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Wie viele Kinder sind genug? Wann ist die Familie komplett?

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Das fragt man den Kopf und das Herz und ist doch immer mal wieder unsicher. Auf jeden Fall eine schwierige Entscheidung, wie auch Supermom (Berlin) weiß:


Egal wie viele Kinder schon in der Familie sind, für jeden stellt sich die Frage, ob es nun genug sei, ob die Familie komplett ist. Manchmal bestimmen fremde Faktoren wie Wohnraum oder das Bankkonto diese Entscheidung. Manchmal sagt es das Herz. Manchmal der Verstand. Sind wir komplett? Ganz ehrlich, wir wissen es nicht. Und ich schreibe „wir“ weil zu unserer Familie Mann und Frau gehören, die gemeinsam entscheiden. Der Verstand sagt: Klar seid ihr das! Das Haus ist perfekt für 3 Kinder. Jede hat später ihr eigenes Zimmer. Unser Bad und Gäste WC werden sicher an ihre Grenzen kommen. In unser jetziges Auto passt definitiv kein weiteres Kind. Hotel Übernachtungen ohne Zubuchen eines weiteren Zimmers können wir vergessen. Überhaupt, wie machen wir dann Urlaub, und wo? Wenn die Kinder größer sind, warten Schule, Ausflüge, größere Ausgaben auf uns, die finanziell gewuppt werden wollen, ohne dass wir uns sehr zurück nehmen müssen. Auch nervt es mich jetzt schon oft, dass Organisatorisches, Arzt- und Beamtengänge an mir hängen bleiben, auch größte Teile des Haushalts sind unter der Woche meine Aufgabe. Das wird mit einem weiteren Kind nicht weniger.

Nein mehr Kinder bedeutet nicht mehr Entspannung und Familienglück. Im Gegenteil. Es bedeutet Arbeit, Chaos, Schmutz, Dreck an den weißen Wänden, Sand im Wohnzimmer, Schoki oder Spucke am schönen Shirt, Aufgeben der eigenen Freiheit. Letzteres fällt mir nicht immer leicht. Jaja alles eine Phase, sie werden selbständiger. Klar werden sie das. Mit jedem weiteren Kind verschiebt sich das natürlich. Jedes weitere Kind bedeutet mehr Sorgen und Ängste. Denn so wie sich die Liebe verdoppelt, verdoppeln sich auch diese Gefühle.

Zu entscheiden, es sei jetzt genug, kann nicht die eigene Familie, der Bekannten- oder Freundeskreis. Vielleicht ist es im Herzen niemals genug. Vielleicht wäre immer noch Platz für ein weiteres Kind. Vielleicht gibt es das Gefühl nicht „Wir sind komplett“. Vielleicht doch. Nach einem, zwei oder drei Kindern. Denn die Entscheidung für oder gegen ein Kind ist endgültig. Das macht sie so schwer. Irgendwann gibt es kein: „Ach komm, wir möchten noch ein Kind.“ Die Gründe gegen ein Kind wiegen immer schwer: Zukunftsängste, finanzielle Sorgen, Wohnraum… Sie werden mit zunehmender Kinderzahl nicht kleiner oder sind leichter zu stemmen. Man wird nur kompromissbereiter, gibt eigene Freiheiten gern für ein weiteres Familienmitglied auf. Oder eben nicht. Und dann ist es genug. Wenn man selbst auf der Strecke bleibt, wenn es der Beziehung nicht gut tut. Wenn die Balance fehlt zwischen „Zeit für sich“ und „alles für die Familie tun“. Wenn es eine finanzielle Belastung ist, die nicht schaffbar ist.

Wir werden oft gefragt, ob wir ein weiteres Kind wollen und wir beide können weder laut „Ja!“ sagen, noch definitiv „Nein“. Wir werden es also sehen. Drei Kinder fühlt sich richtig an. Es passt. Von vielen Seiten betrachtet. Vor dem dritten Kind dachten wir, drei passt niemals, ist nicht möglich, sind eh alle dagegen und halten uns für bekloppt. Und ja, sich für Kinder zu entscheiden ist ein Stück weit irre, wahnsinnig und mutig. Viele Kinder haben ist wohl noch verrückter, noch waghalsiger. Und trotzdem entscheiden sich Menschen dafür. Für ein Kind. Und irgendwann vielleicht für weitere Geschwister. So ungünstig die Vorzeichen manchmal stehen mögen. Von daher, wie soll man so eine Frage klar beantworten können, wenn zumindest ich nicht weiß, was die Zukunft bringt? Wenn ich nur aus meiner momentanen Situation her antworten kann. Und fragt man mich im morgendlichen Chaos sag ich bestimmt nicht „Ja“ zu einem weiteren Kind.

Ich finde es nicht schlimm, wenn wir gefragt werden. Ich mag die Wertung nicht. Ehrlich gesagt, ist es mir egal ob der Bekannte beruhigt ist, dass wir keine weiteren Kinder mehr wollen. Oder ob Verwandte schon drei Kinder für völlig wahnsinnig halten. Am Ende ist es eine ganz persönliche Entscheidung. Eine für immer. Für ein ganzes Leben. Ich wünschte ich wüsste es ganz definitiv, dass wir komplett sind. Ich wünschte, der Mann wäre entschlossener und empfindet so. Im Moment spricht nicht viel für ein weiteres Kind. Die Zeit ist auch nicht auf unsere Seite. Also vielleicht ist es genug. Vielleicht sind wir komplett. Auf jeden Fall waren wir mutig genug uns für diese Drei zu entscheiden, egal wie ängstlich wir waren, wie ungünstig die derzeitige Lebenssituation aussah. Und ich bin froh darüber.


Zuerst veröffentlicht auf supermom-berlin.de

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