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Sei authentisch! Ein kleines Plädoyer für mehr ICH – auch und gerade als Vorbild für die Kids

Aber was ist es genau? „authentisch sein“ heißt doch eigentlich nichts anderes als „echt; den Tatsachen entsprechend und daher glaubwürdig“ sein. Schein ist gleich Sein. Man ist so, wie man ist. D.h, auch, sich selbst die Erlaubnis zu geben, einfach man selbst sein zu dürfen, auch wenn man sich nicht perfekt findet. Das ist schwer, in der Tat und manchmal braucht es viele Jahre. Aber gelingt es kann es sich sehr befreiend und ehrlich anfühlen. Schließlich sind wir auch lieber mit Menschen zusammen, denen wir nichts vormachen müssen. Keine Schauspielerei. Kein Auftrumpfen. Keine Lügen, denn die gehören immer auch mit dazu wenn man nicht ganz man selbst sein kann (dass genau diese Lügen einen auch oft den Schlaf rauben, kennt bestimmt jeder – so muss man nur an Vorstellungsgespräche denken oder an kleine Schwindeleien unter Freunden. Früher oder später fliegt alles auf).

Aber wann ist man authentisch? Gibt es Anhaltspunkte?

Hast du dich schon mal gefragt, ob du…

  • ´…immer auch das tust, was du sagst? Oder predigst du Wasser und trinkst insgeheim Wein? Wenn du damit prahlst, dass du niemals Fleisch aus Massentierhaltung essen würdest, dann solltest du dir nicht in der nächstbesten Pommesbude eine Currywurst einverleiben.
  • ´…du immer deine eigene Meinung vertrittst? Besonders schwer fällt einem das in Gruppen. Du bist auf einer Party und dort sind alle der Meinung, dass die Kommune doch endlich mal die Schlaglöcher in den Straßen stopfen sollte (Lokalpolitik ist ja immer ein heiß diskutiertes Thema). Du denkst aber, dass die Stadt das Geld lieber für den Erhalt des Freibades aufwenden sollte und die ganzen Autofahrer sich nicht so anstellen sollen. Aber sagst du das auch? Vertrittst du deine Meinung oder schweigst du lieber, um nicht anzuecken?
  • ´…deine Stärken und Schwächen kennst und dazu stehst? Oder überspielst du lieber, dass du etwas nicht kannst? Das Gute in einer so großen und differenzierten Gesellschaft wie unserer ist ja gerade, dass du nicht alles können musst. Du hast keine Ahnung, wie eine Umsatzsteuervoranmeldung funktioniert? Dann geh zu einem Steuerberater! Du kannst nicht tapezieren, weil du zwei linke Hände und nur Pudding in den Armen hast? Wozu gibt es Maler? Es tut so gut, einfach mal zu sagen: „Das kann ich nicht!“, anstatt herumzudrucksen und dabei panisch zu überlegen, wie man das hinbekommt. Genauso gut fühlt es sich an, wenn man seine Stärken ausspielen kann.
  • ´…ehrlich mit deinen Gefühlen umgehst? Du bist nicht jeden Tag dieselbe Person. Mal bist du super gelaunt, dann geht mal wieder alles schief und du bist total am Boden. Deshalb musst dich auch nicht immer den Fröhlichen oder die Lustige spielen. Manchmal geht es dir halt mies, das dürfen deine Mitmenschen ruhig merken. Wenn dich das nächste Mal jemand fragt, wie es dir geht, dann sag nicht automatisch „Gut!“, sondern versuche ehrlich zu antworten.
  • ´…du dich oft mit anderen vergleichst? Bist du oft neidisch oder fühlst dich anderen Menschen überlegen? Siehst du dich also nur in Relation zu Anderen? Du willst so ein wie der eine, aber auf keinen Fall so wie jemand anderes. Wirst du auch nie, weil du immer du bist..
  • ´… Ja sagst, obwohl du Nein meinst? Jemand bittet einen um einen Gefallen und man sagt automatisch Ja. Das kommt einfach so aus dem Mund, obwohl es einem gar nicht so recht ist. Nein-Sagen erfordert viel Übung und in manchen Situationen auch viel Mut.

(nach MalMini.de)

Und wenn wir schon dabei sind, ja, authentische Eltern sind wichtig.

Jesper Juul, gefragter Familientherapeut, sagt dazu :
„ Für die Erziehung unserer Kinder sind authentische Eltern gefragt und keine Schauspieler.“

Im Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ findet Juul deutliche Worte zur Erziehung von Kindern: „Das Beste ist, wenn sie mit echten Menschen aufwachsen und nicht mit Schauspielern, die immerzu ihre Elternrolle aufführen. Wer dauernd pädagogisch handelt, zieht den Nachwuchs zur Gefühlskälte heran. Solche Kinder erfahren nie, dass andere Menschen auch Gefühle und Grenzen haben.“ Gute Erziehung findet deshalb zwischen den Zeilen statt und habe auch damit zu tun, wie die Eltern miteinander umgehen, wie sie mit dem Bäcker sprächen und wie sie zu ihren Verwandten stünden.

Viele Eltern betrachteten ihre Elternschaft nach Juuls Meinung als Projekt, bei dem sie sich gerne als erfolgreiche Mutter oder erfolgreichen Vater fühlen wollen. Viel wichtiger ist es jedoch, „persönliche Maßstäbe und Überzeugungen vorzuleben. Kinder spüren sehr schnell, ob sich jemand sicher ist“.
Jeder will als Eltern gut sein, das ist nachvollziehbar und nur natürlich. Aber gerade deshalb ist es wichtig, sich selbst auch zu hinterfragen. Was sage ich? Was tue ich? Was lebe ich vor?

Perfektionismus ist beispielsweise der Tod der Authentizität. Zu ihr gehören aber dafür Gelassenheit und Humor… zwei Dinge, die Eltern unbedingt brauchen 🙂


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