Home  »  News   »   Wie redet man richtig über Sex? Das elterliche Dilemma und der Sexualkundeunterricht

News

Wie redet man richtig über Sex? Das elterliche Dilemma und der Sexualkundeunterricht

Da kommt man schon ein wenig ins stocken. Was kann man sagen, wann kann man es sagen und am besten wie? Alles nicht so einfach. Doch findet eine schwedische Mutter, sie sozusagen Expertin ist.

Expertin in zweierlei Hinsicht: 1. als Mutter von zwei Töchtern im Alter von sechs und zehn und 2. als preisgekrönte Erotik-Filmemacherin namens Erika Lust. Ja, ein Frau in einer Männerdomäne, die vor allem das weibliche Verlangen zeigen und somit den Markt der Pornographie verändern möchte – ganz ohne Frauenfeindlichkeit und mit Intelligenz.

Für Erika Lust (natürlich heißt sie im realen Leben anders) ist es wichtig, dass Kinder lernen, Filme und Inszenierungen, die sie gern als übertriebene Performance beschreibt, haben nichts mit der Realität zu tun. So gründete sie The Porn Conversation (zugegebenermaßen ein etwas gewöhnungsbedürftiger Titel) – eine Organisation, die Eltern und Lehrern Hilfsmittel an die Hand gibt, um offen über Sexualität zu sprechen. Denn es geht darum, den Jugendlichen die Angst und die falschen Vorstellungen zu nehmen, es geht um Selbstbestimmung und dass man sich über sein Tun bewusst ist.

Erika Lust selbst, die wenig in der eigenen Familie aufgeklärt wurde, hatte dafür in Schweden eine schulische Begleitung, die in Deutschland wohl undenkbar wäre:

„Eigentlich waren meine Eltern darin nicht besonders gut. Im Ernst, ich hatte keine super sex-positiven Eltern. Sie waren irgendwie recht normal. Aber ich hatte den großen Vorteil, in eine schwedische Schule zu gehen, die eine hervorragende Sexualaufklärung geleistet hat. Sie haben Sexualität als etwas sehr Natürliches verstanden, weshalb sie uns auch in sehr jungen Jahren schon ein gesundes Verständnis für unsere unterschiedlichen Körper mitgeben wollten. Wir hatten richtige Sexologen, die extra unsere Schule besucht haben.
Das waren keine Lehrer, sondern jüngere Leute, die sich auf Sexualerziehung spezialisiert haben. Sie haben uns in kleinere Gruppen aufgeteilt, ehrliche Gespräche mit uns geführt, unsere Fragen beantwortet und uns allerlei Dinge über Sex erzählt. Es war einfach mehr als das typische ‚Seid vorsichtig!‘.

Wir haben uns nicht nur über Geschlechtskrankheiten und das Schwangerschaftsrisiko unterhalten, sondern sie haben uns auch Strategien an die Hand gegeben, wie man sexuell mit jemanden aktiv werden kann, ohne Sex zu haben.“

Der Sexualkundeunterricht funktioniert ihrer Meinung nach einfach nicht. „Er beginnt viel zu spät. Meine Tochter ist gerade zehn geworden und hat bisher noch nicht den Aufklärungsunterricht erhalten, den ich mir für sie wünsche.“ Und die Eltern sollten sich nicht in Scham abwenden, sondern das Thema ganz natürlich immer wieder in den Alltag einfließen lassen. Kein „heute müssen wir mal reden“ – das funktioniert nicht. Wenn man sich übrigens als Vater und Mutter nicht traut, merkt das Kind die Unsicherheit und projeziert etwas in das Verhalten der Eltern hinein.

Dann lieber die Schwester oder einen engen Vertrauten bitten, der offener ist. Nur so, werden die Kids vorbereitet sein auf die Realität, die eben wenig mit dem Prinzen auf dem weißen Pferd zu tun hat, der sofort weiß, was man mag und jenseits einer pornographischen männlichen Sichtweise, wo Frau eher benutzt wird.

The Porn Conversation – educating kids on porn – bietet drei unterschiedliche Guides, je nach Alter der Kids, die beim Gespräch und der Vorbereitung helfen…

verwandte Artikel