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Kolumnen

Schule als Familienaufgabe

Das Leben hat sich geändert. Seit einem halben Jahr wohnt ein Schulkind in unserem Haushalt und all die, die so etwas sagten wie „Du wirst Dich umgucken“ oder „Ach`wie schön war es noch im Kindergarten.“ hatten Recht. Ja, ich war ein wenig blauäugig.

Schule? Was solls. Ein bisschen früher aufstehen. Ein anderer Weg. So schwer kann das doch nicht sein. Ist es auch nicht. Schwierig ist, dass man irgendwie gleich mit zur Schule geht. Wie viele mütterliche und väterliche Kapazitäten sind nun erst einmal mit dem Schulthema blockiert? Einige. Da gibt es Projekte und Ganztagsangebote. Die Schulmaterialien für die verschiedenen Fächer sollte man bitte im Kopf haben und ordentlich packen (damit das Kind nicht getadelt wird, was ja eigentlich mehr ein Elterntadel ist.

„Man Mama, hast Du wieder was vergessen.“
„Ja Schatz, entschuldige, gestern um 22:20 Uhr habe ich doch wirklich das Mathe-Übungsheft vergessen. Wie konnte ich nur…“

Eintragungen im Hausaufgabenheft in der Art: „Bitte an die Ausdrucke der Wintertiere denken oder noch bis zum 15. das Gedicht lernen. Dazu noch ein passendes Bild malen.“
Klar. Alles kein Problem. Nur das 1.Klasse-Kind kann nicht lesen und von allein macht es auch nicht seine Hausaufgaben. Also lesen wir die Aufgaben. Motivieren, unterstützen, bereiten vor, drucken aus, sitzen mit guten Ideen daneben, wenn das Kind eher müde und schlapp an der Tischkante hängt. Ich kann es ihm nicht verdenken. Schule ist echt anstrengend. Finde ich auch. Schließlich sind mit der Schule so viele Elternjobs mit dazu gekommen, dass ich jetzt nicht arbeitende Mütter viel besser verstehen kann. Natürlich male, bastle, falte, lese und sortiere ich wahnsinnig gern, aber wann bitte sollte ich das denn noch lustvoll tun und dem Kind ebenfalls lustvoll vermitteln?
Ich war doch wirklich der irrwitzigen Meinung, dass das Wochenende weiterhin ein Wochenende bleibt. Frei haben, frei sein. Das Leben einfach laufen lassen und schöne Dinge machen. Ok, da ist noch etwas Abwasch, der Staubsauger muss aktiviert und die Wäsche gewaschen werden, aber wenigstens war davor oder danach frei.

Jetzt schauen wir schon leicht verängstigt in das Hausaufgabenheft und hoffen inständig, dass es uns nicht erschlägt. Drei Seiten Deutsch, drei Seiten Mathe. Mit einem „Hans-guck-in-die-Luft-Kind“ kann das ein Nachmittagsfüllendes Programm werden. Dabei will ich gar nicht Lehrer sein. Ich will nicht daneben sitzen und ermahnen, kontrollieren und erklären. Viel lieber würde ich dem Kind einfach nur Zeit geben, Kind zu sein. Da sind die Expertenmeinungen übrigens, die Hausaufgaben für eine überholte, sinnfreie Beschäftigung halten, nicht sonderlich förderlich.

Dürfen auch Eltern nicht mögen und rumnörgeln? Wenn ja, ich tue es, zwar leise und unbemerkt zumeist am Wäscheständer im Keller. Aber hier im Angesicht der frischen Unterhosen sehe ich zumindest ein klares Ziel und einen positiven Effekt. Wäsche frisch, Wäsche ausgeräumt, neue Unterhosen sind für nächste Woche gesichert. Aber die zu-Hause-Übungen? Was bringen sie wirklich?

Ja, wir haben ein stolzes Schulkind und wir sind natürlich auch stolz. Aber die vielen Schulaufgaben, die doch eher Elternaufgaben sind, haben uns ein wenig überrannt. Eigentlich haben wir doch schon einen Job und eigentlich ist der Tag auch schon voll, voller, am vollsten. Wieso muss es denn nun noch mehr werden. Ab wann ist das „mehr“ einfach zu viel?
Das Kind sitzt mit tiefen Augenringen am Samstag auf meinem Schoss und will einfach nur da sein. Tatenlos.

Ich kann es so gut verstehen….

Wie ist es denn bei Euch? Eure/Ihre Sabine Henriette Schwarz


Ein Gedanke zu „Schule als Familienaufgabe

  1. Unser Sohn ist auch im letzten Sommer eingeschult worden und ich empfinde es teilweise ähnlich. Wir haben nicht ganz so viele Hausaufgaben und meist werden die auch schon im Hort gemacht, aber manchmal sind da Einträge im Hausaufgabenheft, die dann irgendwie doch überraschen und fordern und es nervt, denn ja, das Kind will nachmittags und am Wochenende frei haben und nichts tun oder höchstens spielen und nicht an Schule denken. Meist lasse ich ihn auch, mache es entweder selbst oder versuche es dem Kind ganz schnell unterzuschieben. Aber es bleibt anstrengend und wird wohl nicht weniger werden…

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