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Familie und Leben

Sexueller Missbrauch an Kindern – Zahlen und Prävention

Am Dienstag berichteten wir zum Thema Kinderschutz an deutschen Schulen. Heute wollen wir das Thema weiter verfolgen, denn es gibt ein paar typische Faktoren und Zahlen, vor denen man nicht die Augen schließen sollte. Und wenn die Politik sich immer noch nicht verständigt hat, sollten Eltern achtsam sein und genau hinhorchen…

Faktenlage zum “sexueller Missbrauch an Kindern”

  • Der Täter stammt aus dem nahen Umfeld. In 90 Prozent der Fälle ist der Täter bzw. die Täterin den Kindern bekannt und stammt aus dem sozialen, sehr oft aus dem familiären Umfeld. Viel seltener sind die Fälle, die wir als Bild in unseren Köpfen haben von dem fremden Mann, der Bonbons auf Schulhof verschenkt.
  • 90 Prozent der Missbrauchsfälle finden vor dem 12. Lebensjahr statt.
  • Sexueller Missbrauch findet in der Regel über mehrere Jahre statt.
  • Da die Kinder, die missbrauchenden Erwachsenen meistens gut kennen und ihnen vertrauen, müssen die Täter*innen häufig gar keine Gewalt anwenden.
  • Kinder werden zur Geheimhaltung verpflichtet, indem sie mit Geschenken belohnt, unter Druck gesetzt oder bedroht werden.
  • Wenn überhaupt, geben Kinder Andeutungen und Hinweise auf die Tat, in der Hoffnung, dass man sie versteht und ihnen hilft.
  • Etwa jedes 4. Mädchen und jeder 7. Junge wird zum Opfer.
  • Im Jahr 2015 gab es beispielsweise 11.808 Anzeigen wegen Kindesmissbrauchs, die Dunkelziffer liegt allerdings bei jährlich 300.000 – 400.000 Taten.
    (Quellen: Hilfeportal-Missbrauch, BKA Studie, Kinderschutz24.ch)

Eine dramatische Zahl, die zeigt, dass es viel öfter vorkommt als man denkt….

Gibt es Möglichkeiten, unsere Kinder davor schützen?

Präventionsmaßnahmen müssen her!

Selbstbewusste Kinder, die wertgeschätzt werden und deren Meinung geachtet wird, sind besser geschützt.

In unserer Erziehung und im Kontakt zu unseren Kindern, geht es nicht nur darum Kinder vor diesen „bösen Menschen“ zu warnen und womöglich Angst zu machen. Sondern: vorhandene Stärken von Mädchen und Jungen auszubauen und ihnen zu vermitteln, dass sie ein Selbstbestimmungsrecht über ihren Körper haben und sich wehren dürfen, wenn dieses Recht verletzt wird.

Das fängt im Kleinen an „Gib der Tante doch mal einen Kuss, oder einen Drücker oder setz dich auf ihren Schoß, sonst ist sie traurig.“ Das sind minimale Überschreitungen, die den Kindern eben kein Selbstbestimmungsrecht über ihren Körper vermitteln und sogar zusätzlich Druck ausüben. Die Botschaft an das Kind: ich bin dafür verantwortlich, wenn die Tante dann traurig ist, also muss ich es machen, auch wenn ich mich unwohl dabei fühle.Das gilt auch für Hände schütteln, höflich Guten Tag sagen usw.Ich verstehe das schon, euch ist die Höflichkeit eurer Kinder wichtig, aber da könnt ihr euch entspannen. Kinder lernen dies früher oder später über euch als Vorbild und übernehmen dieses Handeln und diese Werte automatisch, wenn wir so agieren. Wir müssen und sollten sie keinesfalls dazu zwingen. Gefühle entwickeln – genauso wichtig wie Mathe oder Deutsch Ich finde das ohnehin etwas, was in unseren Familien und Bildungseinrichtungen vernachlässigt wird. Das erlernen und ausdrücken von Gefühlen.

Wenn Kinder ihre Gefühle kennen und sie ausdrücken können und darin ernst genommen werden, entwickeln sie ein stabiles Vertrauen in die eigene Gefühlswahrnehmung.

Sie können sich so darüber bewusst sein, was sie schön und angenehm finden und können dies einfordern. Kontakte und Taten, die sie aber nicht mögen, verwirren oder komisch finden, können sie auch erkennen und sich dem widersetzen.

Wenn wir zum Beispiel sagen: „Das Essen schmeckt doch, iss es“, „Der Pulli kratzt nicht, zieh ihn an“ „Stell dich nicht so an, das war nicht so schlimm“ vermitteln wir den Kindern, deine Gefühle sind nicht ganz richtig, ich weiß es besser.

Es ist wichtig, dass wir die Gefühlswahrnehmungen und Äußerungen der Kinder ernst nehmen und bestätigen, dass wir es respektieren.

Sicherlich gibt es tausend Situationen im Alltag, wo man mit dem Kind gemeinsam schauen kann, wie man nun mit den Wahrnehmungen umgeht. Wenn der Pulli kratzt, können wir dem Kind Auswahlmöglichkeiten anbieten oder ein T-shirt darunter zu ziehen. Ich will damit sagen, es ist absolut wichtig, dass ihr eure Kinder ernst nehmt!!! Kinder sind von Anfang an vor allem sehr kompetent, was die Wahrnehmungen ihres eigenen Körpers angeht und wir dürfen es ihnen nicht wieder abtrainieren, sondern gut begleiten und Bedürfnisse nach Möglichkeit stillen.

Ihr sollt das aber nicht damit verwechseln nun zu Servicekräften für eure Kinder zu werden und euch nicht mehr trauen, nein zu sagen.

Kinder lernen nämlich auch dadurch ihre Gefühle und Grenzen kennen, indem sie sehen, dass ihre Eltern auch welche haben und sie deutlich machen. Hier agieren wir wieder als Vorbild. Wenn wir also unsere Gefühle und Bedürfnisse kennen und benennen, sind wir die besten Lehrmeister für unsere Kinder.


(Danke, oh wunderbar)


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