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Kolumnen

…nie ist man richtig

 

Mama, wann kann ich auch Schuhe mit hohen Hacken anziehen? Mami stimmts, wenn ich ein Schulkind bin, bekomme ich auch ein Handy. Mami, die Sarah ist nur ein halbes Jahr älter als ich und hat einen Fernseher im Zimmer, wann hab ich denn einen?

Oder, in der etwas fordernden Variante:

Ich bin schon groß genug, ich kann das schon allein entscheiden.

Oder:

Ich bin schon groß, ich kann das alles ganz alleine.

Kurze Zeit später vernimmt man entweder herzzerreißendes Schluchzen, was etwas Trost und liebevollen Zuspruch nötig hat oder die Enttäuschung ist so groß, dass die Stifte einmal quer durchs Zimmer fliegen. In diesem Fall sollte man das Kind einfach einige Zeit wüten lassen und abwarten bis etwas Ruhe eingekehrt ist, um dann eventuell, möglicherweise hilfreich zu Seite zu stehen. Welche Phase gerade dran ist, kann man schwer vorhersehen. Mitunter wechseln sich das Groß oder Klein sein wollen auch von einer Minute zur nächsten und die Stimmung ist so unbeständig wie das schlimmste Aprilwetter. Alles ist möglich, was eine gewisse Flexibilität auf Elternseite erfordert.

In der Tat, es ist nicht einfach. Für ihre eigenen Wünsche sind die Kids nie gerade recht und liebend gern wären sie entweder selbst Mama und Papa oder ein großes Schulkind, um schon am nächsten Tag oder in der folgenden Minute auch gern wieder Baby zu sein. Da kommt man als Eltern manchmal kaum hinterher und im Normalfall spielen wir einfach im Rahmen der Möglichkeiten und des Nervenkostüms mit. Schließlich war erst Fasching. Da war das Kind eine Woche lang Pferd und wieherte durch die ganze Wohnung, um dann bei einem „“ oder Schnalzen loszurennen und bei einem „Ho“ an der Straße stehen zu bleiben. Und in der Woche drauf war die Pferde-Phase schon vorüber und man hatte sich für einen hübschen Dizzy-Hubschrauber entschieden (an dieser Stelle ein großer Dank dem Sandmann, der immer wieder dazu animiert, jemand anders sein zu wollen). Dizzy musste natürlich auch mit Fliegersprache durch den Tag begleitet werden, was dem Herzallerliebsten eindeutig leichter fiel als mir. Schließlich habe ich keine Pilotenausbildung und auch sonst halte ich solch Flugzeugträumereien eher für Männerzeugs, aber seis drum: „Dizzy, Anziehmodus. Dizzy Start frei für die Kita.

Heute früh beispielsweise, kam unsere kleine, große Zweijährige ins Bad nachdem in der letzten Woche die Babylein-Phase eingesetzt hat. Was das ist? Nun, ganz einfach. Sie ist wieder ein Babylein – Achtung: nicht einfach ein Baby, sie möchte auch gern als Babylein angesprochen werden. Sie hätte gern wieder ein schönes Fläschchen mit warmer Milch und idealerweise sollte man sie im Liegen anziehen. Am besten, man holt noch eine alte Klapper hervor und macht zwischendurch am Bauch ein wenig Dutzidu. Dann gluckst sie und gibt freudig strampelnd Babygeräusche von sich (oder das, was sie für Babygeräusche hält.)

Doch heute musste man mal groß sein, denn Babys dürfen nicht ins Kino. Sie bleiben fein artig liegend zu Hause, trinken ihre Milch und können auf keinen Fall einen Film sehen. Schwupps die wupps, hatte es sich mit dem Babylein. Nur große Kinder dürfen mit. Hinweis von meiner großen Tochter. „Wenn man groß ist, hat man Brüste.“ Und damit nahm ein Missverständnis seinen Lauf. Ich: „Ja, aber das dauert noch ein wenig. Auch ohne Brüste darf man schon ins Kino. Man muss nur groß sein.“ Das kleine Kind zeigt mir seine nackten Füße und meint: „Mami, ich bin schon groß. Ich habe große Füße, einen großen Kopf und einen großen Bauch.“ „Super“ sage ich „dann passt es ja.“ Das ehemalige Pferde-Dizzy-Babylein kuschelt sich darauf an mich, reist das T-Shirt herunter, um noch einmal genau nachzuschauen und meint ganz lieb: „Mami, tut mir so leid. Du passt nicht. Nur ohne Brust darf man ins Kino. Du musst zu Hause bleiben, nur der Papi darf mit.

Ahja, vielen Dank. Dann bin ich für heute raus aus der Nummer.

Ihre/Eure Sabine Henriette Schwarz

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