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Wenn nichts mehr geht… Mama-Burn-out Teil 2

Eine Mama berichtet…

Anfang des Jahres merkte ich bald, dass ich mal wieder ein Päuschen gebrauchen könnte. Ich sehnte mich nach einem ganzen Tag nur für mich alleine. Ruhe! Doch ich nahm ihn mir nicht. Ich spürte, wie die innere Gereiztheit zurück kam. Dann verlangte man im Kindergarten ein Gespräch. Kind Nr. 1, so ginge es nicht weiter, eine Lösung müsse her. Ich hatte eine Kinderpsychotherapeutin angerufen, trotzdem ging ich aus dem Gespräch mit den Erzieherinnen raus und konnte nicht mehr. Zumal ich nicht wusste, wie ich mit meinem Mann, mit dem es zu dem Zeitpunkt katastrophal lief und sich meine Gedanken nun schon so lange um das Thema Trennung drehten, bezüglich dieses „Problems“ auf einen gemeinsamen Nenner kommen sollte. Mit ihm zu kommunizieren, war nicht mehr möglich. Es fühlte sich an diesem Nachmittag an, als hätte man mir gerade komplett jegliche Energie aus dem Körper gesaugt.

Einige Tage später fing es an. Mein „Körpertinnitus“, wie ich ihn lange nannte. Mein Körper zitterte innerlich, nein, er vibrierte und bebte, laut. Nachts war ich wie gewohnt oft wach und mein Körper bebte und brummte wie verrückt. Es wurde nach einiger Zeit wieder leicht besser und ich nahm mir meine „Mama-Auszeit“, aber das reichte nicht mehr. Sobald ich zurück kehrte zu meiner Familie und auf meinen wie immer griesgrämigen Mann stieß, fing es wieder an. Und dann ging gar nichts mehr.

 

Ausgebrannt

Mein Körper streikte, komplett. Und damit auch mein Geist. Ich hatte Orchesterprobe, aber ich fühlte, dass ich total erschöpft war, zu erschöpft, um mit meinem Instrument noch die anstrengenden und anspruchsvollen Stücke zu bewältigen. Mir war schwindelig, ich sah die Ferne verschwommen und fühlte diese Hitze hinter der Stirn. Ich holte meine Kinder vom Kindergarten ab und schleppte mich mit ihnen nach Hause. Mein Mann kam dazu. Ich lag den Rest des Nachmittags auf dem Sofa und kam nicht mehr hoch.

Auch am nächsten und übernächsten Morgen nicht mehr. Ich rief meinen Chef an und meldete mich krank, ging am nächsten Morgen zum Arzt. Der half mir nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich konnte mich nicht mehr richtig um die Kinder kümmern. Ich war ein Häufchen Elend. Wenn ich aufstand, wurde mir schwindelig, heiß, ich zitterte, bekam wieder diese Kribbelgefühle. Und dann dieser Druck hinter der Stirn, die Sehstörungen und diese totale Schwäche und bleiernde Müdigkeit. Mein Herz hämmerte in meinem Oberkörper. Ich dachte immer wieder, ich müsse jeden Augenblich zusammenbrechen.  Ich bat meinen Mann, eher von der Arbeit nach Hause zu kommen und er kam. Zwar waren meine Schwiegereltern im Haus und betreuten die Kinder, ich versuchte noch etwas zu helfen, aber ich hatte Angst und brauchte jemanden, der nun emotional für mich da war. Das Wochenende stand vor der Tür und bedeutete in diesem Fall, dass mein Mann an beiden Tagen komplett arbeiten musste. Er ging zwar am Samstag später, aber es half nichts. Ich konnte nicht mehr. Ich rief mir einen Krankenwagen und lies mich in mein Krankenhaus in die Notaufnahme bringen. Ich hatte mich von meinen Kindern verabschiedet und ihnen versichert, dass ich bald wieder käme. Beide sahen, wie der Krankenwagen mit mir davon fuhr.

Der Arzt war nett, lustig und schien mich ernst zu nehmen. Er verschrieb mir ein Antidepressivum und erklärte mir, woher mein Zustand käme. Wer jahrelang versuchte zu funktionieren, und sich dabei ständig über seine Kräfte hinaus verausgabt, der wird eben irgendwann krank. Das mit dem Serotonin in meinem Gehirn funktioniere eben nicht mehr richtig. Wenn ich das Medikament ein Jahr lang, vielleicht auch zwei, nehmen würde und weiterhin eine Therapie machte, würde ich wieder gesund werden. Angststörung / Depressive Störung (gemischt), so lautet die Diagnose auf dem Arztbrief. Endlich passiert etwas, denke ich. Lange habe ich für mich ausgeschlossen, Chemie in meinen Körper zu schütten. Jetzt bin ich einfach nur froh. Es wird eine Weile dauern, bis es wirkt, sagte der Arzt. Außerdem soll ich die Dosis nur sehr behutsam steigern.

Eine Woche lang liege ich fast nur, selbst Lesen ist mir meistens zu anstrengend. Schlafen kann ich nicht, essen mag ich nicht, ich habe einfach keinen Appetit. Selbst Schokolade, die sonst zu meinen Hauptnahrungsmitteln gehört, verschmähe ich. Ich trinke Wasser und warte. Warte darauf, dass es mir besser geht, das Zittern und Brummen weniger wird und ich wieder auf irgendetwas Lust habe. Oder die Kraft. Mein Mann ist zu Hause, er kümmert sich um die Kinder und auch – mehr oder weniger – um den Haushalt und um mich. Er sagt, wir würden das schon schaffen, gemeinsam. Und ich frage ihn was ist, wenn es mir niemals mehr besser geht.

Aber dann irgendwann wird es besser, es gibt bessere Momente. Ich kann wieder öfter aufstehen und auch mal für die Kinder da sein. Ich bin zu Hause. Wenn die Kinder nicht da sind, liege ich meistens auf meinem Bett. Manchmal setze ich mich in meinen alten Ikea-Sessel und schaue nach draußen. Oder ich sitze auf meinem Sitzsack und blicke in den Garten. Die Sonne scheint, das tut so gut. Ich bin einfach da und hoffe. Eines Tages wird alles wieder gut, bestimmt.

Nachts habe ich gerade in der ersten Zeit starke Angst-/ Panikattacken. Es ist grausam. Aus dem Nichts wache ich auf und ringe nach Luft. Habe wohl mal wieder aufgehört gehabt zu atmen. Oder es gibt einen Rums, der durch meinen Körper ruckt und bin wach. Stundenlang oder immer wieder. Es ist so anstrengend. Nur tagsüber schlafen kann ich nie.

„Ich kann nicht mehr!“ Darf ich das sagen? Als berufstätige Mutter zweier kleiner Kinder, die Unterstützung in Form eines Mannes und einem Großelternpaares hat? Ist es nicht einzig und alleine den Alleinerziehenden vorbehalten, irgendwann vor Erschöpfung zusammen zu brechen? Ganz schlimm ist es bei den Frauen, die weder vom Vater ihrer Kinder noch von anderen Anverwandten Unterstützung bekommen und zudem finanziell nicht gerade gut dastehen? Also, durfte ich überhaupt so krank werden? Ich weiß es nicht. Es ist passiert. Ich bin ein perfektionistisch veranlagter Mensch und zudem hochsensibel. Ich habe in meinem Leben bei weitem nicht nur Schönes erlebt. Ich bringe also einige Voraussetzungen mit, die solche Erkrankungen begünstigen können.

Das Ganze ist jetzt gut 2 Monate her. Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Artikel schreiben und veröffentlichen sollte. Es ist sehr persönlich. Aber vielleicht hilft es. Hilft anderen, die Symptome zu erkennen und sie ernst zu nehmen. Mir geht es teilweise besser, aber leider nicht immer. Gerade sind – trotz des herrlichen Frühlingswetters – wieder schlechte Tage. Ich bin sehr müde und kriege schlecht Luft, bin kurzatmig und schlapp. Mir ist oft schwindelig. Ich habe immer wieder dieses Engegefühl in der Brust und mein ganzer Körper fühlt sich oft unheimlich schwer an. Er zittert nach wie vor, wenn auch nicht mehr so stark. Und manchmal habe ich das Gefühl, er kribbelt einfach komplett.

Die Nächte sind bescheiden. Ein Teil meiner Angst dreht sich um die Angst, schwer krank zu sein oder zu werden. Daher werde ich auch hier immer noch einiges ärztlich abklären müssen. Manchmal weiß ich nicht, wie es weitergeht, ob es irgendwann wieder richtig gut wird oder ob ich mit diesem Zustand leben muss. Ich habe einen tollen Ergotherapeuten gefunden (auf Empfehlung meines Hausarztes), der mit Burnout-Betroffenen arbeitet und sich auf die psychische Schiene spezialisiert (hat). Außerdem habe ich eine neue Psychotherapeutin kontaktiert, die eventuell besser zu mir passt. Ich freue mich darauf, wenn sie endlich anruft um mir zu verkünden, dass sie nun Zeit für mich hat. Das ist ja in diesem Bereich immer nicht so einfach. Man wartet schon mal mehrere Monate auf einen Therapieplatz.

Im Krankenhaus werde ich immer wieder ambulant betreut, vor allem wegen der Medikation. Ich versuche, an mir zu arbeiten. Meine Erwartungen und Ansprüche in vielen Bereichen habe ich enorm nach unten geschraubt. Höher, schneller, weiter brauche ich nicht mehr unbedingt, trotzdem sind einige Dinge wichtig, um glücklich sein zu können. Eine funktionierende Paarbeziehung stellt dabei das größte Problem bzw. Herausforderung für mich dar. Jeder kleine Streit führt – so scheint es mir – zu einer erneuten Verschlechterung meines Zustandes. Eine Lösung ist nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick erscheint…

(Danke Sonja und den verlorenen Schuhen)

Wichtig. Es gibt keinen Grund zur Scham. Wenn man allein nicht aus dem Tief heraus kommt, braucht es Hilfe. Wenn es mit einer Krankschreibung des Hausarztes nicht getan ist, sollte man sich umschauen. Es gibt nur den einen Körper und die eigene Gesundheit – burn in statt burn out. Hier eine Therapeutenliste für Leipzig… denn: wenn man nichts tut kann es auch nicht besser werden.

www.therapie.de/psychotherapie/-schwerpunkt-/mobbing-burnout-stress/-ort-/leipzig/


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