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Trennung – wenn Wort und Tat durch die Realität brechen

Menschen trennen sich. Immer wieder. Überall. Mit guten Gründen. Ohne jeden Grund. Mit und ohne Kinder. Es ist immer schlimm. Selten geht es geräuschlos, leise. Immer ist da der Schmerz. Und immer sollten da gute Freunde sein, die helfend da sind und einem beistehen.

 

Die Geschichte der Freundin…

Es ist ein Tag wie jeder andere. Ich sitze auf meinem Balkon, meine Tochter malt mir gerade ein Bild und ich bin dankbar für meine kleine Familie. Dann klingelt mein Telefon. Es ist eine Freundin von mir, die mich fragt, ob wir uns treffen können. Im ersten Moment ahne ich nicht, dass die nächsten Wochen sehr traurig und schmerzhaft werden.

Als wir uns treffen, sehe ich in ihrem Gesicht sofort diese Traurigkeit. Ich spüre, dass etwas schreckliches passiert sein muss. „Mein Mann hat eine andere. Unsere Ehe ist gescheitert.“ Ich muss schlucken. Waren die beide nicht immer das Paar, auf das viele andere geschaut haben? Eine richtige Musterehe. Aber mal von vorne. Mit 16 lernen sich die beiden auf dem Schulhof kennen, verlieben sich und entscheiden ein Paar zu werden. Mit 18 machen sie Abitur und gehen studieren. Sie reisen zusammen, erleben das Groß -werden zusammen und ziehen quer durchs Land. Beide sind erfolgreich und haben einen Karriereplan. Heimlich heiraten sie und bei der offiziellen Hochzeit lassen sie die Katze aus dem Sack. Sie bekommen eine Tochter und haben das Gefühl komplett zu sein. Irgendwann entscheiden sie sich für ein zweites Kind und bekommen einen Sohn. Sie kaufen ein Haus, ziehen wieder um und haben ein glückliches Leben. Und irgendwann ist alles kaputt.

Wir reden lange, weinen zusammen und haben das Gefühl, dass dieses Gefühl uns zusammen schweißt. Plötzlich ist sie alleine. Sie hat Angst vor dem Auszug ihres Mannes, Angst davor es den Kindern zu sagen, Angst davor sich wieder zu verlieben und Angst vor diesem neuen Leben. Eine Familie aus dem Bilderbuch ist sehr selten geworden. An jeder Ecke warten Patchworkfamilien, alleinerziehende Mütter und Väter und zusammengewürfelte Konstellationen. Der erste Schritt ist das Akzeptieren des neuen Lebens. Diese Akzeptanz ist wohlmöglich der schwierigste und schmerzhafteste Schritt, im Laufe des Abnabelungsprozesses. Diese Metapher ist mir heute Nacht in den Kopf gekommen. Nicht nur Kinder müssen sich im Laufe ihres Lebens von ihren Müttern abnabeln, auch Partner müssen verschiedene Phasen nach einer Trennung durchleben. Plötzlich schläft man getrennt, vermisst den vertrauten Geruch des Partners, die liebevolle Berührung am Morgen und das erste Lächeln des Tages. Man sitzt alleine mit den Kindern am Frühstückstisch und abends ist niemand da mit dem man das Erlebte des Tages besprechen kann. Schritt für Schritt nabelt man sich voneinander ab. Keine gemeinsamen Ausflüge mehr, keine gemeinsamen Träume und keine gemeinsame Zukunft mehr.

Durch Kinder sind Eltern ein Leben lang verbunden. Und vielleicht ist es das, was eine Trennung so schmerzhaft macht. Ohne Kinder kann man sich aus dem Weg gehen, muss sich wohlmöglich nie wieder sehen. Mit Kindern wird man immer und immer wieder an den Schmerz und das Vermissen erinnert.

Sauer sein, weinen, bockig sein und wütend sein ist im ersten Schritt völlig ok. Die Frage „Wer bin ich jetzt?“ Wird ab jetzt wohl regelmäßig an die Tür klopfen. Will ich mich neu verlieben? Will ich unser Haus verkaufen? Will ich anders leben?

Es wird noch eine Zeit dauern bis der Schmerz aufhört, bis die Akzeptanz über den Verlust dein Herz wieder heilt. Du wirst es nicht verstehen müssen, denn es wird nichts zu verstehen geben. Du bist eine starke und schlaue Frau und wirst dein Leben wieder in vollen Zügen genießen können. Wenn es an der Zeit ist, wird dein Herz diesen Verlust überwunden haben und Platz für Neues schaffen. Ihr werdet Reisen, du und die Kinder. Ihr werdet in eurem Haus glücklich sein und es umgestalten. Du wirst an diesem neuen Abschnitt wachsen, größer, als du es dir jetzt gerade vorstellen kannst. Das einzige was jetzt zählt ist, dass du auf dich und deine Kinder schaust und darauf, dass ihr am Ende glücklich werdet. Wenn du Kraft, eine Schulter, einen Wein oder ein passendes Schimpfwort brauchst, dann bin ich da.


Zuerst veröffentlicht auf FrauRaufuss

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