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Schwangere in Not – wenn eine natürliche Geburt in der Klinik kaum mehr möglich ist

Schwangere Bauch

Passend zu unserem Film von Donnerstag beschäftigen wir uns heute weiterführend mit der aktuellen Situation von Geburtsabteilungen. Wahrscheinlich will man es nicht wahrhaben oder die Beschäftigung damit beginnt erst, wenn man selbst betroffen ist.

Betroffen ist man beispielsweise im Kreiskrankenhaus Schrobenhausen, wo es bis Anfang Juni keine natürliche Geburt mehr geben wird. Denn: die Klinik stellt ihre Geburtshilfe ein. Dietmar Eine, Geschäftsführer des Krankenhauses stellt diesbezüglich fest: „Nur noch planbare Geburten, also durch Kaiserschnitt, sind bei uns in den kommenden Wochen möglich“. D.h. aber für alle anderen, die gern ihr Kind entbinden möchten, bleibt der Kreißsaal geschlossen. Der Grund: „Wir können dort nicht mehr alle Dienste mit Hebammen besetzen“.

Grundsätzlich gibt es zwei gravierende Probleme, die zu dieser desaströsen Situation – in Schrobenhausen leider kein Einzelfall – geführt haben.

  • 1Kleinere Geburtsabteilungen – also Abteilungen mit weniger als1000 Geburten im Jahr – laufen nicht rentabel. Kreis, Land etc. müssten die finanziellen Defizite decken.
  • 2Der Fachkräftemangel schlägt erbarmungslos zu

„Die gesetzlichen und wirtschaftlichen Rahmendaten, unter denen Hebammen arbeiten, sind extrem schwierig. Und die Auswirkungen davon spüren wir gerade am eigenen Leib“, sagt Roland Weigert, der Landrat des Kreises Neuburg-Schrobenhausen. Viele Hebammen, denen Gesetze und finanzielle Zwänge wie auferlegte Versicherungen, keinen Raum mehr für die eigentliche Arbeit der Entbindung lassen, ziehen sich zurück, beschränken sich nur noch auf die Vor- und Nachsorge.

So mussten bereits im Dezember 2013 die Hebammen im niederbayerischen Zwiesel die Bevölkerung darüber informieren, dass sie zum 1. Januar 2014 ihren Dienst aufgeben müssen. Bedauerlich, dass dieser Warnschuss seitens der gesetzlichen Vertreter ungehört blieb und die Situation für Hebammen im Jahr 2016 derart schwierig ist.

Die Fürsorge für Geburten müsste zur staatlichen Aufgabe erklären werden, zu der sowohl der Erhalt von Standorten auch auf Staatskosten, die  Versicherung oder die angemessene Vergütung zählt. Nur dann, hätten alle Schwangeren die gleichen guten Voraussetzungen.  In einem Land wie Deutschland sollte jede Frau die Wahl haben, auch die Wahl einer 1:1-Betreuung durch eine Hebamme ihres Vertrauens.

Eine Überlegung, die auch Hermann Gröhe als Bundesgesundheitsminister anstellen sollte, damit es Schreckensmeldungen wie jene aus Berlin letzten Sommer nie wieder gibt. Da war eine Schwangere trotz Wehen mehrfach vom Kreißsaal wegen Überfüllung abgewiesen wurden, was letztlich zum Tod des Babys, ein bis dahin völlig gesundes, unauffälliges kleines Mädchen, geführt hat.

Nachtrag:

715.000 Kinder wurden 2015 geboren – die höchste Anzahl seit zehn Jahren. Tendenz steigend. Das bedeutet, rechnet man Kinder, Frauen und Väter dazu, weit über zwei Millionen direkt Betroffene.


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