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Paarweise – Konflikte lösen lernen

Letzte Woche ging es um die Mutter, die heute außen vor bleibt. Denn jetzt betrachten wir den Partner, die Partnerin – selbst auserwählt und nach der ersten Verliebtheit als gut befunden. Dennoch: wer lange beisammen ist, muss auch miteinander Konflikte lösen. Nur, wenn man Probleme gemeinsam meistert und eine Lösung findet, kann eine stabile Beziehung gelingen. Hört sich klar und logisch an, ist aber im turbulenten Alltag, wo man sich manchmal nur im Vorbeigehen begegnet, wo Kinder sind und vielleicht Ärger im Job die Stimmung drückt, wo man gestresst und müde ist, gar nicht einfach. Manchmal fehlt einfach Zeit und Raum.

Paarbeziehungen zwischen zwei Menschen, die sehr ähnlich ticken, haben den Vorteil, dass Ziele und Werte, Einstellungen und Meinungen nicht so weit auseinander liegen. Denn oftmals streitet man sich wegen dem Haushalt oder der Betreuung und Erziehung der Kinder. Oftmals entstehen dabei aus banal anmutenden Anlässen grundsätzliche Konflikte. US-Psychologe John Gottman beobachtete Paare und ihre Streitigkeiten. Sein Ergebnis: Nur selten gelingt es dem Paar in andauernden Streitereien konstruktive Lösungen zu finden. Der Versuch, in langwieriger Beziehungsarbeit grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten aufzulösen, ist meist zum Scheitern verurteilt. Die Meinungen sind verfestigt.

Der Streit an sich ist dabei nicht problematisch, auch mit verschiedenen Einstellungen kann man gut auskommen, wenn man RICHTIG streitet. Entscheidend für die Qualität und den Fortbestand einer Partnerschaft sei nicht das Ergebnis einer Auseinandersetzung, so Gottman, sondern die Art und Weise, wie diese ausgetragen werde.

 

Welches Verhalten wirkt sich besonders negativ auf die Beziehung aus?

  • Unsachliche Kritik. D.h. es gibt generelle Vorwürfe in der Form „Nie räumst du die Küche auf, immer muss ich alles machen“ statt „Die Küche ist nicht aufgeräumt, das stört mich. Warum hast du das nicht erledigt?“.
  • Rechtfertigung. Auf kritische Anmerkungen reagieren die Partner nur mit Verteidigung – auf Angriffe folgen Gegenangriffe und schon ist man in einer Spirale gefangen.
  • Verachtung. Eine Partnerschaft sollte durch gegenseitigen Respekt gekennzeichnet sein. Wenn man dem Partner jedoch offen zeigt, dass man ihn gering schätzt, ihn abwertet oder mit Sarkasmus oder Demütigungen straft, hilft das keinesfalls.
  • Mauern. Ein Partner beteiligt sich offensichtlich nicht mehr am Gespräch, er geht einfach oder verweigert sich durch Weghören und andere Beschäftigungen, die ihn fesseln.

In stabilen Beziehungen wird versucht, dieses Verhalten zu vermeiden. Miteinander reden als Zauberformel der Liebe. Und im Streit entwerten sie einander nicht. Stattdessen signalisieren sie dem Gegenüber (oft noch während der Auseinandersetzung) Nähe: durch Umarmungen, durch die Betätigung, das Problem verstanden zu haben oder durch humorvolle, die Situation entschärfende Feststellungen.

Für Gottman sind solche Verhaltensweisen wesentlich, damit man langfristig miteinander gut leben und streiten kann. Er ging sogar noch einen Schritt weiter und hat eine Formel im Umgang mit Konflikten entwickelt > die Gottman-Konstante.

Gottmann-Konstante = 5 positive Erlebnisse für 1 Kränkung/Verletzung

D.h. der Faktor 5:1 ist ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg, denn man braucht 5 mal mehr positive als negative Kommunikation. Aber wieso?

Wenn man den Partner angeht und kritisiert, ist dies ein Angriff auf die gemeinsame Beziehung. Jede Anklage, Beschwerde, Kritik, jede verbale und/oder non-verbale Zurechtweisung wird vom Partner/der Partnerin gespeichert. Um dies – im Sinne der Beziehung – wieder „gut zu machen“ werden 5 mal so viel positive Zeichen / Taten / Dinge benötigt wie an „negativer Energie“, die noch im Raum vorhanden ist.

Warum ist das wichtig? Wenn der Partner/die Partnerin sich kritisiert / gedemütigt / gemaßregelt fühlt, oder  wenn Sie sich streiten, ist jedes Wort, das man ausspricht, um einander zu „maßregeln“, um „Recht zu haben“, Gift für die Beziehung.

Und eine Entschuldigung, die meist schon schwer genug fällt, reicht hier nicht aus. Gleich 5 mal was positives zu sagen, ist ein sehr hoher Aufwand. Und dennoch notwendig.


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