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Kolumnen

Sommerfahrplan oder die immerwährende Frage nach dem perfekten Urlaubsziel

Nach dem Weihnachtsfest mit seinen Unmengen an Köstlichkeiten und einem Übermaß an Familie haben wir uns bis zum Frühling durchgekämpft. Dick eingepackt schauten wir sehnsuchtsvoll gen Himmel und erwarteten Sommer, Sonne und Fröhlichkeit. Sommer und Sonne kamen, aber mit dem Mai kam auch die Hoffnung und das Verlangen nach Urlaub. Jetzt hatten wir schließlich schon ganz schön lange durchgehalten – so im Tross des täglichen Einerleis. Da brauchte es mal wieder etwas Freiheit. Frei sein.

Willkommen Abwechslung.
Willkommen Urlaub.

Was für ein schönes Wort. In ihm liegt etwas Faulheit und Sightseeing, Entdeckung und Schlumperei. Man denkt an viel Schlafen und grandiose Abende, die man (möglicherweise leicht schwankend) mit einem leckeren Getränk in der Hand beendet. Dazu rieche ich förmlich das salzige Meer, den matschigen Wald, das frische Gras, Pferde, Pinien, gebratenen Fisch, frischen Streuselkuchen und Limonenlimonade.

Die Stiftung für Zukunftsfragen hat festgestellt: Deutsche Reisende wollen schöne Natur und Gemütlichkeit. Die meisten bevorzugen Sonne, Wärme und klare Luft, jeder Zweite wünscht sich zudem Bademöglichkeiten. Und… zwischenmenschlicher Stress steht gleichbedeutend für einen misslungenen Urlaub. Deshalb will man Gastfreundschaft, freundliches Personal, Gemütlichkeit und viel Harmonie zwischen den Reisenden. Soviel zur Theorie. Wenn es doch nur so einfach wäre…. Familie besteht aus Individuen. Und auch kleine Individuen haben ihre speziellen Wünsche. Deshalb grübeln wir und suchen, suchen das perfekte Urlaubsdomizil, das allen gerecht wird. Denn die wenigen freien, gemeinsamen Tage sind einfach zu kostbar, um sie mit einem sprichwörtlichen „Griff ins Klo“ zu verbringen. Wer will schon miesepetrige Gastgeber, schlechte Betten, gelangweilte Kinder oder sonstige Arten von Verdruss und Ärgernis? Keiner. Eben.

Doch die Suche gestaltet sich schwierig. Der Herzallerliebste will in den Norden, damit es nicht zu warm ist. Am besten ein Hauch von „Into the wild“, fernab der Zivilisation. Ein Zelt, sein Taschenmesser, eine Angel, ein Klappspaten (Eingeweihte erraten wofür dieser gedacht ist) und sonst nichts. Einsamkeit. Ruhe.

Ich hingegen will Sonne (Viel Sonne. Wer will schon mitten im Sommer wie ein frierender Käse sein?), ein Hauch Kultur, eine Prise Design, eine hübsche Finca, ein wenig Schischi. Denn wenn es hübsch fürs Auge ist, beruhigt sich der Kopf, der in all den Monaten vorher viel zu viel denken, organisieren und planen musste, ganz von allein. Das große Kind hingegen ist fasziniert von Heidi und will in die Berge. Dorthin, wo man mit den Ziegen über die Weiden toben kann, wo man den Bergen „Hallo“ entgegen ruft und Antwort bekommt. Dorthin, wo man Kniestrümpfe anhaben kann und dennoch Schnee sieht. Heidi eben. Das klein Kind hat zwar noch keine ernstzunehmende, vollwertige Stimme, aber auch dies kann schon aus Leibeskräften „Pferd.Pferd.Pferd.“ schreien. (Ja ja, wir sind selber schuld. Natürlich. Aber wie sollte man vorher wissen, welche kindlichen Erlebnisse sich so fest ins kleine Gehirn brennen, dass sie in Dauerschleife wiederholt werden?)

Was tut man also? Entspricht man dem einen, damit der andere unglücklich ist? Wählt man alternativ einen Urlaub, den zwar keiner haben will, aber dafür ist die Ausgangssituation für alle gleich? Einigt man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, den ich in unserem Fall auch mit viel Phantasie nicht erkennen kann? (Wo gibt es schon den Ort, der warm und kalt zugleich ist? Wo die Einsamkeit neben Kultur und Schischi wohnt? Wo Berge sind und Pferde? Phantasia im Süden, wo ich auf der Erdoberfläche mit Sonne und etwas Trubel leben könnte, darunter im Erdreich campiert dann maulwurfähnlich der Mann und dazwischen gibt es ein Heidi-Spieleparadies mit Ziegenherde und Pferdekoppel…)

Es bleibt weiter spannend und wir denken nach, damit zum Schluss alle neue Luft für die Lungen, neue Dinge für die Augen und neue Ideen für den Geist bekommen. Einfach ist es nicht, aber wer hat auch gesagt, dass Urlaub einfach ist…?

In diesem Sinne, eine schöne Urlaubszeit – egal wo, wie oder wann.
Ihre/Eure Sabine Henriette Schwarz


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