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Kolumnen

Was für eine Weihnachtsmann-Kacke (Verzeihung, aber so war es eben)

Weihnachtsmann

 

Jetzt ist es schon sechs Tage alt, das Neue Jahr, das doch bitteschön so gut wie irgend möglich werden soll. Insgesamt sind seit dem rotmützigen Großereignis dreizehn Tage vergangen und ich ärgere mich immer noch. Dabei wollte ich doch weniger nachtragend sein. Aber ja, ich ärgere mich über den Weihnachtsmann und finde es, selbst mit etwas Abstand betrachtet, gar nicht übertrieben (so wie man es nachtragenden Menschen ja gern nachsagt).

Dabei bin ich allgemein auf den freundlichen, netten älteren Herren mit Bart gut zu sprechen, der wie kaum jemand anderes weltweit so beliebt ist und fast schon als völkerverbindend bezeichnet werden kann. Herr Hausschild (genauer gesagt, Ethnologe Thomas Hauschild) nennt ihn sogar den „internationalen Gott der Gabe“ und hat ihm voller Bewunderung ein eigenes Buch gewidmet. (Ich gebe zu, dass sich meine Lust, gerade nach dem ganzen Trubel intensive Weihnachtsmannlektüre zu lesen, arg in Grenzen hält, aber das kann ja wieder kommen…. so in zehn bis elf Monaten)

 

Um auf den Punkt zu kommen: der Weihnachtsmann war ein Desaster.

So lange hatte ich mit mir gerungen, ob zu den Kids ein echter Santa Claus oder wie wir ihn auch immer nennen wollen, kommt – und ich hatte mich gegen den Willen meines Herzensallerliebsten durchgesetzt. Ich gestehe, zu mir als Kind kam nur ein einziges Mal eben jener Herr mit Rute, die zu allem Überfluss aus vertrockneten Blüten aus Nachbars Garten bestand. So habe ich immer noch ein gewisses Nachholbedürfnis.

WeihnachtsmannAlso, kontaktierte ich den Auserwählten über eine fantastisch erscheinende Weihnachtsmann-Vermittlungs-Online-Seite, schrieb lang und breit, dass ich skeptische Kinder habe und dass es deshalb ein wenig Echtheit braucht. Ich ließ mir Fotos mit Kostüm schicken und vergewisserte mich, dass unser Besucher der deutschen Sprache mächtig wäre. (Hier soll erwähnt werden, dass ich gegen charmante länderübergreifende Sprachvarianten nichts auszusetzen habe, aber beim Weihnachtsmann bin ich eigen. In keinem Märchen, in keiner einzigen Geschichte gibt es zwischen Kind und großem Mann Verständigungsprobleme. Vor kurzem haben wir sogar darüber am Bettzipfel geredet, wie schlau und schnell er doch sein muss, um überall kurz zu Besuch sein zu dürfen.)

Darauf mailten wir, tauschten Insider-Informationen aus (die für jeden Raubüberfall reichen würden) und es gab geheime Absprachen zu Uhrzeiten, der Türöffnung ohne Schlüssel oder zu den Verstecken der Geschenke. Ich freute mich – mein mütterlich, einst kindliches Herz hüpfte wie verrückt und eine gewisse Aufregung war nicht zu verleugnen. Die Kinder waren hübsch anzusehen, der Mann hatte seinen Missmut inzwischen hinuntergeschluckt, der Baum brannte, das Weihnachtsmärchen lief und dann…

Läutete mein gut vorbereiteter Besuch und war mehr als deutlich am große Videoscreen neben der Eingangstür sichtbar. Ahhhh – das sollte so nicht sein. Ich beruhigte die Kinder. Schickte sie in die gute Stube und musste leider erkennen, dass der Weihnachtsmann leider auch keine Ahnung hatte, wo ich die Geschenke abgelegt hatte. Ohhh nein – das war auch nicht der Plan. Er wühlte und schaute stundenlang und meine Geduld war bereits leicht erschöpft. Dann endlich, war er fertig und kam herein. Schon längst sprangen die Kinder hoch und nieder, plapperten aufgeregt durcheinander und waren ähnlich einem Schnipsegummi kurz vor dem Abschuss.

 

Der Weihnachtsmann sah komisch aus

Nichts mit dem hübschen Foto, kein Bauch, zerfledderter Bart, Turnschuh. (Was zum Teufel haben bitte Turnschuhe am Weihnachtsmann zu suchen? Selbst so ein armer Student wird doch wohl noch eine andere Fußbekleidung im Schrank haben.) Er sprach: „Ah – so libbe Kinder. Da freu ichch mich aber…“ (Ok – mein Weihnachtsmann schien eher spanischer Herkunft zu sein). Und leider wusste der Herr weder die Namen der Kinder noch schaffte er die schön beschrifteten Pakete passend zu überreichen. Wie ein fehlgeleiteter Drops stand er da und hatte so gar nichts mit meiner idyllischen Vorstellung vom alten, lieben Mann zu tun, der die Herzen zum Schmelzen bringt. Meines zumindest war auf hundertachtzig und dafür vierzig Euro. Da hatten wir auch dem Hund einen Weihnachtsmannmantel kaufen können…

Ich entschied mich, dieser Vollkatastrophe ein Ende zu machen bevor es zu peinlichen Fragen der Kinder und zu Ernüchterung bei den knappen Metern kommen konnte.

„Lieber Weihnachtsmann, hab dank, aber jetzt musst Du doch bestimmt ganz schnell zu den anderen Kindern, oder?“

Der Weihnachtsmann blieb stehen.

„Gut Weihnachtsmann, dann sagen wir Dir jetzt Tschüss, damit die anderen Kinder nicht auf Dich warten müssen.“

Der Weihnachtsmann stand immer noch.

„Weihnachtsmann: Tschüßi!!!!!!!! Die anderen Kinder warten ja.“

Dann flüsterte ich meinem Manne zu „Geh raus mit ihm. Schnell. Los mach schon.“ Mein Herzallerliebster machte wiederum ein Gesicht, dass mir wortlos entgegenschrie: „Na, hab ichs Dir nicht gleich gesagt? Das war eine doofe Idee“

Ich war bestürzt. Er hatte recht. All meine noch aus Kindertagen stammende Vorfreude und Euphorie war hinüber – statt mütterlicher Begeisterung (ich find, die ist auch wichtig) ein großes, dickes, teures Ärgernis. Aber wie stellt schon Herr Hauschild fest:

Der Weihnachtsmann ist Konsum pur.

Ein Geschäft also mit menschlichen, märchenhaften Träumen, was ich spätestens nach diesem Ereignis eingestehen musste. Wie schade. Selten kommt mir so ein Gedanke wie: emotional und moralisch verwerflich, aber hier war er da.

Und jetzt? Ich muss noch drüber hinwegkommen und hoffe sehr, dass der gute, alte, liebe, wissende, Freude schenkende Mann woanders wirklich gut, lieb, ein wenig wissend und voller Freude gewesen ist…. So, wie man es gefälligst erwarten kann.

In diesem Sinne, ich wünsche viele wirklich schöne Begegnungen im Neuen Jahr. Lassen wir uns nicht unterkriegen.

Ihre/Eure Sabine Henriette Schwarz

Weihnachtsmann: Die wahre Geschichte


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