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Spielen ist Leben lernen?

Karin Schmidt-Ruhland hat seit 2007 die Professur in diesem Studiengang inne und betrachtet mit ihren Studenten die spielerischen Prozesse bei der Wissensvermittlung. Aber was bedeutet für sie „lebenslanges Lernen“?

„Wenn der Mensch geboren wird, eignet er sich die Welt spielerisch an. Spürt, tastet, macht was nach, wiederholt. Und er macht das völlig frei – Babys lassen sich ja noch nichts sagen. So erobern wir uns spielerisch die Welt. Und eigentlich wünschen wir uns ja alle, dass wir diese Haltung ein Leben lang beibehalten. Schließlich müssen wir ja immer wieder Neues lernen und Spielen hat viel mit Aneignung zu tun.“

Wichtig ist jedoch der freie Rahmen, man nennt es auch gern in Kitas und Schulen „das freie Spielen“. Im Wesentlichen bedeutet das, es gibt keine Einschränkungen und Begrenzungen. Aber dennoch benötigen Spiele Regeln, denn sonst macht es keinen Spaß – das wäre wie Verstecken ohne Augen zu halten.

Aber nicht nur im Spiel selbst auch in allen anderen Lebensbereichen gilt: es ist leichter, locker und spielerisch an eine Sache heran zu gehen.

 

Aber was lernt man eigentlich beim Spielen?

„Wahnsinnig viel vom Leben. Spiel ist Leben lernen – auch wenn das Spiel frei sein muss. Spielen kann ich nur dann, wenn ich keinen Zwang habe. Aber trotzdem lerne ich natürlich dabei. Dabei ist es egal, womit man spielt – es ist immer ein Miteinander. Ob es andere Menschen sind oder Gegenstände: Ich begegne immer jemand oder etwas Anderem.“

Gut, wenn das Spielen nie aufhört – auch wenn wir es nicht mehr so nennen. Aber auch Fußball schauen, mitfiebern, anfeuern, die Spielzüge beobachten ist ein Spiel und wir nehmen passiv teil. Spielerische Aktivitäten verbinden, unabhängig vom Alter und den Rahmenbedingungen. Aus gutem Grund gehen viele Firmen immer mehr dazu über, auch Firmenevents mit dem Spiel zu verbinden und bieten Beachvolleyball, Squash, Paintball o.a. an. Auch Kicker und Tischtennisplatten nehmen in den Büros zu, denn man hat die Freiheit sie zu benutzen, ist dann wieder frischer im Kopf und kann sich mit neuer Energie auf die Arbeit stürzen. Spielen unterbricht die Routine und das ist gut.

 

Wenn das Spiel = Freiheit bedeutet, was heißt das für die Spielplätze?

Kinder sollen in einem beschützen Raum spielen, der im städtischen Umfeld stark eingeschränkt ist. Wie sicher sollen sie denn sein?

„Da würde ich mit dem Spielplatzdesigner Günter Beltzig mitgehen und sagen, man kann sich ruhig mal das Knie aufschlagen. Warum auf Spielplätzen nicht die Steine lassen? Warum liegen überall Fallschutzmatten? Das hat dann wieder mit der Gesellschaft zu tun, mit der Frage nach der Verantwortung, mit Regressansprüchen. Aber für das Spiel brauchen Kinder Naturmaterialien und das körperliche Erlebnis, dass nicht immer alles einfach geht. Der Umbau von Spielplätzen zu mehr Sicherheit macht sie für Kinder uninteressanter und lebensferner.“

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