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Wie nackt dürfen Eltern sein?

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Was am Anfang süß, niedlich und einfach natürlich ist, erfährt irgendwann eine gravierende Wendung: Nacktheit. Oft mit Scham und Scheu und der Unzufriedenheit am eigenen Körper besetzt. Aber wie sieht es bei dem Verhältnis von Eltern und Kindern aus? Immer wieder wird die Nackt-Diskussion geführt und man ist sichtlich uneins, was gesellschaftlich, emotional und rein faktisch vertretbar ist. Jetzt hat ein Beitrag auf der Plattform Mumsnet die Diskussion neu entfacht – denn: die Lehrerin mischte sich ein. Aber was ist passiert? Ein Mutter geht mit ihren zwei Söhnen im Alter von vier und sechs Jahren relativ offen um, d. h. auch Kinder und Eltern sehen sich nackt, schlafen bei sommerlicher Hitze auch nackt. Als ihr ältester Sohn dies gegenüber der Lehrerin äußerte, sprach diese die Mutter nach der Schule an und meinte: „…man sollte doch damit anfangen, solche Szenarien zu vermeiden.” Sicher gut gemeint von der Lehrerin, aber geht es sie wirklich etwas an?

Nacktheit als solche ist ja eigentlich nichts Verkehrtes. Kinder brauchen den direkten Hautkontakt mit ihren Eltern, das vermittelt Nähe. Nach der Geburt ist es in allen Kulturen üblich, dass Babys auf die nackte Haut gelegt werden.

Diplom-Psychologin Elisabeth Nicolai

Aber: Nacktheit wird eben auch als Gefahr identifiziert. So tragen in den USA schon seit Jahren auch die Allerkleinsten am Strand einen Badeanzug – die Angst vor Handykameras, Veröffentlichungen und Missbrauch ist groß. Nicolai sagt: „Nacktheit wird zur Gefährdung. Zu etwas, vor dem man Angst hat.“

Doch dies sollte in der eigenen Familie nicht der Fall sein. Familie ist ein sicherer Hafen. Ein Ort, wo man sich fallen lassen kann. Doch jedes Kind ist anders und kann dementsprechend seine Grenze auch individuell setzen. Möchte es sich selbst nicht mehr nackt zeigen oder die Eltern nackt sehen, wird es dies bei einer vertrauensvollen Beziehung zum Ausdruck bringen und dies sagen. Damit ist klar „das möchte ich nicht mehr“, was von den Eltern zu akzeptieren ist – egal ob die Aussage mit acht, zehn oder zwölf Jahren getroffen wird.

Ich ermutige Eltern dazu, ihren Kindern ein gesundes Nein beizubringen. Die Kinder sollen lernen Grenzen zu setzen, wenn ihnen etwas unangenehm ist. Denn das können Kinder sehr gut. Sie merken sofort, wenn ihnen jemand zu Nahe kommt„, ist sich die Psychologin sicher. Die Kinder müssten lernen, dass es richtig ist, sich gegen Übergriffe jeder Art zu wehren. „Auch den Eltern gegenüber. Es geht ja gar nicht immer um sexuelle Übergriffe„, erläutert Nicolai. „Wenn ein Kind mal nicht in den Arm genommen werden möchte, muss auch das in Ordnung sein.

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