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Spezial: Was ist richtig? Was ist falsch? MORAL – unser Verständnis und die Vermittlung an die Kinder Teil 2

Gestern haben wir uns angeschaut, welche Entwicklungsstadien Kinder durchlaufen, wie sie sich richtig verhalten und warum und wie sie sich entsprechend ihrem Alter entwickeln. Heute forschen wir weiter…

 

Mädchen und Jungen

Weibliche und männliche Moralvorstellungen unterscheiden sich gravierend. Mädchen und Frauen agieren immer Fürsorge-orientiert. Jungen und Männer handeln eher „im Namen der Gerechtigkeit“.

Zudem funktioniert dieses System nicht im Alleingang – wie immer sind viele Faktoren mitverantwortlich, so auch wenn nicht zwischen Recht und Unrecht, sondern zwischen Eigennutz und den Interessen anderer entschieden wird. Darüber hinaus ist festzustellen, dass es bei der Erziehung und dem Lernen und Erziehen auch schichtenspezifische Unterschiede gibt: so wird mehr Wert auf Autorität und weniger auf Autonomie in der sog.Unterschicht gelegt, was sich zumeist in den Kindern später zeigt. Denn sie reflektieren sozusagen die Standards der Eltern.

 

Die Kleinsten: hilfreich und gut

Alle kleinen Kinder sind von Grund auf prosozial, d. h. sie wollen gern für andere da sein. Sie bemühen sich und teilen, trösten oder helfen gern. Das Max-Plank-Institut zeigt hier auf seiner Webseite verschiedene Videos, zum Beispiel die Wäscheklammer-Aufgabe. Hier lässt ein Erwachsener versehentlich einen Gegenstand auf den Boden fallen und versucht vergeblich, danach zu greifen. Das Kind erkennt die Situation und eilt herbei, um zu helfen. Alle Videos zur Kinderstudie sind auf dieser Seite abrufbar: Videomaterial zur Kinderstudie

 

Welche Einflüsse sind dann beim Lernen entscheidend?

Biologische Faktoren
Temperament

Sozialisation durch Eltern
Modellieren und Lehren
Gelegenheiten schaffen (zu Helfen bspw.)
Induktive Disziplinierungsmethoden, Perspektive des Anderen betonen

Rolle des Fernsehens
Bereits mit 4 Jahren verstehen Kinder, dass moralische Regelverletzungen falsch sind, selbst wenn sie unentdeckt bleiben. Aber wie und wo entsteht „falsches Verhalten“ d.h. aggressives, antisoziales Verhalten?

Physische Aggression beginnt bereits mit ca 18 Monaten. Dann entwickelt sich die Aggressionen weiter. Ein Ausprobieren und ein Testen der Grenzen ist ein natürlicher Bestandteil der Entwicklung. Hier müssen Eltern keine Sorge haben. Man unterscheidet in:

Instrumentelle Aggression
Motiviert durch die Erreichung konkreter Ziele (Spielzeug wegnehmen), was sich in der frühen Kindheit abspielt – bis ca. 6 Jahren.

Relationale Aggression
Verletzung anderer durch die Schädigung von sozialen Beziehungen (z.B. vom Spiel ausschliessen), vor allem im Grundschulalter zu beobachten.

Erst, wenn das Verhalten auffällig wird, wenn aggressive Kinder, die Gesellschaft anderer aggressiver Kinder suchen, was wiederum die Voraussetzung für eine entsprechende Bande darstellt, ist Vorsicht geboten.

Aber: auch wenn Eltern am liebsten brave, liebe Kinder haben, negative Gefühle wie Wut sind notwendig – so auch Familientherapeut Jesper Juul in „Aggression. Warum sie für uns und unsere Kinder notwendig ist„.

Eltern, Erzieher und Lehrer sollten seiner Meinung Aggressionen zulassen, ohne dass das kindliche Verhalten von vornherein als „böse“ und unartig abgestempelt würde. Wichtig dafür: Geduld und Einfühlungsvermögen. Juul: „Es braucht eine Kindheit lang, um zu lernen, aggressive Gefühle zu integrieren und konstruktiv und kreativ zu nutzen. Wenn wir eine Welt ohne Krieg haben wollen, müssen wir dafür sorgen, dass unsere Kinder spätestens bis 15, 16 gelernt haben mit ihren Aggressionen umzugehen.“

Problematisch ist für ihn daher die heutige Kuschel-Erziehung… „Kann es sein, dass Eltern, Erzieher und Pädagogen in eine andere Existenzsphäre entrückt sind, in der es ausschließlich Liebe gibt? Nein, keinesfalls. Sie haben bloß eine Art zu reden und sich zu verhalten angenommen, die der Form nach nicht als aggressiv gilt. Die Gewalt der Freundlichkeit und Korrektheit. Es ist jene Art getarnter Aggression und verbaler Gewalt, die die Älteren und Eloquenteren auf Kosten der Jüngeren und weniger Eloquenten leichten Herzens offen austragen.“

Eltern sollten jedoch authentisch sein, Wut zulassen und auch den Ärger offen kommunizieren. Nur so kann man den Kindern vorleben, wie man mit Aggressionen umgeht. Nur so wird durch die unterschiedlichen Lebensphasen hindurch vermittelt, was richtig und falsch ist, was moralisch vertretbar ist und wie man sich dementsprechend verhält.

 


Aggression: Warum sie für uns und unsere Kinder notwendig ist


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