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Stiefmutter und Stiefkind: Eine große Herausforderung

Stiefmutter und Stiefkind: Eine große Herausforderung

Patchwork ist eine Herausforderung. Wie geht man damit als Stiefmutter um? Wenige Kinder, viele Erzieher- Wie kann das funktionieren? Wir geben Euch Tipps, wie Kids und Erwachsene in der neuen Kombination glücklich werden.

Das Bonuskind weiß alle Details von damals

 Der Stiefmama kann es sehr wehtun, immer wieder mit der Vergangenheit ihres neuen Partners konfrontiert zu werden. Mit Stiefmutter und Stiefkind prallen eben zwei Welten aufeinander. Erzählt das Stiefkind die Geschichten nur, weil die Mama das Kind ständig damit traktiert? Mitgefühl zu empfinden fällt oft schwer und einzugestehen, dass Offenheit sich auch auf die Freundlichkeit des Kindes auswirkt, noch mehr.

Hier einige Situationen, die wohl jeder schon einmal so oder ähnlich in einer Patchworkfamilie miterlebt hat:

  • Erst nach mehrmaliger Aufforderung des Vaters kann sich die Stieftochter von der Stiefmutter einigermaßen angemessen mit einem genuschelten „Wiedersehen“ verabschieden.
  • Der Papa und die Stiefmutter erzählen, dass ein Kollege bald ein zweites Kind bekommt. Darauf die kleine Lena: „Mama und Papa hätten, bevor ich auf die Welt gekommen bin, beinahe­ auch ein Baby bekommen. Aber es ist in Mamas Bauch gestorben, da war es noch sehr klein, wie ein kleiner Käfer.“
  • Oder die typische Abendessensszene bei der der Vater über eine Dienstreise erzählt und der kleine Tim ständig ins Wort fällt: „Die Mama und der Papa waren mal in Spanien in einem tollen Hotel mit Fitnessanlage und Swimmingpool, das war sooo ein toller Urlaub.“

Der Erwachsene sollte versuchen, die Situation zu regeln

Tief im Inneren weiß jede Stiefmama, dass sie erwachsen ist und das Stiefkind klein. Auch wenn es nicht immer einfach ist, ein Kind bei sich zu haben, was nicht sein eigenes ist, sollte man die Situation ausschaukeln und offen sein. Das sollte dann auch regelmäßig deutlich gezeigt werden. Ganz wichtig: Lästern über die leibliche Mutter ist verboten. Über die zweite Familie zu schimpfen, in der das Kind lebt, bringt das Kind in einen starken Zwiespalt und macht es unglücklich und traurig.

Erziehungsberatung hilft beiden Partnern

Wichtig ist, dass das Kind Klarheit bekommt und der neue Part in der Familie seine Bedürfnisse äußern soll, eben den Mumm zu haben, zu sagen: „Wir sind hier eine große Familie, da kannst nicht immer nur du reden.“ Es sollte sich darum bemüht werden, die alten Ehe-Geschichten nicht an einem Tisch zu besprechen und ebenso dem Kind die Kultur der Stiefmutter beizubringen: Tschüss sagen, abwarten, teilen, das alles ist besonders wichtig. Aber man kann nicht alles hinerziehen. Schon gar nicht Sympathie.

Wer aus dem ewigen Kreislauf des Zorns nicht herausfindet, sollte sich bald Hilfe holen. In Familien­beratungs­stellen können sich im geschützten Rahmen alle­ Beteiligten an einen Tisch setzen. Ebenso können Einzelgespräche angeboten werden, wenn es etwa darum geht, Verletzungen aufzu­­arbeiten.

Ein paar Tipps sollen Hilfe schaffen

Ein Patentrezept, wie Erwachsene und Kinder die neue Kombination meistern, gibt es nicht. Klare erzieherische Handlungsanweisungen der Erwachsenen auch nicht. Ein paar Tipps machen’s dennoch leichter, Verhaltensweisen richtig einzuschätzen und darauf angemessen zu reagieren:

Altersfrage: Je jünger der Nachwuchs, umso problemloser gelingen neue Familienkonstellationen. Kinder im Kindergarten- und Vorschulalter reagieren gelegentlich mit Wut und Eifersucht auf neue Partner. Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren haben es am schwersten, sich an die neuen Erwachsenen zu gewöhnen, da sie zu ihren leiblichen Eltern bereits eine lange Bindung aufgebaut haben. Ältere Kinder können dagegen häufig die Beweggründe ihrer Eltern, sich zu trennen, verstehen und reagieren weniger ablehnend auf die neue Situation.

Beobachtungsgabe: Kinder trauern anders als Erwachsene. Ob das Kind nun schmollt oder ständig Aufmerksamkeit beansprucht- dahinter steckt immer dieselbe Botschaft, nämlich die Hoffnung, dass die leiblichen Eltern wieder zusammenfinden.

Einfühlungsvermögen: Wichtig ist, dass die Erwachsenen dem Kind zeigen, dass sie seine Gefühle und Gedanken akzeptieren. Zum Beispiel mit diesem Satz: „Ich weiß, die Situation ist schwierig für dich. Es ist völlig in Ordnung, dass du nicht froh darüber bist.“ So muss sich das Kind nicht schlecht fühlen, wenn es mit negativen Gefühlen zu kämpfen hat.

Optimismus: Heißt nicht gleich, dass alles stets harmonisch sein soll, sondern zumindest eine konstruktive Richtung einnehmen sollte.

Zurückhaltung: Der größte Fehler, den neue Partner machen können: Sie versuchen, den Vater oder die Mutter zu ersetzen. Viel besser ist es sich als erwachsenen Freund in die Familie einzubringen anstatt als Erzieher.

Geduld: Eine neue Bezugsperson und so viel Veränderung braucht vor allem Zeit und

Gelassenheit, auch mal längere Zeiträume auszuharren. Bevor Patchworkpaare zusammenziehen, sollten idealerweise etwa zwei Jahre nach der Trennung vergehen.

Rollendefinition: Kommt ein neuer Erwachsener ins Spiel, muss zwischen den Großen ausführlich besprochen werden, welche Verhaltensweisen gelten und welches Verhalten von den Kindern akzeptiert wird – und welches nicht.

Realitätssinn: Mit vermehrten Konfliktstoff muss man sich abfinden und sich von romantischen Idealvorstellungen verabschieden. Die neu geformten Familien sollten sich zweimal im Monat zusammensetzen, um darüber zu sprechen, wie sie sich in der neuen Konstellation fühlen.

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