freude am Entdecken nicht verliert und aus eigenem Antrieb gerne lernt und Fragen stellt ist es wichtig, dass ihr ihm die Antworten nicht vorweg nehmt. Oder anders ausgedrückt: beantwortet am besten keine Fragen, die eure Kleinen noch gar nicht gestellt haben, denn sonst verlieren sie die Möglichkeit auch andere Möglichkeiten auszuprobieren oder zu erkennen. Dies zeigt auch das Experiment. Dadurch, dass der einen Gruppe bereits eine Funktion bekannt war, suchte keiner mehr nach neuen und anderen Funktionen.
Motiviert eure Kinder stattdessen doch lieber selbst immer wieder Fragen zu stellen und zeigt ihnen dann Möglichkeiten die Antwort selbst zu finden.
 

Lernen und Handeln

Hier ist es am wichtigsten, wenn ihr euren Kindern die Möglichkeit gebt, selbst Fehler zu machen und dann aus diesen zu lernen, denn so verstehen sie besser, warum ihr erster Versuch so nicht funktioniert hat und denken selbstständig über einen anderen Weg nach. Der Hirnforscher erklärt es wie folgt: “Es kann kein Kind lernen, wie man aufsteht, wenn es nie hinfällt.”
 
Zusammenfassend lässt sich hier nur sagen, lasst eure Kinder doch erstmal machen und helft ihnen dann mit all eurem elterlichen Können und Wissen, wenn es mit einer Frage oder einem Problem zu euch kommt. Dann vermittelt ihr ihm auch das Gefühl, dass es damit immer zu euch kommen kann und ihr gemeinsam nach einer Lösung suchen könnt.


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