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Unser Tagesmutti – Tagesvati-Spezial

Ohne sie läuft zum Thema Betreuung gar nix:

Tagesmuttis und –vatis sind im Betreuungssystem oft der rettende Anker. So ist laut Statistischem Bundesamt die Zahl der Kinder unter 3 Jahren in der Kindertagesbetreuung zum 1. März 2014 gegenüber dem Vorjahr um rund 64 500 auf insgesamt knapp 660 800 Kinder gestiegen.

betreuung

Aber was heißt es Tagesmutter/Tagesvater zu sein? Und was sollten sich Eltern überlegen, bevor sie die kleinen Mäuse in die Betreuung geben? Wir haben uns umgehört und mit zwei Menschen gesprochen, die sich den Kleinen angenommen haben.

Kind
Eine Tagesmutti und ein Tagesvati berichten, erzählen von ihren Erfahrungen und der Arbeit mit Kindern und Eltern

Mareen Berger (Leipzig)  über die richtige Betreuung für das Kind, die „keine halbherzige Entscheidung“ sein sollte..

Ihre Elternzeit neigt sich allmählich dem Ende entgegen und Sie müssen sich nun auf die Suche nach einer geeigneten Betreuungsmöglichkeit für Ihren kleinen Liebling machen. Doch wie finden Sie die richtige Einrichtung für Ihr Kind und was sind Vorteile und Nachteile von Kindertagesstätte und Tagespflege?

Ich möchte Ihnen kurz von meinen eigenen Erfahrungen berichten. Auch ich hab mich 2009 auf die Suche nach einer geeigneten Betreuungsmöglichkeit für meinen Sohn gemacht. Da ich als DDR-Kind und als erste Mutter in meinem Freundeskreis keine andere Betreuungsmöglichkeit kannte, als die typische Kinderkrippe, stellte sich für mich zunächst auch die Frage nach Alternativen nicht.  Angesichts der prekären Betreuungsverhältnisse in Leipzig, musste ich mich aber unweigerlich mit dem Thema Tagespflege auseinandersetzen und schaute mir misstrauisch ein paar Tagesmütter, aber auch Kindertagesstätten an. Was ich feststellte war, dass es sowohl in der Kindertagespflege als auch in Kindertagesstätten große Unterschiede gibt… Doch ich begann mich näher mit dem Thema Kindertagespflege zu beschäftigen und eröffnete bald darauf meine eigene Pflegestelle, welche ich auch heute noch betreibe, obwohl ich gerade die staatliche Anerkennung zur Erzieherin erhalten habe… Und ich würde vermutlich noch lange als Tagesmutter arbeiten, wären die sozialrechtlichen Absicherungen und die gesellschaftliche Anerkennung besser…

Dennoch möchte ich Ihnen versuchen, möglichst objektiv die Vorteile, aber auch Nachteile der Kindertagespflege hier zu erläutern, damit auch Sie einen Einblick bekommen und für Ihr Kind eine gute Wahl treffen…

Die beiden größten Nachteile der Kindertagespflege sind nach wie vor die fehlende Vertretung bei Urlaub und Krankheit der Tagespflegeperson. Mittlerweile gibt es einige Träger, welche Ihren Tagesmüttern praktikable Vertretungslösungen, wie Vertretungsplätze in der Kita oder eine feste Vertretungsperson anbieten, aber leider ist das nicht bei jedem Träger so üblich. Und so ist es nach wie vor in den meisten Kindertagespflegen so, dass Urlaub und Krankheit durch die Sorgeberechtigten selbst abgedeckt werden müssen und das ist, wenn beide Elternteile berufstätig sind, mitunter eine große Herausforderung. Fragen Sie doch Ihre Tagespflegeperson, welche Vertretungslösungen ihr Träger anbietet, wie praktikabel diese Ihrer Erfahrung nach ist (manches klingt nur gut, ist aber eine echte Herausforderung für so kleine Kinder) und erfragen sie, wann und wie lange die Tagespflege auf Grund von Urlaub geschlossen bleibt. Diese langfristig angekündigten Urlaubstage (Ich gebe meinen Jahresurlaub bereits im November des Vorjahres bekannt)  lassen sich so in Ihren eigenen Jahresurlaub langfristig einplanen oder können durch andere Personen Großeltern, Verwandte oder Freunde langfristig geplant und abgedeckt werden.

Oft empfinden Eltern aber auch die fehlende Ausbildung der Tagespflegeperson als großen Nachteil. Grundsätzlich muss ich denjenigen schon Recht geben. Mit einem Grundkurs von ein paar Stunden ist keine Erzieherausbildung vergleichbar, denn hier können nur ein paar Grundlagen vermittelt werden… Dennoch  denke ich, sollte man das differenziert betrachten. Ich persönlich habe schon einige Erzieher in den Kindertagesstätten aber auch einige Tagespflegepersonen erlebt oder gesehen, die meiner Meinung nach für den Beruf an sich nicht geeignet waren und denen ich mein Kind ungern anvertraut hätte. Und das hatte meist wenig mit dem pädagogischen Fachwissen derjenigen Person zu tun, sondern eher mit dem Umgang mit den Kindern. Denn Wissen ist eine Seite und Umsetzen die andere…  Deshalb empfinde ich es als großen Vorteil, dass man sich seine Tagesmutter/ Tagesvater selbst aussuchen kann und seine Entscheidung auf Grund von Sympathie, Erziehungsvorstellungen, pädagogischem Konzept, räumlichen Gegebenheiten, usw. treffen kann. Eine Erzieherin im Kindergarten kann man sich leider nicht aussuchen… also nutzen Sie dieses aus und fragen Sie die Tagespflegeperson in einem persönlichen Kennenlerngespräch all das, was Ihnen wichtig ist, lassen Sie sich das pädagogische Konzept zeigen, fragen Sie nach Erziehung und Erziehungsmaßnahmen, fragen sie die Tagespflegeperson, wie sie es mit Essen, Schlafen, Aufenthalten im Freien, aber auch Hygiene (Nuckel, Topf, Handtücher, Bettwäsche…) und dem „ Sauber werden“ der Kinder hält und machen Sie sich so vor Ort ein Bild über die Person, der sie den wichtigsten Mensch in ihrem Leben anvertrauen wollen: Ihr Kind… Es ist unglaublich wichtig, dass die „Chemie“ zwischen Ihnen stimmt und sie die gleichen Erziehungsansichten haben, denn so kann sich Ihr Kind wohlfühlen und seine Umgebung aktiv selbst erkunden …

Als weitere Vorteile empfinde ich, dass die Kinder EINE feste Bezugsperson haben und in kleineren Gruppen betreut werden. (In Leipzig sind es aktuell maximal 5 Tagespflegekinder)

Gerade kleine Kinder haben vor Ihrem ersten Lebensjahr meist nur einen eingeschränkten Personenkreis, zu denen sie Kontakt haben, so sind das die Eltern, Großeltern und wahrscheinlich noch unregelmäßig Freunde oder Bekannte aus der Krabbelgruppe. Deshalb sind eine feste Bezugsperson und eine möglichst kleine Gruppe in diesem Alter meiner Meinung nach von Vorteil. Hier sollten Sie aber auf Ihr Kind und seinen Charakter achten. Es gibt durchaus Kinder, welche sehr offen sind und die sich von Anfang an auch in großen Einrichtungen zu Recht finden und wohlfühlen. Ich persönlich hatte aber auch einige Tagespflegekinder, die eher zurückhaltend gegenüber anderen waren und denen ein möglichst geregelter Tagesablauf mit festen Ritualen und einer festen Bezugsperson sehr wichtig waren. Gerade diese Kinder sind meiner Meinung nach in einer kleinen Einrichtung mit geschlossenem Konzept besser aufgehoben.

Außerdem ist bei einer geringen Gruppenstärke eine individuelle Förderung der Kinder sehr gut möglich. Und eine gute Betreuungsperson weiß deshalb auch, was ihr Kind gerade interessiert und was es viel übt und wiederholt- also sprechen Sie mit ihr darüber. Und das ist ein weiterer Vorteil der Tagespflege. Ihre Tagespflegeperson ist immer anwesend zum Bringen und Holen der Kinder. Nutzen Sie dies und pflegen Sie den individuellen Austausch mit der Tagespflegeperson. So haben Sie gute Einblicke in den Tagesablauf und die derzeitigen Belange Ihres Kindes. Ich habe mich oft darüber geärgert, dass ich meinen Sohn in die Kita bereits in der Frühgruppe abgeben musste und nachmittags in der Spätgruppe abgeholt habe und nur ganz selten seine Bezugserzieherin angetroffen habe. Das passiert Ihnen in der Tagespflege nicht!

Sicher lassen sich auf der einen oder anderen Seite noch Aspekte ergänzen, aber ich hoffe, die wichtigsten hier kurz dargestellt zu haben und Ihnen vielleicht ein paar neue Gesichtspunkte hier aufgezeigt zu haben.

Und bitte vergessen sie nie, es geht um das WICHTIGSTE was sie haben: IHR KIND!

Also treffen sie keine halbherzige Entscheidung, oder sagen Sie: „Bei der Betreuungssituation aktuell in Leipzig muss ich nehmen, was ich kriege…“
Dem ist nicht so!!! Auch ich habe schon den einen oder anderen Kindergartenplatz für meine zwei Kinder abgelehnt, weil ich die pädagogische Konzeption, den „Umgangston“ oder aber die pädagogische Einstellung der Erzieher nicht geteilt habe…

Treffen Sie also eine bewusste Entscheidung!

Schauen Sie sich die Einrichtungen an, führen Sie ein ausführliches Kennenlerngespräch, werfen Sie einen Blick in die pädagogische Konzeption und hören Sie vor allem auf IHR BAUCHGEFÜHL…
Und wenn Sie ein gutes Gefühl haben, wird sich auch Ihr Kind mit großer Wahrscheinlichkeit wirklich wohlfühlen!

Ich hoffe ich konnte Ihnen ein bisschen helfen und wünsche Ihnen viel Kraft und Freude bei der Einrichtungssuche!

Ihre Tagesmutter Mareen Berger

Herz

Und was sagt der Tagesvater? Einer, der wenigen männlichen Vertreter des Jobs, zugegeben… Tim Riemer* (Name auf Wunsch geändert) (Leipzig) antwortet und stellt fest, in einer kleinen, festen Gruppe ist man einfach näher am Kind:

Wie sind Sie zum Job der Tagesmutter oder des Tagesvaters gekommen?

Ich hatte erstmals Kontakt mit dem Beruf Kindertagespflege als ich für meine eigene Tochter einen Betreuungsplatz suchte. Das ist nun schon 7 Jahre her. Zu diesem Zeitpunkt war es sehr schwierig einen Kita-/Krippenplatz zu bekommen. Meine Freundin und ich mussten uns daher nach Alternativen umsehen und fanden sie in der Kindertagespflege. Aber auch das stellte sich als nicht sehr einfach heraus. Die Auswahl an Tagespflegepersonen war platzbedingt begrenzt. Letztendlich fanden wir eine Tagesmutter. Ich fand das Konzept Kindertagespflege sehr überzeugend: Die Gruppengröße war überschaubar – die Tagesmutter wusste immer wie es den Kindern ging und welche Vorlieben/Interessen sie hatten. Ich gewöhnte unsere Tochter damals ein und hatte sofort einen Draht zu den Betreuungskindern. Der Umgang mit ihnen bereitete mir sehr viel Spaß. Nachdem ich mein Studium abgeschlossen hatte, ergriff ich dann diesen Beruf.

Was macht den Job aus?

Die Arbeit ist geprägt vom täglichen, familiären Umgang mit den Kleinkindern. Man versucht bestmöglich die Kinder kennenzulernen und mit ihnen zu interagieren – sie ernst zu nehmen und daraus eine fruchtbare Bindung aufzubauen. Die Unterschiede, die die Kinder mitbringen, führen dazu dass man stets einen abwechslungsreichen Alltag hat. Trotzdem ist er normalerweise von einer Routine begleitet, die durch Mahlzeiten und Mittagsschlaf geprägt ist. Eine angst- und gewaltfreie Atmosphäre ist die Grundvoraussetzung, um die Kinder zu mündigen Bürgern zu entwickeln.

Worin liegt der größte Unterschied zwischen Kita und ihrem Angebot?

Der ganz klare Vorteil ist die Nähe zwischen den maximal fünf Kindern und der Tagespflegeperson. Man ist stets die gleiche Bezugsperson. Man lernt sich kennen, weiß alle Vorlieben oder auch Macken und kann diese akzeptieren. Die Diagnose von Problemen erfolgt in gleicher Person mit der des Problemlösers. Man ist einfach näher am Kind – keine Anonymität, sondern familiennahe Betreuung. Die Nachteile sollen nicht verschwiegen werden: Die Betreuungsperson benötigt bei einer 45 Stundenwoche auch Urlaub, der nicht durch Kollegen abgedeckt werden kann. An diesen Tagen dürfen die Eltern sich um ihre Kinder kümmern oder müssen für eine Ersatzbetreuung sorgen. Für den Krankheitsfall der Tagespflegeperson gibt es mittlerweile ein Vertretungssystem bei den meisten Trägern.

Wie sieht der Tagesablauf aus?

Der typische Tagesablauf beginnt bei den meisten KTPP um 7 Uhr. Die ersten Kinder werden in Empfang genommen. 8 Uhr ist Frühstück. Spätestens bis 9 Uhr sind alle Kinder in der Betreuung angekommen. Danach bietet man unterschiedliche Angebote an: Aufenthalt im Freien, Ausflüge zu Institutionen, Musik, Sport oder freies Spiel. Nach dem Mittagessen benötigen fast alle Kinder einen Mittagsschlaf. Nach dem Aufstehen vespert man. Danach erfolgen wiederum unterschiedliche Beschäftigungen bis die Kinder spätestens 16 Uhr abgeholt werden. Der Tagesablauf ist flexibel und kann nach Anzahl der Kinder, nach Jahreszeit oder Interessen verändert werden.

Worauf legen Sie besonders Wert? (oder was macht das pädagogische Konzept aus)

Das wichtigste für die Betreuung ist eine angstfreie Atmosphäre. Wichtig wäre auch eine Bindung zu dem Kind aufzubauen. Falls dies beides geschieht, kann sich das Kind frei entfalten. Jederzeit kann man unterstützend eingreifen, jedoch ohne Druck auszuüben. Jedes Kind lernt durch Nachahmung und Beobachtung. Als Tagespflegeperson muss man daher authentisch sein und auch das tun, was man sagt und umgekehrt.

Vertrauen in das Können wird die Kinder beflügeln.

Hände

Wie wählen Sie die Kids aus?

Die Kinder muss man anhand der Eltern auswählen. Die Eltern als Spiegel der Kinder. Da man die Eltern nicht sehr oft sieht, ist ein Fragebogen hilfreich. Dieser ist darauf angelegt herauszubekommen, wie die Eltern mit ihren Kindern umgehen; welches Sozialverhalten, welche Werte und welche Überzeugungen zu erwarten sind. Anfänglich hat man die Kinder nach anderen Kriterien ausgesucht. Letztendlich muss das Klima in einer Gruppe aber passen. Die Arbeit mit den Eltern ist auch nicht zu unterschätzen, daher sollte man für sich passende Eltern auswählen. Die passendsten Kinder sind diejenigen mit deren Eltern im Verlauf der Betreuung eine Freundschaft entsteht.

Wie sehen Sie die aktuelle Situation für Familien generell bezogen auf die Betreuung?

Im Moment werden sehr viele Kitas gebaut und die Betreuungssituation entspannt sich. Die erste Wahl der meisten Eltern wird immer eine Kita sein, schon wegen der oben genannten Vorteile. Wer Wert auf eine familiennahe Betreuung legt, ist noch immer bei der Kindertagespflege richtig. Als Eltern sollte man sehr genau darauf achten, welche Tagespflegeperson man aussucht. Auch noch heute sind sehr viele ungeeignete KTTPs im Dienst. Die Qualitätssicherung für die Kindertagespflege seitens des Jugendamts besteht hauptsächlich aus der geeigneten Wohnung für die Betreuung und nicht in der Eignung der Person an sich. Hochwertige Betreuungsplätze müssen also durch die Eltern gesucht werden. (Mit hochwertig meine ich nicht eine Überbetreuung durch KTTPs durch eine Überfrachtung von Angeboten, wie Zweisprachigkeit oder ähnliches, die den Druck auf die Kinder erhöht, sondern einen liebe- und respektvollen Umgang.)

Anbieter von Tagespflegepersonal in Leipzig, wobei generell eine Überprüfung durch den VKKJ erfolgt. Eine Zulassung für fünf Kinder wird auf fünf Jahre ausgestellt:
  • VKKJ – Verband Kommunaler Kinder- und Jugendhilfe
  • BBW Leipzig gGmbH
  • FRÖBEL-Gruppe
  • Freier Kindergarten Leipzig
  • Herbie e. V.
  • Kinderland 2000
  • Zwergenland e. V.
  • Kindervereinigung Leipzig e. V.
  • Internationaler Bund
  • Internationales Bildungs- und Sozialwerk e. V.
  • Mütterzentrum Leipzig e. V.
  • Outlaw gGmbH
  • Regenbogenkinder e. V.
  • Volkssolidarität Leipzig e. V.
  • Rahn Dittrich Group

Ja, es ist schwierig, und die Suche nach der richtigen Betreuung kann nervenaufreibend, zeitfressend und schwierig sein. Aber es geht schließlich um einen kleinen Menschen, der sich wohlfühlen soll, um dann neue Freunde, neue Erfahrungen und Entdeckungen machen zu können – ganz nach George Bernard Shaw:

Das unterhaltsamste Spielzeug eines Kindes ist ein anderes Kind.

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