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Kolumnen

Von einem Gruppenausflug – in der Besetzung: kinderlose Erwachsene, ein Elternpaar, zwei Kinder

Gruppenausflug

Gemeinsam verreisen ist wunderbar. Man kann sich unterhalten, austauschen, seine Freude teilen oder sich zu Dingen inspirieren (oder überreden) lassen, die man allein nie gemacht hätte. Das nennt man den Gruppenzwang, der mich einst zum Schlittschuhlaufen verführt hat. Auch heute ist so eine gruppendynamische Angelegenheit für mich eher wie eine Art Klassenfahrt für Große – nur ohne Schlafsaal. Dafür mit gutem Essen, ein wenig Sightseeing, mit ein wenig Entspannung und Seele baumeln lassen.

Soweit in der Theorie. Wenn man sich jedoch als einziges Elternpaar mit zwei kleinen Kindern inmitten von Erlebnishungrigen wiederfindet, kann das doch zu mehr Diskrepanzen führen als ich mir vorher eingestehen wollte. „Wird schon nicht so wild“ dachte ich. Alle anderen wissen ja um die Kids und haben Ahnung. Das wird sich finden. Schließlich sind wir bekannt, verwandt, befreundet und es gibt genug Hände zum Malen, starke Arme zum Tragen und genug Augen, die auch mal einen Blick auf Krümel und Keks werfen können.

1. Tag – Treffen 19:00 Uhr

Wir haben einen Mittagsschlaf versucht. Ziel: ausgeruhte kleine Menschen am Abend. Aber leider, leider misslingt der Versuch. So bemühen wir uns, die Zeit nach 16:00 Uhr zu überbrücken und sind 18:00 Uhr fix und fertig angezogen. Noch länger Warten geht einfach nicht, zumal der Hunger groß, die Neugierde übermächtig und die Aufregung enorm ist. Also, viel zeitiger als vereinbart, stehen wir da, im Restaurant unseres Vertrauens. Liebe andere hungrige Gruppenmitglieder sitzen bereits beim Bier. Die Zeitverschiebung erweist sich als unproblematisch. Ganz entgegen der Essensbestellung, die sich gut anderthalb Stunden Zeit lässt. Hunger. Müde. Viel zu viel Ansprache. Immer noch Hunger. Dann endlich der lang ersehnte Teller. Gefolgt von der Verabschiedung gegen halb neun. Unmöglich hält es das kleine Kind noch weiter aus. Rote Schlafwangen. Aufgedrehte Schläfrigkeit. Ich trage den kleinen Menschen in unser Feriendomizil und singe und trage, wir stehen am Fenster und ich bemühe mich um ein wenig oooohhhhmmmm. Eine Stunde später fallen endlich die Augen zu.

2. Tag – Treffen 10:00 Uhr

Natürlich beginnt der Tag bei uns zeitiger. Das Frühstück ist um acht. Noch zwei Stunden bis zum Treffen. Ein Museum soll es sein. Wir bummeln ein wenig und marschieren dann los. 10:00 Uhr sind wir da – na klar, wir sind die ersten und einzigen. Die anderen werden sicher noch ihren Rausch ausschlafen oder ihren Kaffee schlürfen. Kinderfragen:„Mami, wo sind denn die anderen? Warum sind die denn nicht da? Gehen wir schon rein?“ Dann endlich, Aufschlag der Gruppe an Kinderlosen. Ein Museumsbesuch und ein wunderbares Glasfenster, dass den Blick auf den Abenteuerspielplatz zulässt. Juchhu. Große Freude.

Allein mit den Mäusen sitzen wir an der Rutsche. Vor, hinter und neben uns andere Eltern. 11:30 Uhr finden wir uns alle wieder im ansässigen Cafe und genießen einen Kaffee. Die Sonne macht Laune. Anschließend soll es durch die Stadt gehen, um sich ein schönes Plätzchen am Hafen zu suchen. Mittag. Die Kinder haben aber jetzt Hunger. Jetzt nicht nachher. Wir bestellen, als einzige. Der Kinderteller wird leer geputzt und als wir eine Stunde später aufbrechen, sind die kleinen Beine schon müde. Viel zu müde zum laufen. Also kein schönes Plätzchen am Hafen. Mittagsschlaf.

„Geht schon mal ohne uns, wir schaffen das nicht mehr. Achso, wann treffen wir uns denn dann wieder?“

Eine Bootstour wird ausgerufen und ein Abendessen, wieder um 19:00 Uhr. Achherrje, wieder so spät. Dabei ist es für normale Menschen eine schöne Zeit. Nur, wir sind gerade keine normalen Menschen. Wir sind die Minderheit mit einem Kindertagesablauf, mit hungrigen kleinen Mündern um 18:00 Uhr und rot glühenden Köpfen, die ab 19:00 Uhr eigentlich am Kopfkissen horchen. Das gestaltete sich gestern schon schwierig. Lösungen müssen her. Aber wie sollen die aussehen, wenn man die einzige kleine Zelle mit Kleinkindkulleraugen ist? Abendessen. Vorzeitiger Abbruch. Singen. Tragen. Couch. Beruhigung.

3. Tag – Treffen: 10:00 Uhr

Wir sind früh auf und kaputt, verabschieden uns und finden, dass viel zu wenig Zeit zum Erzählen, zum Genießen und für das Miteinander war. Die Tage waren einfach nicht kompatibel. Die Zeiten passten nicht übereinander. Wir haben uns verfehlt und müssen ehrlicherweise feststellen: Muttis sind eben Muttis und Väter sind Väter. Reisende „MitohneKind“ ticken anders. Wir lernen es auch noch. Bestimmt.

Für alle, die noch ihren Urlaub planen, maximale Erfolge! Vielleicht gelingt es ja in einem buntem Misch und Masch aus vielen Eltern und vielen Kindern besser.

Ihre/Eure Sabine Henriette Schwarz


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