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Schnuller und die grausame Abgewöhnung Teil 2

Es ist leise – nur ab und zu hört man ein dezentes Schmatzes. Großartig, finden sicher alle Eltern, wenn sich der kleine Mensch auf dem Arm wieder beruhigt, wenn man leise den Atem vernimmt und das Schreien beendet ist – auch dank des geliebten Schnullers. Aber obwohl wenn das kleine Gummiteil, was gerade bei Verlust die Welt, den Tag, die Nacht und scheinbar das Überleben bedeutet, wichtig ist, so sollte es immer erst zweite Wahl sein:

„Zunächst sollte das Kind durch körperliche Nähe getröstet werden…“ sagt Dr. Hermann Scheuerer-Englisch, Diplom-Psychologe und Leiter der Erziehungsberatungsstelle Regensburg. Denn Situationen, die das Baby ohne Schnuller, aber mit viel Eltern-Nähe bewältigt, stärken sein Selbstberuhigungssystem im Gehirn. Und das macht die Entwöhnung des Nuckels ein, zwei Jahre später leichter. Dazu machen sich viele Eltern ihre Gedanken, so wie Jana:

Wir hatten uns zur Schnullerabgewöhnung viele Gedanken gemacht. Schließlich liebte unsere Tochter ihren Nutsch über alles. Gerade beim Einschlafen im eigenen Bettchen war er eine große Hilfe und uns ein liebgewonnener Freund geworden. Zumeist spuckte sie ihn dann wieder aus, aber allein, dass er da war, spendete ihr schon Trost und war Beruhigung. Deshalb taten wir uns auch schwer mit der defintiven Entscheidung, ihn plötzlich verschwinden zu lassen. Erschwerend kam hinzu, dass wir nach zwei Jahren Kind Nummer zwei bekamen, d.h. unsere Tochter hätte ihren geliebten Nutsch abgeben müssen obwohl das Baby ihn durfte… Nach Gesprächen in der Kita und mit dem Arzt sind wir dann überein gekommen, noch zu warten. Es hätte sonst in der Familie und unter den Geschistern sonst zu Neid und Missgunst kommen können, was wir nicht wollten. Die Geschwisterbeziehung sollte nicht durch den Schnuller vorgeprägt sein, ganz nach dem Motto: Du darfst und ich nicht – das ist gemein und ungerecht.

Deshalb war unsere Tochter dann drei als der große Moment gekommen war. Wir hatten sie bereits Monate zuvor darauf aufmerksam gemacht, dass – in unserem Fall – der Weihnachtsmann den Nutsch mitnehmen muss, damit andere Kinder, die ihn dringend brauchten, auch wieder einen bekommen konnten. Und so fuhren wir in den Weihnachtsurlaub – mit Geschenken und Bedenken im Gepäck. Zum Glück gab es vor dem Ferienhaus eine Wäscheleine und nach einem Tschüß lieber Nutsch wurde er mit Schleife an diese gestgeklammert und wir brauchen zu einem Ausflug auf. Welch`Überraschung als bei der Heimkehr statt Nutsch eine Tüte mit Flugzeug als kleines Dankeschön aufgehangen war…. Dennoch der Abend war nicht besonders friedlich. Unsere Tochter weinte und jammerte, wünschte sich sehnlichst ihren Nutsch und wollte gern alle Geschenke wieder abgeben, sozusagen im Austausch. Aber mit lesen, streicheln und im Arm halten kam sie darüber hinweg. Insgesamt dauerte es drei Tage, dann war das geliebte Teil vergessen und das Einschlafen wieder so möglich – schließlich gibt es ja noch Kuscheldecken und Kuscheltiere (da waren dann aber besonders wichtig).

D.h. Schnuller spätestens im dritten Lebensjahr entwöhnen

Ab zweieinhalb sollten Eltern sich das Schnullerthema genauer ansehen – schließlich ist Schnuller und Kindergartenkind keine gute Kombination – von der sprachlichen Entwicklung ganz zu schweigen. Vorsichtig sollten die Eltern dann beobachten, was der Schnuller für das Kind bedeutet? Kann man Alternativen bieten? Welche Gefühle verbindet es mit dem Nuckeln? In welchen Situationen ist der Schnuller anscheinend unverzichtbar? Wichtig, wie bei Jana, ist eine Vorbereitung des Kindes auf den nahenden Abschied und dieser sollte in kleinen Schritten erfolgen. D.h. im ersten Schritt keinen Schnuller mehr am Tag, dann keinen Schnuller mehr beim Mittagsschlaf und erst zum Schluss kann man dann auch ohne Schnuller ins Bett. Mehr ist zuviel und würde das Kind überfordern. Je einfühlsamer man vorgeht, umso größer sind die Chancen.

Wichtig: nicht umkippen und dem Betteln und Bitten nachgeben. Hat sich Papa, Oma, Tante erst einmal „weich klopfen“ lassen und hat am Tag doch das heißgeliebte Teil aus dem Schrank geholt, wird es für alle Beteiligten doppelt schwer. Die Regeln müssen eindeutig und für alle verbindlich sein!


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