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Warum Kinder grinsen, wenn sie totalen Murks gemacht haben

Kinder grinsen

Gestik und Mimik setzen wir bewusst ein. Wir können damit Freude ausdrücken, aber auch Irritation, Angst, Ärger, Neugier… Nicht ohne Grund gibt es den Spruch: Du bist wie ein offenes Buch, denn der Gesichtsausdruck ist manchmal eindeutiger als viele komplizierte Erklärungen. Ein wichtiger Teil der Körpersprache sind Demuts- und Beschwichtigungsgebärden, genau wie im Tierreich. Sie dienen dazu, dem Gegenüber zur Konfliktvermeidung die eigene Harmlosigkeit zu demonstrieren oder ihn im Konfliktfall zu besänftigen.

Im Allgemeinen gelten zum Beispiel ein leicht gesenkter oder schiefgelegter Kopf, ein freundliches Lächeln oder der verschämte Blick als besänftigend. Und wie im Film sind erhobene Hände mit den Handinnenflächen nach außen ein Zeichen, dass man sich ergibt und von einem keine Gefahr ausgeht. Viele dieser Gesten werden von uns Menschen ganz intuitiv erfasst, aber manche sind in Vergessenheit geraten. Sie führen zu Missverständnissen und oft zu einem Haufen Ärger.

Beispiel:
Das 3jährige Kind hat sich in einem unbeobachteten Moment den nicht ganz leeren Schokopuddingtopf geholt und sitzt genüsslich mitten im Wohnzimmer auf dem Teppich. Es weiß, dass es das nicht machen sollte, aber der Schokopudding war zu verführerisch. Die Eltern kommen und sehen das Drama – ein bekleckertes Kind, Schoko an der Couch, Schokoladenhände auf dem Teppich. Die Eltern sind entsetzt, nehmen den Topf, schimpfen – doch statt einer demütigen, entschuldigenden Geste lächelt das Kind sie an. Mitunter ernten Eltern auch in ähnlichen Situationen ein lautes Lachen oder ein breites Grinsen. Da muss man wohl kaum anmerken, dass dies alles andere als beschwichtigend wirkt. Eltern sehen das als zusätzliche Provokation, als Ungehorsam… was für ein freche, unmögliches Kind. Die Halsschlagader pocht.

MenschenaffeAber: Lachen ist häufig gar nicht provokant. Es ist eine reine Übersprungshandlung. Grinsen ist zudem eine uralte Beschwichtigungsgeste, ein Überbleibsel der Evolution, was gut bei den Affen zu beobachten ist. Bei den Halbaffen, die den Menschen nicht ganz so ähnlich sind, sind die Gesichtsmuskeln nur sehr rudimentär entwickelt. Ihr Gesichtsausdruck ist immer gleich. Sie können mit ihren Muskeln ausschließlich ihre Zähne entblößen – deshalb grinsen sie in Gefahrensituationen. Wer grinst und die Zähne zeigt, kann nicht beißen, das heißt das Gegenüber braucht keinen Angriff zu befürchten. Bei Menschenaffen ist das Zeigen der Zähne sogar eine Demutsgeste.

In der Tat ist dieses Verhalten nach wissenschaftlichen Studien rudimentär bei unseren Kindern erhalten geblieben. Sie fühlen sich ertappt, wissen, dass sie etwas Unerwünschtes gemacht haben, sind verlegen, werden ausgeschimpft und reagieren mit einem breiten Grinsen. Ein Grinsen, was bei den Erwachsenen oft „das Fass zum Überlaufen bringt“. Evolutionär handelt es sich jedoch um keine Provokation, sondern um ein Verlegenheitslächeln, eine Demutsgeste, mit der Kinder um Verzeihung bitten.

Das Lachen der Kids macht uns wütend, weil wir es nicht als Beschwichtigung empfinden, sondern als provozierend. Wir übersetzen das Grinsen eher mit: „Ist mir doch egal, was Du sagst!“ Wichtig für alle Eltern: In den meisten Fällen ist dies gar nicht der Fall. Es bedeutet viel mehr: „Oh, tut mir leid, sei bitte nicht sauer“ – zumindest wenn der Kopf leicht schief gehalten wird, die Augen gesenkt sind und man zu Boden blickt. Achten Sie einfach drauf, wenn es das nächste Mal zu einer Ausnahmesituation kommt. Und… Lächeln hat eine aggressionshemmende Wirkung – so tun wir es auch, wenn wir uns entschuldigen. Ein Gedanke, der es wert ist, Berücksichtigung zu finden.


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