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Warum man eben dann doch will oder die biologische Uhr ruft.

sanduhr

Erst hofft man inständig, dass die Verhütung funktioniert und bricht bereits bei kleinsten Zeitverzögerungen in Panik aus, dann kann man es plötzlich nicht abwarten und will doch unbedingt jetzt, genau jetzt einen kleinen neuen Menschen zeugen, Mutter werden, Vater werden, Eltern sein.

Doch leider ist das nicht ewig möglich oder anders, die Natur hat seinen eigenen Plan. Unser Gastbeitrag zum Thema:


Mit 20 konnte ich mit dem Begriff „biologische Uhr“ rein gar nichts anfangen. Meinen Freund zu verlassen, weil er mich nicht heiraten und/oder mit mir kein Kind will, kam mir einfach nur absurd vor. Und statt zu überlegen, ob in meinem Gebärapparat alles tutti ist, hoffte ich inständig, dass die Verhütungsmittel in meiner Handtasche ihre Pflicht erfüllten. Mehr als zehn Jahre später sieht die Sache anders aus. Treffen sich Freundinnen, schweifen die Blicke wie zufällig über die jeweils anderen Bäuche. Zeichnet sich was ab? Trinkt sie Alkohol? Raucht sie? Auch die Gespräche von Frauen kreisen – selbst bei feuchtfröhlichen Abenden – irgendwann um das Thema Babys (und zwar nicht auf eine kreischend-hysterische Art, wie man uns das gern unterstellt, sondern ganz ruhig und rational). Das mag man nervig finden. Die Wahrheit ist: Wir haben keine andere Wahl. Denn meine Altersgenossinnen und ich stehen mit der Familienplanung ziemlich alleine da.

In meinem Freundeskreis zumindest scheint das höchste der Gefühle, das eine Frau in einer festen Beziehung von ihrem Partner zu erwarten hat, der Satz zu sein: „Wenn du das willst, ist das für mich okay.“ Genauso oft kontern viele bis dato sprachgewandte, reflektierte Männer die „K-Frage“ mit einem unverständlichen Grunzen. Mit Panik in den Augen. Mit der Gegenfrage: „Können wir ein andermal darüber reden?“ Oder, im schlimmsten Fall: Mit einem Schlussstrich unter der Beziehung.

Manche Männer scheint allein der Gedanke an potenziellen Nachwuchs gar in eine Art vorgezogene Midlife-Crisis zu stürzen: Sie wollen noch mal ausbrechen. Die Welt sehen. Sex mit anderen Frauen haben. Und am besten auch noch Mitleid von uns, weil wir sie in eine derart schwierige Situation bringen. Als ich von Bekannten immer mehr solcher Geschichten hörte, war ich zuerst einmal wütend über so viel männlichen Egoismus. Was mich aber wirklich auf die Palme bringt, habe ich erst vor Kurzem verstanden: Es ist die Haltung, die oft dahintersteckt. Nämlich die, dass wir Frauen es einfach haben. Dass wir uns von Natur aus nichts Schöneres vorstellen können, als sofort schwanger zu werden. Und dass wir nun auch die Männer zwingen wollen, bei unseren sowieso lange gefassten Plänen mitzuziehen.

Was sie dabei vergessen: Auch uns fällt es schwer. Denn obwohl viele von uns auf jeden Fall einmal eine Familie wollen, fänden wir es gleichzeitig schon ganz reizvoll, noch ein paar Jahre als Nicht-Mama durchs Leben zu gehen. Mit Anfang 30 haben wir oft erst richtig Fuß gefasst im Job. Wir fühlen uns wohl in unserem Körper. Wir verdienen genug Geld, um tolle Reisen zu machen, uns weiterzubilden, gut zu essen und zu trinken. Wir haben Lust, mit unserem Partner viel Zweisamkeit zu genießen oder viel Spaß an der Partnersuche. Ja, wir wüssten auch so genug Sinnvolles mit unseren Dreißigern anzufangen. Wenn da nicht das Wissen wäre, dass unsere Chance, schwanger zu werden, mit jedem Jahr rapide sinkt.

Und eben diese Gewissheit lässt viele selbstbewusste, emanzipierte Frauen zu etwas werden, das sie nie sein wollten: Die nervigen Freundinnen, die bei jeder Gelegenheit laut darüber nachdenken, wie das wohl wäre mit einem Baby. Die zuerst ganz vorsichtig, dann immer drängender, nachhaken, wie es bei euch aussieht mit einem Kinderwunsch. Und die euch im Extremfall irgendwann vor eine Entscheidung stellen.


(laut nachgedacht von editionf)

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