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Kolumnen

Von Paaren, Eltern und Singles oder Mut und Wehmut

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Wenn man des Nachts von lieblichen kleinen Stimmchen wach wird, ist das – ich gebe es zu – mitunter so ein kleiner, erinnerungsträchtiger Gedanke an das wilde Singleleben mit Feierabendevents, Ausstellungseröffnungen, Partys in dunklen, verrauchten Kellern und engen Küchen, an Last Minute Wochenendtrips und Wellnessausflüge.

Aber…. eigentlich ist das Humbug. Schwindel.

In einem aufrichtigen Moment lässt es sich nicht leugnen.

So schön es in der ersten Sekunde der Überlegung auch scheint, so unehrlich ist es auch. Denn die fröhlichen, freien, stürmischen Zeiten enden früher oder später. Und nein, die Einsamkeit ruht nicht mitten im Meer. Die Wissenschaftler, die einst in der Karasee nördlich von Sibirien ein winziges, unbewohntes, ödes und schneebedecktes Eiland so nannten, dass mit seinen andauernden Temperaturen von minus sechzehn Grad Celsius Trostlosigkeit demonstrierte, haben sich geirrt. Die Einsamkeit ist unter uns, ganz nah – trotz oder gerade wegen den Menschenansammlungen, die einen umgeben. Das Gefühl von Wehmut und Verzagtheit setzt wie ein eisiger Luftzug ein. Immer die gleiche Leier. Scheinbar ähnliche Typen, die einen beim Kaffee, an der Bar, vor der Galerie oder im Foyer des Kinos langweilen. Dabei hofft man doch. Immer wieder. Der Traum von der anderen Hälfte des Ichs, die einen vollkommen macht.  Da sind mit zunehmendem Alter immer mehr Freunde, die sich trauen, die Kinder zeugen, die sich miteinander freuen. Man selbst gehört nicht mehr dazu. Beim Thema Eltern-sein kann man nichts beitragen. Wie denn auch? Selbst die Liebe ist ein großes, ungelöstes Rätsel, das sich einem am kalten, zugigen Morgen auf dem Weg ins eigene Bett stellt.

Paar am FlussScheinbar Liebende gibt es zu Hauf. Immer, wenn man etwas nicht hat und es herbeisehnt, fällt es besonders auf. Man stolpert förmlich über die küssend Verschmelzenden in Häuserecken. Man sitzt kontinuierlich neben geheimnisvoll flüsterndem Paaren, die sich tief in die Augen blicken. Andächtig schleicht man im Park um die aufeinander und nebeneinander liegenden Körper herum, die die Sonne und sich genießen. Und selbst in der Straßenbahn sitzen seelig lächelnde Schwangere oder Mütter mit klitzekleinen Menschenkindern, die in einem das Gefühl von „eigentlich würde ich ja auch wollen, aber…“ wecken.

Nein, wenn man ehrlich zu sich selbst ist, hat das Singleleben an einem bestimmten Punkt seinen Glanz, das Geheimnis und den Genuss der Freiheit verloren. Man ist es nicht mehr aus Selbstbestimmtheit und Überzeugung. Man ist es, weil es einfach noch nicht gepasst hat (und weil man nicht den letzten Vollidioten haben will). Da hilft es wenig, dass die Auswahl groß ist und die Partnerbörsen versprechen, den optimalen, besten Anderen zu finden. 16,42 Millionen Einzelhaushalte gibt es aktuell in Deutschland. Nur zehn Prozent sind „überzeugte Singles“ und glücklich damit. Klar weiß man, dass die Liebe kein Märchen ist, dass die Suche nach „seinem“ Menschen nicht einfach ist, aber… dass es so schwer ist? Irgendwann ist man es leid. Keine Suche mehr. Kein „Aufbrezeln“. Keine ominösen Dates. Keine Nieten mehr (und davon gibt es verdammt viele. Manche können es auf den ersten Blick nur sehr gut verbergen.)

Genau daran denke ich, wenn sich so ein verklärtes „Damals-Bild“ aufdrängen will. So prima war es dann nämlich doch nicht. Und man sollte glücklich sein, wenn es andere Menschen – große und kleine – im eigenen Leben gibt. Klar gibt es Reibereien und oft genug kann man sich wegen dem hundertachtzigsten Zwischenfall die Haare raufen, aber…. wir haben einander. Wir können die Freude und die Erschöpfung, den Enthusiasmus und den Kummer teilen. Wir waren mutig genug, aus einsam zweisam zu machen. Mitunter war man irgendwann auch zu dritt oder viert? Ein kleiner Mensch entstand, der einen manchmal wahnsinnig macht, aber auch für wahnsinnig viel Liebe sorgt. Liebe, die bleibt (auch wenn sich die Zweisamkeit unerwartet auf die Strümpfe machen sollte.)

In diesem Sinne, seid nett zueinander.

Eure/Ihre Sabine Henriette Schwarz


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