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Freizeit in Leipzig

Urlaub auf Balkonien

Da scheiden sich die Geister. Die einen wollen unbedingt mit Sack und Pack so weit wie möglich weg – Karibik, Domrep, Südafrika. Die anderen sind mit ein wenig Österreich, Italien oder Spanien zufrieden zu stellen. Schnell wird einem als Eltern jedoch klar, dass auch so eine kurze, kleine Woche mit jeder Menge Stress verbunden ist. Sachen waschen, Sachen packen, Spielzeug aussuchen, Flug oder Auto buchen, packen, Organisation, Vorbereitung – es scheint ein Kraftakt und erinnert an Hochzeitsplanung mit Checkliste. Allein, die Hochzeitsgäste sind williger, gefügiger und allgemein weniger aufgeregt. Deshalb ist es eine Überlegung, all das für ein wenig Balkonien und gemütliches zu-Hause-bleiben sein zu lassen. Das Plädoyer von Nils:

Sicher kennen Sie Balkonien. Das ist der Ort, wo Sie im Herbst die Kastanienmännchen ihrer Kinder hinstellen, wenn die Kleinen nach dem achten immer noch nicht aufhören wollen zu basteln und die ersten schon anfangen, muffig zu riechen. Für manche Leute ist es auch die letzte Raucherzuflucht, wo sie sich dann einsam und verlassen bei jedem Wetter neben die Satellitenschüssel quetschen müssen, die man in einer Mietwohnung ja nicht mal eben an die Fassade oder aufs Dach schrauben kann. Bei anderen stapeln sich dort im Winter die Sommerreifen, weil der Keller ja bereits voller Schuhe ist, die «irgendwann wieder kommen», und überall Holzreste rumstehen, die «man noch brauchen kann», und ausrangierte Kindersachen, «falls mal noch eins kommt».

Aber im Sommer, ach, im Sommer. Da ist Balkonien der Ort, den wir zu unserem Sehnsuchtsreiseziel gestalten, weil wir wieder mal keine Urlaubstage übrig haben, uns mit dem Partner nicht auf Strand- oder Wanderurlaub einigen können oder uns auffällt, dass Flugreisen mit Kindern sich inzwischen preislich so gestalten, als würde man ein befreundetes Pärchen einladen. Da helfen auch die Tüten mit dem Plastikkram, die das nette Bordpersonal den Kleinen freundlich lächelnd überreicht, nicht drüber hinweg.

Es gibt viele gute Gründe, über den Sommer zu Hause zu bleiben und seine kostbare Zeit auf Balkonien zu verbringen. Hier sind 5:

 

  • 01Von wegen Last Minute! Flugreisen, Hotels, Ferienwohnung, An- und Abreise – das alles muss monatelang generalstabsmässig geplant werden und auf den Familienkalender abgestimmt werden. Lohnt es sich wirklich, mit dem Auto für den Flug in eine andere Stadt zu fahren, weil es dort nur halb so teuer ist? Sollen wir nachts nach Italien fahren, um der Blechlawine zu entgehen, und wenn ja, mit welchen legalen Drogen schaffen wir so einen Trip? Und wie bekommen wir die Geschenke des Kindes (ein Fahrrad, natürlich!), das mitten in den Ferien Geburtstag hat, noch in den Kofferraum?
  • 02Das ganze Verreisen hat inzwischen viel zu oft etwas von der Jagd nach einem möglichen «schönsten Ferienerlebnis», von dem die Kinder dann anschliessend in Kita und Schule erzählen können. Aber was nützt ein tolles Familienfoto vor der Akropolis, wenn sich ein Familienmitglied den Rest des Ausflugtages wegen eines Sonnenstichs übergeben musste? Wieso machen wir Urlaub, bei dem wir das Gefühl haben, wir bräuchten anschliessend ein paar Tage, um uns von den Strapazen zu erholen?
  • 03Mit Kindern in Hotels ist es meistens einfach furchtbar. Und damit meine ich, dass wir den «War doch eigentlich ganz schön»-Filter von der Erinnerung an den einen oder anderen Hotelaufenthalt mit den Kleinen mal entfernen. Der ist dort nämlich nur deshalb installiert, weil wir auch im Nachhinein nicht einen Urlaub gemacht haben wollen, bei dem uns in ehrlichen Momenten schon die Idee verrückt vorkommt. Kinder können sich in Hotels nicht bewegen. Es gibt zu viele Hausregeln, die sich niemandem erschliessen, und der Platz reicht gerade mal dafür, sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen.
  • 04Ferienwohnungen sind zu teuer. Klar müssen die Besitzer auch irgendwie Geld verdienen, aber wenn Sie nicht gerade in der Pubertät angefangen haben, sich an möglichen Reisezielen Freunde mit Immobilien zu suchen, bei denen Sie den Urlaub verbringen können, dann wird es ziemlich schwierig.
  • 05Übersteigerte Erwartungen. Jahresurlaub – da muss aber alles stimmen. Von der Anreise über den Preis bis zum Essen. Der ganze Erholungsstress ist kaum auszuhalten. Und irgendwann merkt man: Schlechte Laune zu haben, geht überall. Nur hat man zu Hause bessere Möglichkeiten, damit umzugehen.

 

Balkonien hingegen, das ist etwas ganz anderes. Das Meer ist dort zwar nicht so schön wie an der französischen Küste, aber dafür können Sie die Wassertemperatur im Planschbecken selbst regulieren. Die Wäscheleine mit den niedlichen Kindersachen hängt dort mindestens so gut wie in kleinen sizilianischen Gassen. Ein Topf mit frischem Basilikum für Urlaubs-Tomate-Mozzarella findet dort immer Platz. Und falls es mal Zoff gibt: Balkonien grenzt direkt an das Nachbarland «Da ist dein Zimmer!». Also warum nicht mal Ferien auf Balkonien?

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