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Kolumnen

… und täglich grüßt das Murmelputztier

 

Ich mag putzen nicht. Wirklich. Aber ich mag eine hübsch aufgeräumte Wohnung ohne Schlammspuren, Kinderspielzeug am Boden und ohne Schokoladenhände an der Tapete. Und was macht man? Man putzt doch. Irgendwie siegt der Wille nach Schöner Wohnen über den Unwillen, schon wieder eine Aufräum- und Schrubberorgie zu veranstalten. Vielleicht erkennt man aber auch, dass es sonst kein anderer tun wird und man sonst in die Messiewelt abrutschen würde mit summenden Fliegen an der Wand und kleinen Mäusemitbewohnern am Boden.

Wenn es doch nur nicht so sinnfrei wäre. Kaum etwas ist so deprimierend und vergebens. Denn das Bad gleicht spätestens nach der abendlichen Auszieh- und Zähneputzaktion wieder einem verwüsteten Sachen- und Klopapierlager, dass mit Zahnpasta und Seifenpfützen dekoriert ist. Der Flur hält der General-Wischung genau bis zum Eintreffen der Allerliebsten stand und dann ist er wieder in seinem Ursprungszustand mit Matschklumpen und Fußabdrücken, mit Rucksäcken, die verteilt liegen, aufgepimpt mit Handschuhen, Mützen und Schals, die zwar einen großen Korb ihr Zuhause nennen dürfen, den aber äußerst selten aufsuchen. Stattdessen liegen sie lieber faul und verstreut rum – auf der Heizung, dem Gitarrenkoffer, im Schuhregal oder einfach neben den Matschklumpen. Traute Zweisamkeit. Modern Art. Leben mit Kindern perfekt inszeniert für den nächsten Bildband.

Beruhigend und tief befriedigend empfinde ich da lediglich Besuche bei anderen Eltern-Kind-Kombinationen, deren Flure die gleiche Sprache sprechen und wo man ebenfalls erkennt, es ist der Gedanke, der zählt (also der Gedanke, dass es immerhin fünf Minuten frisch war bevor das neuerliche Chaos einbrach und den Ursprungszustand wieder herstellte) Gerade hat es sich der Frühling mal wieder anders überlegt und wir haben die Frühlingsjacken wieder zurück gehangen, um mit Murren und Knurren die ollen Schneehosen und Winterfesttstiefel anzuziehen. Wenn es also für sinnlos eine Steigerungsform gäbe, dann wäre sie jetzt angebracht. Vielleicht: besonders sinnlos? Gerade wenn man die Hosen ausklopfen kann und der alte und neue Schneemodder Schichten bildet, der sich alsbald entspannt in meinem Zuhause niederlässt.

Also: was könnte man alles in der Putzzeit machen, die übrigens bewiesenermaßen bei Frauen 164 Minuten am Tag, bei Männern gerade einmal 90 Minuten beträgt. Kommt mir schon ein wenig übertrieben vor, denn gehen die Frauen nicht arbeiten? Wann machen die das denn? Ich kann mir kaum vorstellen, dass von 20:00 – 23:00 Uhr im durchschnittlichen deutschen Haushalt der Wischmobb geschwungen wird. Ok, Bügeln ist in der Statistik inkludiert, aber Bügeln? Wirklich? Mein Großmutter hatte da den tollen Trick, die Sachen hübsch übereinander zu falten und sich dann auf den Stapel der frischen Wäsche beim Fernsehen zu setzen (funktioniert wahrscheinlich nur, wenn das Hinterteil über eine gewisse Breite verfügt). Aufstehen. Fertig. Nicht perfekt, aber gut genug.

Und jetzt auch noch diese Meldung: Putzen ist genauso gesundheitsgefährlich wie Rauchen. Reinigungskräfte haben ein höheres Risiko vorzeitig zu sterben, im Vergleich zu Angestellten oder Führungskräften. Bei Frauen ist das Risiko 16 % höher, bei männlichen Reinigungskräften 45 % höher. Das lag vor allem an mehr Erkrankungen der Atemwege und des Herzkreislaufsystems, wie die Freie Universität Brüssel herausfand. Und was sagt uns das jetzt alles? Wir müssen (mal wieder) das gesunde Maß der Dinge finden, auch, wenn man selbst auf das geringere Maß wenig Lust hat.

Lustvolle Tätigkeiten sehen eben anders aus…. Vielleicht geht’s ja mit einer Schokoladenbelohnung für danach und ein paar neue Schuhe, die man sich selbst schenkt besser? Der Gedanke ist zumindest aufmunternd.

Probiert es einfach aus!

Ihre/Eure Sabine Henriette Schwarz

Pe es: Wollen wir wirklich? Ach nö… über den Dreck und seine Beseitigung.

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