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Schwer ists mit furchtbar schrecklichen und grausamen Geburtsgeschichten

Katja aus Leipzig hat zwei Kinder und wäre um ein Haar kinderlos geblieben. Der Grund: die mächtigen, angsteinflößenden Geschichten der Großmutter und Mutter zu den Geburten ihrer Kinder. „Es fühlt sich an als ob man stirbt, und es scheint nie zu Ende zu gehen“ meinte die Großmutter, die sich danach nur noch schlecht bewegen konnte und ihre Rückenschmerzen damit begründete. Und auch die Mutter erzählte von nicht zu beschreibenden Schmerzen und legte als Beweis ein Taschentuch vor, wo der Stoff innen fehlte – vor Schmerz herausgebissen. Wie schlimm kann es also sein? Die Geschichten waren Teil von Katjas Leben und wurden mit der Zeit so groß und dominant, dass der Gedanke, vielleicht auch ohne Kinder und ohne das Geburtstrauma glücklich zu sein, naheliegend war. Sie hatte schlichtweg der Mut verlassen. So ein Hund als Alternative? Klar, geht auch, aber ist nicht zu vergleichen. Ihr Mann war letztlich das Zünglein an der Waage. Sein Mut reichte für sie mit und…. das Trauma blieb aus. Keine Nahtod-Erfahrung, keine Aggressionen bei der Geburt auf Mann, Baby und die Welt – stattdessen einfach nur viel Atmen, Schreien, Erschöpfung und endliche Schmerzen. Denn, mit viel Zuspruch und Motivation war es dann wirklich geschafft. Im nach hinein betrachtet, war die Geburt wie ein Marathon… man muss es schaffen, auf die Instinkte vertrauen, am Straßenrand stehen (hoffentlich) freundliche Helfer, es wird nicht angenehm, man muss sich quälen, aber am Ende winkt das Ziel. Geschafft!

Aber wie wäre ein Marathon, wenn man bereits vor Angst zitternd, völlig aufgelöst an der Startlinie stehen würde, wenn man denkt, sowieso mitten auf der Strecke zusammen zu brechen, wenn die Zuschauer einen bereits am Anfang ausbuhen und einen für unfähig halten? Kurzum: man würde nicht antreten oder schnell mittendrin aufgeben.

Sven Hildebrandt, der vor 20 Jahren ein Geburtshaus mitbegründet hat und als Gynäkologe arbeitet formuliert es so:

„Ich sage es immer so, dass jede Frau ein inneres Programm hat auf der Festplatte vorinstalliert eigentlich drei Programme Schwangerschaft exe sag ich immer, Wochenbett exe und Geburt exe. Die sind auf der Festplatte des Gehirns vorinstalliert und eigentlich könnten die ganz einfach ins Laufen gebracht werden. Aber tatsächlich, bei uns Menschen, sind diese Programme im wahrsten Sinne des Wortes solange im World Wide Web, dass die nicht mehr laufen und der Sinn einer guten Geburtsvorbereitung und einer guten Kommunikation bei der Geburt ist einfach, diese archaisch-vorinstallierten Programme wieder ins Laufen zu bringen.“

Alexandra Kopf, die als Psychologin arbeitet, weiß um die Macht, die Geschichten vorher haben, wenn man Angst hat und fast gelähmt ist sobald die Wehen einsetzen.

„Und mit all diesen Bildern und Vorstellungen, die viele Frauen einfach haben oder wie man meint, Schmerz nicht bewältigen zu können. Die ja letztendlich auch wieder konstruiert werden aus der eigenen Vorstellungskraft oder dem, was man gelernt hat darüber, was man weiß, was man sich vorstellt, was man erwartet auch hier.“ D.h. viele Frauen bringen ungünstige, störende Gedanken mit in den Geburtsprozess, sagt Alexandra Kopf in ihrem Buch „Traumgeburt“, d.h. wenn es bei der Mutter fruchtbar war, wird es das auch bei mir, soviel Kraft habe ich nicht, ich bin viel zu groß, klein, dick, dünn…, das Baby passt nicht durch. Es gibt eine Vielzahl von Ängsten und Bedenken, die den Körper in seinem automatischen Tun hindern. Die Gründe sind vielfältig: privates Gerede, Negativprognosen und auch die soziale Tendenz, das persönliche Leid öffentlich zu machen und die natürlich noch größer darzustellen als es war.

Wesentlich sind aber auch der Umgang mit dem medizinischen Personal. Natürlich ist man sich bei der ersten Geburt unsicher. Alles ist neu und der Mann kann mit Erfahrungen nicht helfen. Deshalb ist die Hebamme oder der Arzt der rettende Anker. Medizinische Fachsprache und Unachtsamkeiten seitens der Betreuung sind deshalb besonders dramatisch. Es geht um Vertrauen. Und Vertrauen entsteht eben nicht durch schnelle Abfertigung oder wortkarge, gestresste Ansprechpartner. Katja hatte Glück. Sie durfte sich mit ihrer Hebamme fünf Monate auf die Geburt vorbereiten. Man kannte sich, man musste wie man den anderen einschätzen sollte, man mochte sich und hatte bereits eine Beziehung bevor es „hart auf hart“ kam. Eine Situation, die in der heutigen Zeit schwer zu finden ist, aber natürlich die Geburt positiv wie auch negativ bestimmt. Aber: Herzlichkeit, Freundlichkeit und Kommunikation sind wichtig! Woher soll man sonst wissen, was mit einem passiert? Das es nicht schlimm ist, wenn man die Kontrolle über seinen Körper verliert, wenn man kotzt, die Furchtblase blatzt oder man ins Bett pieselt.

Alexandra Kopf: „Wenn man dieses Hormon-Orchester laufen ließe sozusagen, ohne dass vielleicht Angst oder Stress mit hinein kommt, kann man einem natürlichen Trancezustand sein. Versunken in sich selbst mit hilfreichen Mechanismen, dass man die Außenwelt gedämpfter wahrnimmt, dass man Sprache anders wahrnimmt, dass man mehr im Gefühl, in einer Gefühls- und Bilderwelt ist.“

Und auch Elke Kötter, die seit 25 Jahren als Hebamme arbeitet, sieht die Angst als größten Feind einer natürlichen Geburt:

„Angst macht Verspannung. Und dann hat man Angst vor der nächsten Wehe und die kommt und die tut viel mehr weh, weil man wahnsinnig verspannt ist. Und dann kommt wieder der Schmerz. Und das ist ein Kreislauf. Wir können ihn nur an der Angst kappen. Wir können durch positives Zutrauen durch. Du schaffst das, Du kannst das. Wir gehen diesen Marathon gemeinsam nur so kann man das schaffen. Anders geht es nicht … „Wir müssen es aushalten, wir müssen geduldig sein. Wir müssen abwarten. Wir müssen schauen, was die Natur von ganz alleine macht. Und natürlich gehört dazu, der Frau das zu überlassen.“

Aber es gibt leider viel zu viel Druck, Unfreundlichkeit, traumatische Erfahrungen, zu viel Macht von unfreundlichem Personal. Das System Krankenhaus und Geburt stimmt nicht überein – es krankt und die Leidtragenden sind die Mütter und Babys.

Sven Hildebrandt: „Wenn die Gesellschaft den Wert der Geburt für ein ganzes Menschenleben, den Wert der Geburt für die für die gesamte Gesellschaft, dann wird sich etwas tun. Ich träume davon, dass wir den Schutz der Geburt als Staatsziel formulieren. Die Geburtshilfe muss aus meiner Sicht ein separater betriebswirtschaftlicher Sektor sein, der natürlich zum Teil von den Krankenkassen mitfinanziert wird, aber der im Wesentlichen aus einem Fonds finanziert wird, der das Grundverständnis der Geburt als nicht medizinischen Akt, sondern als gesellschaftlichen Akt, als kulturellen Akt pflegt.“


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