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Wenn nichts mehr geht… Mama-Burn-out Teil 1

Am Dienstag gab es einen kleinen Test, um die Zeichen des Körpers richtig zu deuten (LINK). Heute geht’s weiter. Eine Mama meldet sich zu Wort, die weiß, wie sich viel zu viel anfühlt. Erholung eine ferne Erinnerung, ein Wort ohne Inhalt. Urlaub auch nur noch der Wechsel des Ortes, aber ohne Besserung der Situation.

Eine persönliche Annäherung an das Thema und die Einsicht, dass man nicht mehr kann, dass „Inseln im Alltag“ nicht auffindbar sind, dass Hilfe dringend notwendig ist…

„Wir müssen aber können, wir Mütter. Immer und überall, jederzeit. Ob wir krank sind oder nicht. Welche Mutter kennt das nicht: sie sollte eigentlich das Bett hüten, doch sie hat keine Wahl. Es ist niemand da, der sich um die Kinder und den Haushalt kümmert. Oder der Partner hat die Männergrippe und liegt selber mit Schnupfen halbtot danieder. Da haben wir Mütter einfach Pech gehabt. Und wenn nicht nur wir über der Kloschüssel hängen, sondern auch noch die Kinder, dann ist „Holland in Not“. Es hilft nichts, wir müssen ran!

Und dann gibt es da noch die anderen Sachen, die nicht so schnell wieder verschwinden. Wir sind erschöpft, dauermüde, der Körper streikt. Erst nur ein bisschen und nur ab und zu, dann immer öfter und immer länger. Es wird schlimmer, wir wissen, wir brauchen eine Auszeit. Das eine Stündchen am Abend reicht nicht mehr, wird sowieso verschlafen (zum Glück! Schlaf!),  auch nicht die Stunde unter der Woche, wenn der Partner oder die Großeltern mal die Kinder nehmen. Es reicht irgendwann nicht mehr. Wir sind nur noch alle, kaputt, leer. Ausgebrannt. Verzweifelt dazu. Das Burnout-Syndrom hat zugeschlagen.

So fing es auch bei mir an. Jahrelang viel, viel (!) zu wenig Schlaf. Keine wirklichen Auszeiten mehr, im Alltag sowieso nicht. Urlaube, die zwar einen Ortswechsel beinhalteten, aber den Beinamen „Erholung“ nicht verdient hätten. Genauso wenig die Wochenenden, die man früher genutzt hatte, um mal was zu erleben, etwas für sich zu tun und außerdem dazu, sich vom Job auszuruhen. Einfach mal wieder zu sich selber finden. Nichts (zu) machen! Jetzt sind da die Kinder, welche einen brauchen. Häufig und gerade in den ersten Jahren rund um die Uhr. „Sie wollen immer noch alles!“ sagte man zu mir. Achja? Ich wollte einfach nur eine Familie und einen Job, der Spaß macht und mir das Geld bringt, welches wir zum Leben brauchen (und mir ein wenig Rente sichert). Alles andere hatte ich aufgegeben.

Hobbys und Interessen? Fehlanzeige. Ein Heim nach meinen Vorstellungen? Hier regiert schon lange das Chaos und die To-Do-Liste reicht mindestens einmal um den Erdball. Tolle Urlaubsreisen? Ja, ein Mal im Jahr an die Nordsee (wobei das auch schön ist, ich bin da sehr gerne). Selbstverwirklichung als Musikerin, Musizieren auf höchsten Niveau in diversen Orchestern und Kammermusikformationen? Habe ich längst aufgegeben. Keine Zeit, keine Kraft. Was also bitte will ich immer noch alles, wenn ich schon so vieles hergegeben habe?

Ich schob meinen Zustand auf die jahrelange Ausbeute meiner eigenen Person. Zwei Kinder mit kleinem Altersabstand, immer wieder schnell zurück in den Job. Schichtdienste. Ich bin zudem nicht mehr die Jüngste. Nur noch erschöpft. Manchmal fing ich einfach an zu weinen, aus dem Nichts und aus purer Erschöpfung und Verzweiflung. Ich wurde auch aggressiv und gereizt, lies meine Wut schreiend heraus und rannte sogar mal davon. Ich holte mir Hilfe, das war vor einem Jahr, ging zum Arzt, wurde krank geschrieben. Ging wieder arbeiten. Spürte nach einigen harten Wochen, dass ich dringend eine Pause bräuchte. Aber es war Sonntag, mein Mann und ich mussten arbeiten. In der Nacht davor fing es an. Es ging mir so mies. Ich hatte Atemaussetzer, Durchfall und konnte kaum schlafen. Irgendwas fühlte sich komisch an, und ich wusste nicht, was es ist. Eine „komische Erkrankung“, sagte ich noch hinterher, eine Woche später, als ich wieder auf den Beinen war.

An dem Sonntag schaffte ich es noch bis an den Fernsehkameras vorbei. Es war heiß. Ich schwitzte. Mir war schwindelig. Ich bekam kaum Luft. Diese innere Unruhe in meinem Körper machte mich wahnsinnig. Dann holte mich das DRK ab.

Der Arzt sagte, ich sei erst mal durch und bevor es zum Burn-Out käme, schrieb er mich noch mal krank. Außerdem fand ich eine Psychotherapeutin. „Suchen Sie sich Inseln im Alltag!“ Ja, wie denn?! Ich musste weitermachen. Job, ständig streitende Kinder, massive Eheprobleme, ein fehlendes soziales Netz und (somit) emotional ohne jegliche Unterstützung, gefühlt also wie total alleine. Dazu Schuldgefühle (ich bin immer Schuld, an allem!), Selbstzweifel und Zweifel an allem, an meiner ganzen Lebenssituation und vielen Entscheidungen in der Vergangenheit. Ich war frustriert, meine Frustrationstoleranz lange überschritten. Meine Gedanken drehten sich im Kreis, Monatelang. Eigentlich schon Jahrelang. Manchmal waren da diese Momente der absoluten Leere. Ich hatte das Gefühl, dass die Zukunft im Dunkeln lag, völlig sinnentleert. Dann waren da wieder die Kinder. Für sie musste ich durchhalten! Für wen sonst? Dann immer wieder diese Atemprobleme und diese Erschöpfung. Das Gefühl, schwer krank zu sein! Damit kam ich dann per Hyperventilationstetanie in die Notaufnahme. Mein ganzer Körper kribbelte und hatte sich teilweise verkrampft. Ich sollte eigentlich gerade meine Tochter im Kindergarten eingewöhnen (der Mann hatte den Anfang gemacht) und nun ging erst mal ein paar Tage gar nichts mehr. Statt die Zeit für mich zu nutzen, lag ich da und starte die Decke an. Selbst Lesen war zu anstrengend. Ich schloss die Augen und wartete darauf, dass mein Körper mir wieder gehorchte.

Das tat er – mehr oder weniger. Ich war dauernervös, dieses Zittern war viel zu oft da. Ich hatte morgens im Auto schon Atemnot und oft hörte das stundenlang nicht auf oder kam immer wieder. Da ist kein Sauerstoff für mich! Und automatisches Atmen ging dann nicht mehr, ich musste mich darauf konzentrieren, sonst hörte ich einfach auf. Später, als es richtig schlimm war, wachte ich nachts immer wieder auf, weil ich zu Atmen aufgehört hatte. Jedenfalls kam es mir so vor.

Leichte Panikattacken bestimmten meinen Alltag. Der Körper zitterte, ich wurde so unglaublich müde und wollte nur noch meine Ruhe. Aber ich biss mich durch und dann ging es mir besser. Wochenlang war ich fit. Also war es doch der Eisenmangel, den man festgestellt hatte. Ich nahm Eisentabletten und vielleicht hatte das einen gewissen Placebo-Effekt.

Aber….

Morgen geht es weiter…. Denn Eisentabletten helfen nicht wirklich bei endloser Erschöpfung

(Danke Sonja und den verlorenen Schuhen)


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