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Kolumnen

Röchel, Schnief und Stöhn

 

Ich liebe es. Da ist man im Herbst geradeso noch erfolgreich ausgewichen und allen Bakterien und Viren entflohen, um sich dann freudig in die Adventszeit zu stürzen, und nun ist es doch da. Dieses Röcheln und Schnaufen, der Kopf ist schwer wie eine dicke Bowlingkugel und fühlt sich manchmal auch ebenso löchrig an. Der Hals zieht sich zusammen und der wunderbare Schluckmechanismus arbeitet derart auf Hochtouren, dass man ihn liebend gern k.o. schlagen würde. Von den nächtlichen Husten-Schüttel-Schleimattacken wollen wir gar nicht reden, da es dann doch zu unappetitlich wird.

Aber ja, ich kann es nicht leugnen. Uns hat eine Woge der grippalen Infektion erfasst und ich habe das Gefühl, wir stecken in einem schwer zu durchdringenden Kreislauf. Mann, kleines Kind, großes Kind, Mama. Mama, Mann, großes Kind, kleines Kind. Dabei schlafen wir Eltern sogar schon getrennt, um die nächtlichen Auswürfe schön bei uns zu belassen. Dennoch, seit zwei Wochen wird zu Hause gekränkelt, und ich sehne mich nach einem Ende von Hustensaft und Eukalyptusbonbons. Auch die eigentlich ganz leckere heiße Zitrone ist als Hauptbestandteil des abendlichen Vergnügens nach einer gewissen Zeit nicht mehr so appetitlich. Ähnlich verhält es sich mit dem intensiven Kiefernadel- und Melissenduft, der nach einem Erkältungsbad alle Zimmer einhüllt und wenig Assoziationen mit Frühling, Freiheit, Frische und Jugendlichkeit zulässt. Honig und Salbei haben wir inzwischen auch in Metro-ähnlichen Größen verputzt und ich ertappe mich bei schwärmerischen Gedanken an Crème brûlée und Rinderfilet. Wenn ich es doch nur schmecken könnte… Tatsächlich aber haben sich die kleinen Geschmacksknospen ebenso wie das Riechorgan gegen mich verschworen. Und wenn es nicht penetrant nach Pfeffi, Eukalyptus oder Salbei riecht, kommt leider nix bei mir an. Ich schmecke und rieche lediglich Nasensekret ohne jede Würze. Nicht einmal ein schokoladiger Glückshormonschub ist möglich. Wie soll man da also freudig und optimistisch an Genesung denken?

Deshalb sei es hier einmal ausdrücklich gesagt: Krank zu sein ist nicht schön. Gar nicht! Es ist schrecklich, etwas machen zu wollen und dann doch nur matsch in der Ecke zu liegen. Wenn ich den Geschirrspüler eingeräumt habe, sind alle Energien mit Bücken und Aufrichten draufgegangen. Wenn ich sauge, schwitze ich wie nach einem Saunaaufguss. Mir ist kalt obwohl die Heizung volle Pulle läuft und der Hund mit heraushängender Zunge sehnsuchtsvoll ins kalte Draußen will. Die Augenlieder scheinen wie eine dicke Markise über den Augen zu hängen und lassen nur wenig Licht hinein – besser so, zu viel Licht tut weh. Was für ein Jammertal.

Na wenigstens sind die Mäuse wieder fit. Sie glucksen und singen, springen und quietschen. Dafür, dass sie mit dem miserablen Zustand ihrer Eltern gerade nicht kompatibel sind, können sie ja nix. So sehnen wir uns nach einem Bett und Ruhe, sie aber wollen Spielen und Spaß und Kuscheln. Verständlich, das kindliche Verständnis hält sich noch sehr in Grenzen, und egal wie sehr wir husten und schnaufen und niesen und röcheln, sie haben uns lieb (Eigentlich schön, dass man so geliebt wird, selbst wenn man so kacke aussieht. Irgendwie beruhigend.)

Allerdings stellte mein großes Kind von einem Meter zwanzig dann heute früh im Bad doch fest:

Mami, als das Licht noch aus war, hast du viel hübscher ausgesehen. Ich glaube, du brauchst heute viel Zeug aus deiner Tasche.

Sie meint die mütterliche Kosmetiktasche mit Make up, Puder und Rouge)

Danke, mein Schatz. Ich mag ehrliche Menschen.

In diesem Sinne, auch diese Erkältungsfront hat bestimmt bald ein Ende.

Eure/Ihre Sabine Henriette Schwarz


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