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Spezial: Babyschlaf und Kinderschlaf – Teil 2

baby kleinkind schlafen

Jedes Kind ist anders – das ist zwar klar, muss aber noch einmal beim Thema Schlafen besonders betont werden. Oft verbringen Kinder mehr Zeit im Bett als sie benötigen und sind deshalb beim Zubettgehen quengelig oder treiben ihre Eltern mit Sonderwünschen, noch einmal Aufstehen oder Spielen in den Wahnsinn.

Deshalb ist wichtig zu wissen, dass sich der kindliche Schlafbedarf mit zunehmendem Alter verringert.

– Kleinkinder mit etwa zwei Jahren brauchen im Durchschnitt 12 bis 13 Stunden Schlaf
– Kinder mit drei, vier Jahren benötigen oft nur noch elf bis zwölf Stunden

Im Vergleich zum Säuglingsalter reduziert sich vor allem der Tagesschlaf, wie man entsprechend der Grafik sehen kann:

Durchschnittliche Schlafdauer bei Kindern

Idee Schlafprotokoll

Dies hilft, wenn es Probleme mit dem Zubettgehen oder mit allzu frühem Aufstehen gibt oder man sich nicht sicher ist, wie viel Schlaf das Kind tatsächlich braucht.

Einfach zwei bis drei Wochen lang eintragen, wann und wie lange Ihr Kind schläft. Wenn es weniger Schlaf braucht als bisher, sollte die Zubettgehzeit entsprechend nach hinten verschoben werden – alternativ kann auch der Mittagsschlaf gekürzt werden.

Der Mittagsschlaf und die richtige Zubettgehzeit

Alles kann, nichts muss. Oft zeigen die Kids selbst am deutlichsten, ob sie noch Schlaf brauchen oder nicht.

Regulierend sollte man nur eingreifen, wenn das Kind abends zur Schlafenszeit nicht müde ist und möglicherweise „vorgeschlafen“ hat. Aber wann ist er richtige Zeitpunkt, um das Kind ins Bett zu bringen? Dieser ergibt sich aus der Aufstehzeit minus dem persönlichen Schlafbedarf. Das heißt, wenn ein Kind regelmäßig morgens um 7.00 Uhr aufwacht und ungefähr zehn Stunden Schlaf braucht, dann sollte es spätestens um 21.00 Uhr im Bett sein. Wenn es sehr lange zum Einschlafen braucht, sollte die Zubettgehzeit entsprechend früher angesetzt werden. Wenn das Kind regelmäßig noch mittags schläft, braucht es nachts entsprechend weniger Schlaf. Es wird morgens also früher wach oder sollte später zu Bett gebracht werden.

Ins Bett gehen muss in der Tat jeder – auch wenn er nicht will

Ach ja, obwohl die Augen schon fast zufallen und die roten Schlafbäckchen glühen, können die Kleinen immer noch steif und fest behaupten, dass sie nicht müde sind und auf gar keinen Fall ins Bett wollen. Der Tag soll einfach nicht zu Ende sein oder man hat Angst etwas Spannendes zu verpassen. Das elterliche Zauberwort: Konsequenz und feste Rituale. Besser ein klares Schlusswort als eine Endlosdiskussion.

Denn: Eltern dürfen auch Feierabend haben.

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Alfred Wiater, Chefarzt der Kinderklinik des Krankenhauses Porz am Rhein in Köln und Mitherausgeber des neuen „Handbuch Kinderschlaf“ sagt dazu:

In der Stunde, bevor das Kind zu Bett geht, sollte die Familie den Tag in Ruhe und entspannt ausklingen lassen. Hilfreich ist es, wenn Eltern sich vor dem Einschlafen zehn Minuten Zeit nehmen, um mit ihrem Kind den Tag Revue passieren zu lassen und ihm möglichst Ängste und Sorgen zu nehmen, die das Ein- und Durchschlafen beeinträchtigen könnten.

D. h. der Mediziner sieht kindliche Einschlafprobleme als eine nicht organische Schlafstörung. Es geht eher um mangelnde Schlafhygiene: zu viel Stress, Aufregung, Anstrengung, Fernsehen oder PC-Spiele vor dem Schlafengehen. Aber auch er betont, dass Eltern die Ansage machen müssen. Dann schaffen es Eltern nicht, ihren Kindern Einhalt zu gebieten, wenn diese immer wieder Aktivitäten einfordern oder auf Szenarien bestehen, die das Einschlafen hinauszögern.

Schlaflernprogramme wie die Ferber-Methode beispielsweise findet Wiater kaum sinnvoll: „Es handelt sich dabei um verhaltenstherapeutische Ansätze. Sie sind nur dann sinnvoll, wenn die Kinder auch nachvollziehen können, was ihnen abverlangt wird, also keinesfalls im Säuglingsalter.“ Außerdem machten Schlaflernprogramme per se nach Ansicht des Kinderarztes keinen Sinn, wenn die Botschaft „Du kannst allein einschlafen“ nicht im Tagesverhalten vermittelt werde. „Wenn ein Kind den ganzen Tag nur auf dem Arm der Mutter ist und nicht gelernt hat, sich von ihr zu lösen, wird es nicht nachvollziehen können, warum es das abends und nachts können soll. Das heißt, der Prozess von Ablösung und Eigenständigkeit muss tagsüber geübt werden.“

Die Ferber-Methode oder „Schrei doch“

Die Ferber- oder 5-Minuten-Schrei-Methode geht zurück auf den amerikanischen Schlafforscher Dr. Richard Ferber. Mitte der 80iger Jahre entwickelte Dr. Ferber einen Behandlungsplan, nach dem Kinder das Ein- und Durchschlafen erlernen können. In der Umsetzung heißt das, nach Durchführung eines Einschlafrituals wird das Kind wach in sein Bettchen gelegt und allein gelassen. In den meisten Fällen fängt das Kind an zu schreien. Der Plan sieht nun vor, dass die Eltern das Kind zunächst fünf Minuten schreien lassen, bevor sie zu ihm gehen und es trösten. Dabei soll das Kind jedoch nicht aus dem Bett hochgenommen werden.

Nach maximal zwei Minuten verlassen die Eltern das Zimmer. Schreit das Kind weiter, gehen die Eltern erst nach weiteren zehn Minuten wieder zu ihm, um es zu beruhigen. So steigern sich die Abstände bis auf maximal 30 Minuten. Die ganze Aktion wird solange wiederholt, bis das Kind schläft. In der Regel dauert es nur wenige Tage, bis sich der Erfolg einstellt und das Kind alleine ein- und durchschläft, so Herr Ferber.

 


Handbuch des Kinderschlafs: Grundlagen, Diagnostik und Therapie organischer und nicht organischer Schlafstörungen

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