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Traurig aber wahr: Marode Schulen in Deutschland

Traurig aber wahr: Marode Schulen in Deutschland

Fragt man die Deutschen, wie es um ihr Land bestellt ist, würde die Mehrheit sagen: ganz gut. Mit Blick auf die Schulen muss man sagen: stimmt nicht. Quer durch Deutschland verfallen Schulen, werden gerade soweit instand gesetzt, dass sie noch den Brandschutzbestimmungen entsprechen. Müssen wir Eltern hier mehr unsere Stimme erheben?

Deutschland gleicht einer Bildungsbaracke

Mittlerweile scheint es so, als hätten sich Eltern und Schüler an die maroden Zustände gewöhnt. Kommunen greifen nur ein, wenn Eltern lautstark protestieren, die Lokalpresse berichtet oder die Schließung einer Schule droht. Man könnte diesen Investitionsstau mit dem des Straßenbaus vergleichen (an den Schulen: 32 Milliarden Euro, im Straßenbau: 35 Milliarden Euro), nur dass Schlaglöcher nun mal leider mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Die Leserinnen und Leser von ZEIT und ZEIT ONLINE wurden deshalb gefragt: Wie sieht es in den Schulen Ihrer Kinder aus? Eltern berichteten von der katastrophalen Situation: Stinkende Klos, Löcher in den Wänden und wackelige Mauern, die ihren Kids nicht gerade das Lernen erleichtern. Die Hälfte der rund 3.000 Eltern gaben an, die Ausstattung der Schulen ihrer Kinder sei „eher schlecht“ oder wirklich „schlecht“. Fast 90 Prozent seien schon einmal aufgefordert worden zu streichen, zu renovieren oder mit Sachspenden auszuhelfen. Der Grund dafür: Die Schulen hätten die Instandhaltung allein einfach nicht leisten können.

Besuch einer Ruine

Säßen in der Schule keine Teenager könnte man denken das Campe-Gymnasium in Holzminden sei ein verlassenes Gebäude. Ein Rundgang durch das Schulhaus ist abstoßend: hinter der abgelösten Holzverkleidung einer Wand sammeln sich Moder und Milben, ein eingeschlagenes Fenster einer Hoftür ist notdürftig mit Pressspan ausgebessert worden, aus der Decke des Gebäudes wachsen kleine weiße Stalaktiten. Man könnte das jetzt fortführen, aber das sollte erst einmal reichen. Von Schulleitern, Eltern, zuständigen Bürgermeistern und Landräten hört man auf die Frage, warum ihre Schulen so marode seien immer wieder den Satz: „Es sei doch was gemacht worden, nur eben zu wenig“.

Vielen Kommunen fehlt das Geld, um ihre Pläne zu erledigen. Also wird gepfuscht und nur das aller Dringlichste getan. Leider reicht das oft nicht. Auch der Schulleiter Georg Muschik hoffte auf den Neubau eines großen sehr eckigen Baus quer durch den Hinterhof des Schulareals. 40 Millionen würde das Ganze kosten. Geld, das der Landkreis in Nordrhein-Westfalen nicht aufbringen könnte.

Mangelnde Aufmerksamkeit

Da stellen wir uns doch die Frage, wie es dazu kommt, dass mittlerweile ganze Schülergenerationen in Schulen lernen, die man als Ruinen bezeichnen muss? Die Antwort ist überraschend einfach: Es liegt an der mangelnden Aufmerksamkeit und, dass die Politiker mit den Themen zur Instandhaltung keine Landtagswahlen gewinnen würden. Die Wähler interessierten sich einfach nicht genug dafür.

Wenn in Deutschland das Thema Bildung ansteht, geht es um die Schulformen, die Kinder, die Jugend, die Zukunft, eben um all die Ansprüche die heutzutage an die Schulen gestellt werden. Was fehlt: wichtige Aspekte zum Brandschutz, der Wärmedämmung, zu abgenutzten Treppenhäusern und den Schulklos in den Sonntagsreden der Bildungspolitiker.

Hoffen wir mal auf Verbesserung, dass die nächsten Generationen das Campe-Gymnasiums nicht in solch einem katastrophalen Zustand besuchen müssen.

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