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Wehend auf dem Krankenhausflur – oder die Missstände bei Geburten werden immer drastischer

Wehend auf dem Krankenhausflur – oder die Missstände bei Geburten werden immer drastischer

Man kann es nicht oft genug schreiben – Hebammen und Kreißsäle sind wichtig. Es geht schließlich um kleine neue Menschenkinder und ihre Mütter, die gerade die erste Geburt nicht als absolutes Horrorerlebnis in Erinnerung haben sollen. Schließlich will man doch die Geburtenrate erhöhen. Traumatisierte junge Mütter können keineswegs erwünscht sein. Trotzdem – Die Meldungen sind dramatisch und leider wahr.

In Deutschland gibt es weit weniger Kreißsäle als noch vor einigen Jahren, wie das Hamburger Abendblatt berichtet. Seit 1991 mussten rund 40 Prozent aller Geburtsstationen schließen, mit weitreichenden Folgen für viele werdende Mütter.
Die Anfahrtswege zum nächstgelegenen Kreißsaal werden immer länger, als besonders dramatisches Beispiel nennt die Zeitung die Frauen der Insel Föhr. Sie müssen sogar den Hubschrauber rufen.
Endlich in einer Geburtenstation angekommen ist es manchmal noch nicht ausgestanden: Trotz Wehen gibt es Zeiten, zu denen Gebärende auf dem Flur warten müssen, bis ein Kreißsaal für sie frei ist.

Das hat auch die „Echte Mama“ Nina Celine erlebt. Sie hatte sich mit ihrer Kliniktasche auf den Weg ins Krankenhaus gemacht, als die Wehen regelmäßig und in kurzen Abständen kamen. Doch die Geburtenstation war überfüllt. Nina bekam ein Krankenhaushemd angezogen, musste dann aber im Flur auf einem Stuhl sitzend warten. So versuchte sie, ihre Wehen zu so gut es ging zu veratmen. Als sie endlich in den Kreißsaal kam, war es schon höchste Zeit: Innerhalb von zehn Minuten war ihr Baby da.

„Schön war das ganz und gar nicht„, meint Nina verständlicherweise. Eine entspannte, selbstbestimmte Geburt läuft anders ab, das kann jede Mama nachvollziehen.

Die Zahlen machen aber wenig Hoffnung: Von 1186 Geburtsstationen 1991 waren 2015 nur noch 709 übrig geblieben, nimmt das Abendblatt auf Daten des Statistischen Bundesamtes Bezug. Die Tendenz dürfte bis heute angehalten haben. Die Anzahl der Geburten habe sich um vergleichsweise geringe elf Prozent reduziert.

Trotzdem hätten sich viele Kreißsäle nicht gelohnt, da sie viel Personal brauchen, was besonders in ländlichen Gegenden ein Loch in die Klinik-Kassen gerissen habe. Außerdem sei es schwierig geworden, überhaupt Personal dafür zu finden.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen sieht das Kreißsaal-Sterben positiv: Der längere Weg zu größeren Kliniken lohne sich für die (werdenden) Eltern, da dort mehr Spezialisten vor Ort seien, um die Patienten bei Komplikationen schneller und besser versorgen zu können.

Politiker wie die Vizechefin der Linke-Bundestagsfraktion Sabine Zimmermann hält dagegen. Sie sagte dem Abendblatt, die Sparpolitik in der Geburtshilfe an Kliniken müsse ein Ende haben und fordert eine Änderung in der Finanzierung.

Zuerst veröffentlicht auf Echtemamas

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