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Familie und Leben

Transgender-Kind – wie als Eltern reagieren?

Das Commingout

Ein heikles Thema für Kind, Familie und Bekannte. Wie soll man sich jetzt verhalten? Dreht sich das eigene Leben nun um 180° und ist das noch das Kind, das ich kenne?
 
Auch in der heutigen, offeneren Gesellschaft wird Themen zu Sexualität und Gender noch mit Vorsicht begegnet, denn der Umgang mit diesen scheint nicht ganz klar zu sein. Man bewegt sich auf unbekanntem Terrain und möchte nichts falsch machen, also spricht man lieber nicht darüber.
Darum möchten wir heute mal in aller Offenheit über das Thema Transgender sprechen, um darüber etwas aufzuklären und euch den Umgang damit zu erleichtern. Um Begriffe besser zu verstehen, benötigen wir zunächst ein paar Definitionen:
 

Der Begriff „Transgender“ bezeichnet Menschen, deren äußerliche Geschlechtsmerkmale (und damit das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht) nicht mit ihrem gefühlten Geschlecht, dem sogenannten Identitätsgeschlecht, übereinstimmen. Man könnte umgangssprachlich auch sagen, dass sie sich im falschen Körper fühlen.
Das heißt, es geht nicht darum, zu welchem Geschlecht sie romantische Gefühle entwickeln, sondern nur um die Beziehung zum eigenen Körper, und ob man sich mit dem biologischen Geschlecht identifiziert oder nicht.
Der Begriff “Transgender” hat nichts mit “Transen” oder “Crossdressing” zu tun.

… ist ein Begriff, der zwangsläufig mit der Thematik einhergeht. Dabei handelt es sich um ein starkes Gefühl der Abneigung gegenüber dem eigenen Körper und dessen Geschlechtsmerkmalen. Dysphorie tritt bei Transpersonen z. B. auf, wenn ihre Umwelt sie im falschen Geschlecht wahrnimmt oder wenn ihre eigenen Vorstellungen von ihrem Geschlecht nicht mit ihrem Aussehen übereinstimmt. Sie hängt u. a. von den Geschlechterrollen ab, die die Gesellschaft vorschreibt und ist der Grund für die äußerlichen Änderungen, die Transgender vornehmen, um sich ihrem empfundenen Geschlecht anzupassen.

… bedeutet, eine Person durch verwendete Pronomen einem anderen Geschlecht zuzuordnen, als dem, mit dem sich diese Person identifiziert.

ftm

… ausgeschrieben “female to male”, bedeutet sich statt feminin maskulin zu fühlen

mtf

… ausgeschrieben “male to female”, bedeutet sich statt maskulin feminin zu fühlen

 

Damit hätten wir das nötige Vokabular, um uns voll und ganz in das Thema zu stürzen!

Nun hat euer Kind seinen ganzen Mut zusammen genommen und sich bei euch geoutet. Leo ist eigentlich eine Charlotte und Mara doch ein Paul. Sollte euch diese Information zu sehr schocken und ihr braucht erstmal etwas Zeit, um diese Information zu verarbeiten und euch an die neue Situation zu gewöhnen, ist das vollkommen in Ordnung. Vielleicht hilft es euch zu wissen, dass sich euer Kind eigentlich nicht verändert hat, mit dieser Äußerung. Es ist immer noch die gleiche liebe Persönlichkeit, wie ihr ihn/sie kennt.

Habt ihr die Tatsache akzeptiert, ist dies, so banal es auch klingt ein wichtiger Schritt. Zeigt am besten eurem Nachwuchs, dass ihr ihn/sie liebt und in seinen/ihren Entscheidungen unterstützt.
Wichtig ist dabei immer im Hinterkopf zu behalten, dass es keine Wollens-Frage ist. Euer Kind ist nicht eines Tages aufgewacht und hat entschieden, es möchte jetzt doch lieber zum anderen Geschlecht gehören, sondern es war eine längere Phase, in der die eigenen Gefühle verwirrt haben und auch euer Nachwuchs herausfinden musste, warum er sich in seinen Klamotten oder mit seinem Namen/Pronomen unwohl fühlt.
Das Abtun als Phase ist dabei übrigens nicht hilfreich, denn selbst wenn es tatsächlich nur eine Phase sein sollte, ist diese doch sehr wichtig für das Kind, um sich selbst zu finden.
 

Anpassung und Veränderung

Die ersten Schritte wären die Änderung der Pronomen und, wenn der Nachwuchs sich damit besser fühlt, ein neuer Name. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass ihr ab und zu die falschen Pronomen verwendet oder das Kind beim “falschen” Namen nennt. Das ist kein Problem. Korrigiert euch einfach und mit der Zeit gewöhnt ihr euch dran.
Auch der Transgender kann eine Weile brauchen, um sich daran zu gewöhnen, denn auch für ihn/sie ist es eine Umstellung. Der Name kann sich auch noch mehrmals ändern, denn es ist nicht leicht den richtigen für sich selbst zu finden. War es für euch vor der Geburt ja vielleicht auch nicht.
Eine kleine Shoppingtour ist auch eine super Gelegenheit, um dem Kind die Unterstützung zu zeigen, denn: Kleider machen Leute.

Wenn sich alle an die Umstellung gewöhnt haben und sich das Kind sicher ist, dass es sich damit besser fühlt, könnt ihr über weitere Schritte sprechen. Je nach Alter, gibt es hier verschiedene Möglichkeiten medizinischer Behandlungen. Wichtig ist es hier vorher abzuklären, ob es sich nicht um eine physische Fehlfunktion des Körpers handelt, sondern wirklich psychischen Ursprungs. Sprecht das Thema am besten bei einem Hausarzt eures Vertrauens an oder fragt bei eurer Krankenkasse nach Fachärzten nach. Auch eine Therapie kann in der Zeit sehr hilfreich sein und wird für einige der folgenden Punkte sogar verlangt.
 

Mögliche medizinische Schritte:

 
Weitere Schritte werden vor dem Erreichen der Volljährigkeit kaum vorgenommen und auch die hier aufgeführten Eingriffe werden frühestens nach der Pubertät durchgeführt, aber es ist gut informiert zu sein, was möglich wäre.
 

Irren ist menschlich

Jetzt habt ihr hoffentlich einen groben Überblick über das heutige Thema. Doch was ist, wenn mein Kind sich noch gar nicht sicher ist? Die oben aufgeführten Punkte sollen euch nur weiterhelfen, wenn euer Nachwuchs sich bereits zu 100% sicher ist. Dass dies nicht immer der Fall ist, wissen wir natürlich und das ist auch völlig ok so. Vielleicht fängt euer Kind erst an das eigene Geschlecht in Frage zu stellen und sich etwas atypisch zu verhalten. Es experimentiert mit den Klamotten des anderen Geschlechtes oder trägt mal Make Up auf (was auch bei Jungs mal vorkommen kann). Das heißt aber noch nicht gleich, dass es trans sein muss.

Oder eure Lotte ist sich ziemlich sicher doch eher ein Leo zu sein, empfindet ein paar Jahre später aber doch eher wie eine Lotte. Überstürzt einfach nichts und sucht den Dialog mit euren Kindern. Das hilft auch ihnen bei der Selbstfindung, wenn sie jemanden zum Austauschen haben. Manchmal reicht es eine Weile den/die neuen Namen zu benutzen und andere Klamotten zu kaufen, damit sich der Nachwuchs ausprobieren kann und herausfindet, was am besten zu ihm passt.


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