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Und wie kommt Euer Kind in die Schule? Das Kinder-Hol-und-Bring-Thema

Und wie kommt Euer Kind in die Schule? Das Kinder-Hol-und-Bring-Thema

Gerade starteten wieder tausende Schulanfänger und überall sieht man, wie vor den Schulen die Kids aus den Autos hüpfen. Das ist vermeintlich einfach, schnell und bequem. Aber ist das wirklich so gut? Und finden das Kinder toll? Die Aktion „Zu Fuß zur Schule und in den Kindergarten“ will genau das Gegenteil. Aber warum? Ist die Fahrt mit dem Auto nicht das Beste?

Claudia Neumann, Expertin für Spiel und Bewegung beim Deutschen Kinderhilfswerk, sieht das ein wenig anders:

Das mag bequem sein und vermeintlich denken die Eltern, sie tun ihrem Kind einen Gefallen damit. Aber so ist es bei Weitem nicht, denn Kinder, die selbstständig zur Schule gehen, erlangen damit Selbstständigkeit. Sie können ihren Schulweg eigenständig meistern. Sie gewinnen Souveränität im Straßenverkehr, das muss man einfach lernen. Sie erlangen aber auch Kenntnis von ihrer Wohngegend, ihrem Wohnumfeld. Das kann man einfach nicht von der Rückbank vom Auto in einer Zwei-Minuten-Fahrt lernen, sondern das muss man sich selber auch erarbeiten.
Zudem gelangen Kinder dadurch zu viel mehr Bewegung. Da haben sie ihre erste Bewegungseinheit morgens schon erreicht. Und es ist auch meistens kommunikativer, wenn sie mit ihren Mitschülern zusammen laufen. Dann können sie sich schon mal ausquatschen, wie war das Wochenende, sodass sie eigentlich ausgeruht, ausgequatscht und auch bewegt in den Unterricht starten können.

Aber natürlich kann ein frischer Schulanfänger nicht ganz allein seinen Weg zurücklegen. Es geht also vielmehr um die gemeinsame körperliche Betätigung und die gemeinsame Zeit (Anm. der Redaktion: woher man sie auch immer nehmen soll). So wird ein gemeinsamer Spaziergang mit Mama und Papa empfohlen, um langsam den Schritt vorzubereiten, irgendwann allein gehen zu können? Aber wann ist das? Hängt es nicht immer auch von den Umständen, der Größe des Ortes und den Entfernungen ab?

Neumann:

Ich denke, ein Achtjähriger sollte das schon schaffen, je nach Umfeld, je nach Reife. Aber wie gesagt, das hängt wirklich von den Umständen ab und von dem Kind. Es gibt auch genug Sechsjährige, die schon wirklich selber laufen und sagen, Mama, es ist peinlich, von Dir begleitet zu werden, ich will das alleine machen, das ist doch gar nicht so weit und das lohnt sich überhaupt nicht, das Auto hochzufahren. Aber das ist ganz individuell. Aber wie gesagt: Es geht nicht darum, alleine; es geht um selbstständig. Man kann Laufgruppen bilden, man kann Schulbusse, diese Walking-Busse mitnutzen. Die funktionieren wie ein Schulbus, bloß eben laufend, die dann auch von einem Elternteil zumindest begleitet werden, aber wo man doch selbstständig sich den Weg erarbeitet und so Souveränität gewinnt und vielleicht irgendwann sagt, nein, jetzt müssen wir gar nicht mehr von Erwachsenen begleitet werden, jetzt gehen wir noch zu zweit oder zu dritt und irgendwann alleine.

Doch viele Eltern sind verunsichert und wollen vor allem , dass ihr Kind sicher um Schulgebäude ankommt. Zu oft ist auf den Schulwegen etwas passiert, hat man von kriminellen Handlungen oder Übergriffen gehört? Wiederspricht dies nicht dem Ratschlag, allein los zu laufen?

Neumann:

Opfer von Kriminellen, das kann man sicherlich nie ausschließen. Aber ich glaube, das ist durch die Medialisierung oft wesentlich höhergekocht, als dass tatsächlich Fälle passieren. Das kann man natürlich nie ausschließen, aber dafür muss man entsprechend, auch trotzdem mit dem Kind üben. Irgendwann muss es ja selbstständig sein. Man kann sein Kind ja nicht ewig begleiten. Deswegen gehört es natürlich dazu, dass man mit seinem Kind darüber redet, was passieren kann, und wenn sich ein Kind auch selber unsicher fühlt oder die Eltern das noch nicht zulassen wollen, dann schaut man: Gibt es ein Nachbarkind, mit dem man läuft. Man kann ja sogar sagen, ich bring Dich wenigstens noch bis zum Nachbarskind, natürlich zu Fuß, und dann laufen die beiden gemeinsam los. Ich glaube, da gibt es nicht nur Schwarz und Weiß, da gibt es viele Schattierungen dazwischen und man muss den passenden Weg finden.
Was den Straßenverkehr angeht: Ganz ehrlich, ich glaube, das ist ein selbst gemachter Teufelskreis, weil das Meiste passiert vor den Schulen.

Dennoch: jede Familie muss ihren eigenen Rhythmus und ihren Weg finden. Sicher ist es für jedes Kind irgendwann peinlich, von Mama und Papa gebracht zu werden. Selbständigkeit, Verantwortung und Sicherheit können immer nur gemeinsam in der Familie diskutiert werden….


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