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Schnuller!? Wann, wie und überhaupt? Teil 1

Kaum ein Thema ist so kontrovers diskutiert. Soll man oder lieber nicht? ExpertInnen betrachten ihn eher kritisch, manche Mediziner halten ihn für unverzichtbar und die Industrie sieht natürlich nur nuckelnde Kinder als glückliche Kinder – schließlich geht es um einen gigantischen Markt, der alle Ausführungen zu bieten hat. Aber was ist denn nun dran an dem helfenden oder schädlichen Nuckel? Was sollten Eltern wissen, wenn wir das Gummiteil einfach mal nicht verteufeln und es als Hilfe nehmen, die verantwortungsvoll eingesetzt eben genau das ist, eine Hilfe….

1. Das Saugbedürfnis

…hier gibt es nicht zu rütteln, Babys haben ein grundsätzliches Saugbedürfnis, das über die Notwendigkeit der Nahrungsaufnahme hinaus. Saugen beruhigt und wirkt schmerzlindernd, hilft beim Einschlafen, tröstet und erleichtert die Aktivierung des Verdauungssystems. Genau deshalb saugen und nuckeln Babys auch gern an ihren eigenen Fingern und Füßen, aber genügt das nicht? Wann ist ein Schnuller sinnvoll?

Das Europäische Institut für Stillen und Laktation empfiehlt:

  • Der Schnuller sollte nicht als erste Beruhigungsmaßnahme für ein unruhiges Baby dienen. Zuwendung, Körperkontakt, Tragen und andere Beruhigungsmöglichkeiten sollen vorrangig verwendet werden. Gestillte Kinder sollen an der Brust nicht nur ihr Nahrungs- sondern auch ihr Saugbedürfnis befriedigen. Eine Begrenzung der Zeit an der Brust, eine Regulierung oder Behinderung des Saugens an der Brust wird nicht empfohlen.

  • Wenn ein Schnuller verwendet wird, sollte er verantwortungsbewusst eingesetzt werden. Eine Nutzung soll dem Prinzip „so wenig wie möglich, so viel wie nötig“ folgen.

  • Nicht-gestillte Kinder sollten zum Einschlafen einen Schnuller erhalten, sofern das Baby ihn gerne akzeptiert. Keinesfalls soll er aufgewungen werden und auch nicht erneut in den Mund gesteckt werden, wenn er herausgefallen ist. Zur Schnuller-Art hat sich die Logopädin Mathilde Furtenbach gemeinsam mit der Universität für Pädiatrie in Innsbruck intensiv auseinandergesetzt und hat folgende Anforderungen definiert…

2. Schnullerempfehlungen:

  • Der Schnuller braucht einen möglichst niedrigen Schnullerschaft.

  • Der Schnullerschaft (= Ansatz am Schild) des Lutschteils muss möglichst Niedrig sein, damit die Schneidezähne nicht am Wachsen gehindert werden = Entstehung des offenen Bisses. Je niedriger der Schnuller-schaft ist, desto besser für das Kind.

  • Der Schnuller braucht ein raumsparendes und angepasstes Lutschteil.

  • Eine möglichst flache querovale Form nimmt der Zunge am wenigsten Raum. Zu enge oder kleine Oberkiefer entstehen meist schon sehr früh (bis zum 18. Lebensmonat), wenn das Lutschteil den Gaumen regelmäßig über viele Stunden füllt und dadurch die Zunge in den Unterkiefer abdrängt. Je weniger Raum der Schnuller einnimmt, desto besser für das Kind.

  • Das Lutschteil muss möglichst flexibel und beweglich sein. Das Lutschteil des Schnullers besetzt den Platz, der der Zunge gehört. Die Zunge ist die Gaumen und Kieferformerin, der Schnuller hindert sie daran. Schnuller aus Latex sind weicher als Schnuller aus Silikon.

  • Je weicher das Lutschteil ist, desto besser für das Kind.

  • Der Schnuller muss möglichst leicht sein. Ein Schnuller, der zu schwer ist, überfordert die Lippen- und Zungenmuskulatur. Eine Kette zum Halten des Schnullers erhöht das Gewicht ebenfalls. Je leichter der Schnuller ist, desto besser für das Kind.

  • Der Schnuller muss nicht mitwachsen, er ist rechtzeitig abzugewöhnen.

  • Der wachsende Freiraum gehört der Zunge für ihre neuen und viel-fältigen Aktivitäten bei der Nahrungsaufnahme und beim Sprechen. Kiefer und Gaumen brauchen keine „Prothese“ zum Wachsen. Je früher der Schnuller abgewöhnt wird, desto besser für das Kind.

3. Schnuller – ab wann und wie?

Bis das Stillen etabliert ist, was normalerweise vier bis sechs Wochen dauert – sollte es keinen Gummi (Flaschensauger, Schnuller, Saug-hütchen) im Mund des Säuglings geben, außer es gibt wichtige medizinische Gründe dafür. Schnuller sollten möglichst vermieden werden, wenn die Mutter beim Stillen zu wenig Milch hat. Hier soll das Saugbedürfnis möglichst nur an der Brust befriedigt werden, um die Milchbildung maximalanzuregen.

Der Schnuller dient dem Saugbedürfnis und der Beruhigung des Kindes. Das weinende Baby hat auch Bedürfnisse: nach Körperkontakt, Berührung, Plaudern, Wickeln, Abwechslung, Nahrung, Getragen werden etc. Diese Bedürfnisse sind nicht einfach nur durch einen Schnuller zu ersetzen. Hier braucht es ein wenig Beobachtung, Vorsicht und Sensibilität.

Tipps für Eltern

  • Manchmal reicht der Finger der Mutter. Das Kind nuckelt dann nur, wenn die Mutter dabei ist..

  • Schnuller nach dem Einschlafen herausnehmen

  • Sprechen ohne Schnuller

  • Fernsehen, Computerspiele ohne Schnuller

  • Spielen, Spazierengehen, Bewegung etc. ohne Schnuller

  • Schnuller nicht herumliegen lassen, sie verführen das Kind

  • Anzahl der Schnuller reduzieren; natürlichen Abgang akzeptieren.

  • Schnuller, am Hals oder an der Kleidung des Kindes befestigt, animieren das Kind.

  • Kauen Kinder am Schnuller, brauchen sie feste Nahrung

(Quelle: Myofunktionelle Therapie KOMPAKT I – PRÄVENTION von M. Furtenbach, I. Adamer, B. Specht -Moser (Hrsg.), Praesens Verlag Wien, 2013 & Myofunktionelle Therapie auch bei Kleinkindern möglich (PDF Download))


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