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Familie und Leben

Wie sich Eltern nach einem kurzen „Austicken“ verhalten sollten

Klar, keiner will schreien und keiner will angeschrien werden. Dennoch passiert es, wenn der Tag einfach zu voll war, wenn das Nervenkostüm hauchdünn ist und dann noch etwas dazu kommt. Ärger, Wut, Verzweiflung, Stress sind normal und menschlich. Aber wichtig ist, wie man damit umgeht und vor allem auch, wie verhalten sich Eltern, wenn es gerade einen großen „Urknall“ gegeben hat. Denn, auch wenn es einem leid tut, Schreien ist verbale Gewalt und kann auch zu Verletzungen und Schmerz führen. Deshalb sollte man die Situation nicht einfach übergehen. Genauso wie das Kind für seine Fehler gerade stehen sollte, sind Eltern in der Verantwortung, sich dem Thema zu stellen.
 

Was also tun?

  • 01Atmen! Wenn wir wütend sind, schaltet unser Körper in den Überlebensmodus: Der Adrenalinspiegel steigt an, der Blutdruck geht hoch, der Atem wird schneller, der ganze Körper spannt sich an und wir können keinen klaren Gedanken mehr fassen außer “Flucht oder Angriff”. Wenn du merkst, dass du in diese Stress-Zone kommst, ist es wichtig, erst einmal zu erkennen: Oh je, ich bin wütend/gestresst und kann nicht mehr klar denken. Als nächstes solltest du atmen: Atme tief ein- und aus und sammle deine Gedanken. Tue oder sage nichts, bevor du nicht mindestens vier tiefe Atemzüge genommen hast und das Gefühl hast, dass du dich wieder etwas beruhigt hast.
  • 02Vermeide Trigger. Du magst dich vielleicht wieder etwas beruhigt haben, aber so kurz nach einem Stressanfall genügt schon ein kleiner Trigger, um das Stress-System wieder in Gang zu setzen. Dann fällt man leicht in alte Verhaltensmuster zurück und fängt an, sein Kind wieder anzuschreien. Lass dich also gar nicht erst auf eine erneute Diskussion ein, sondern gehe direkt zu Punkt drei über.
  • 03Übernimm die Verantwortung. Es ist egal, was dein Kind gemacht hat oder wer angefangen hat. Du bist der Erwachsene. Du musst deinem Kind beibringen, Verantwortung für eigenes Fehlverhalten zu übernehmen – indem du dies selber tust. Entschuldige dich bei deinem Kind: „Es tut mir Leid, dass ich dich gerade so angeschrien habe. Ich wollte nicht so laut werden, da hat mich meine Wut überrannt.“ Lege den Fokus auf dein eigenes Verhalten und versuche nicht, die Schuld auf das Kind zu schieben („Du hättest das wirklich nicht machen sollen“ oder „Du warst zu laut“).
  • 04Erkläre deinem Kind deine Gefühle. Manchen von uns mag es schwer fallen, aber es ist wichtig, über die eigenen Gefühle sprechen zu können. Vor allem auch mit Kindern, schließlich sollen sie von Mama und Papa ja lernen, dass sie offen über das, was sie fühlen und denken, sprechen können. Erkläre deinem Kind also, dass du wütend warst und warum du wütend warst. Hier ist dennoch kein Platz für Anschuldigungen. Hilf deinem Kind besser zu verstehen, dass nicht (nur) das, was es getan hat, dich zum Schreien gebracht hat, sondern auch deine eigenen Emotionen und Befindlichkeiten
  • 05Probiere es noch einmal. Gib dir und deinem Kind die Chance auf einen Neuanfang. Sage: „Ok, ich probiere das jetzt noch einmal ohne zu schreien“ oder „Ich war vorher so wütend, dass ich dir gar nicht richtig zugehört habe, möchten wir nochmal von vorne anfangen?“ Wenn du wieder wütend wirst, mach bewusst eine Pause und versuch es später wieder.
  • 06Wieder gut machen. Wenn du aus Wut verbale Gewalt, wie das Sagen von verletzenden Dingen oder das Verhängen von zu strenge Strafen, angewendet hast, kann es sein, dass dein Kind sich verunsichert fühlt. Nun ist es deine Aufgabe, die Beziehung zu deinem Nachwuchs wieder zu kitten. Oft verliert man als Elternteil die Nerven, weil man den Bezug zu seinem Kind verloren hat. Suche also Anknüpfungspunkte und verbringe bewusst Zeit mit deinem Kind, indem du ihm zuhörst und auf das eingehst, was es sagt.
  • 07Finde den Auslöser. Versuche das Geschehene nicht unter den Teppich zu kehren, sondern nimm dir – wenn du dich beruhigt hast – Zeit, über die Situation nachzudenken. Was genau macht dich wütend? Meist sind wir nicht wegen unserer Kinder selbst gestresst, sondern wegen uns umgebenden Lebenssituationen. Ein trotziges Kind ist dann nur der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, aber nicht der eigentlich Grund für unser hohes Stresslevel.
  • 08Hole dir Hilfe. Du wirst immer häufiger wütend und es fällt dir schwer, deine Wut wieder abzulegen? Wenn du das Gefühl hast, mit deiner Wut bzw. dem zugrundeliegenden Stress nicht mehr klar zu kommen, könnte es angebracht sein, Hilfe von außen zu suchen. Denn genau das ist es, was gute Eltern ausmacht: Sie tun alles für das Wohl ihres Kindes. Hilfe findest du z. B. beim kostenlosen und anonymen Elterntelefon von der Nummer gegen Kummer unter 0800- 111 0550


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