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Familie und Leben

Neues Recht für Alle – Adoption – Teil 3

Familie hat sich in den letzten 40 Jahren gravierend verändert. Das Adoptionsrecht aber nicht. Deshalb ist es dringend notwendig, neu zu definieren, was dem Kindeswohl bei einer Adoption zuträglich ist und auch, wann und wie Eltern Eltern sein dürfen. Das Expertise- und Forschungszentrum Adoption (EFZA) hat für eine Reform des Adoptionswesens folgende Punkte vorbereitet:

  • 01Bessere Begleitung und Betreuung vor, während und nach der Adoption für alle Beteiligten Eine Adoption bleibt für die erkunftseltern, Adoptiveltern und die Kinder selbst ein Thema, mit dem sie sich ein Leben lang auseinander setzen. Eine gute und fundierte Beratung und Begleitung ist daher für das Gelingen einer Adoption eine wichtige Voraussetzung. Damit die Fachkräfte den komplexen Anforderungen gerecht werden können, bedarf es entsprechender finanzieller und personeller Ressourcen sowie einer stärkeren Verankerung der Nachbetreuung im Adoptionsvermittlungsgesetz. Durch einheitliche und verbindliche Standards sollen die Anforderungen an die Bewerberpaare wie auch die Unterstützungsangebote für die Familien überall vergleichbar ausgestaltet werden. Das soll auch dazu dienen, dass nur das Kindeswohl Maßstab für die Entscheidung der Fachkräfte sein darf, damit ein gutes Aufwachsen der betroffenen Kinder ermöglicht wird. Alter allein oder sexuelle Orientierung der Bewerberpaare sind nicht Maßstab und dürfen weder zu Bevorzugung noch zu Benachteiligung führen
  • 02Offenheit von Adoptionen durch Kontaktvereinbarungen zwischen leiblichen Eltern und Adoptivfamilie fördern In der Praxis findet bereits statt, was sich im Gesetz bisher nicht abbildet: Adoptionen öffnen sich. Auch zahlreiche Studien bestätigen, dass Kontakte bzw. der Austausch von Informationen zwischen Adoptivfamilie und Herkunftsfamilie förderlich für die stabile Persönlichkeitsentwicklung des Kindes sein können. Offene Adoptionsformen sollen daher, soweit sie dem indeswohl dienen, gefördert werden. Das kann ggf. dazu beitragen, dass für Eltern, deren Kind in langfristigen Pflegeverhältnissen ohne Rückkehroption lebt, eine Adoption eher in Betracht kommt, weil Kontaktmöglichkeiten und Informationsaustausch gewährleistet werden. Gleiches kann für Stiefkindadoptionen gelten, weil durch offene Adoptionsformen Kontakte und Beziehungen des Kindes zu seinem leiblichen Elternteil erhalten werden können.
  • 03Stiefkindadoptionen stärker am Kindeswohl ausrichten. In Deutschland stellen Stiefkindadoptionen die größte Gruppe von Adoptionen dar. Mitunter liegen Stiefkindadoptionen nicht kindeswohldienliche Motive zu Grunde. Es kommt daher darauf an, Stiefkindadoptionen auf Fälle zu begrenzen, in denen die Adoption dem Kindeswohl sicher dient. Um dies zu erreichen, müssen die Bedürfnisse des Kindes stärker in den Blick genommen und alle Beteiligten dafür frühzeitig sensibilisiert werden. Es soll geprüft werden, ob nicht stärkere Befugnisse des Stiefelternteils, die das Sorgerecht des Kindes betreffen, im Einzelfall eine Alternative zur Adoption darstellen können.
  • 04Gleiche Chancen für gleichgeschlechtliche Paare bei der Adoption. Die Forschung zu Kindern, die bei gleichgeschlechtlichen Paaren aufwachsen, hat ergeben, dass sie sich ebenso gut entwickeln wie Kinder, die mit einem gemischtgeschlechtlichen Elternpaar aufwachsen. Ab Inkrafttreten des Gesetzes zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts gilt für gleich-geschlechtliche Ehepaare wie für alle anderen Ehepaare, dass sie ein Kind nur gemeinsam adoptieren können. Die Einführung von Standards für die Adoptionsvermittlungspraxis soll gewährleisten, dass auch für gleichgeschlechtliche Bewerberpaare allein das Kindeswohl Richtschnur für die Entscheidung der Fachkräfte sein darf.
  • 05Strukturen der Auslandsadoption stärken und transparent gestalten Bei sinkenden Zahlen der Auslandsadoptionen und zugleich multiplen, oft unübersichtlichen Zuständigkeiten geht es darum, die Transparenz zu erhöhen, zentrale Anlaufstellen zu schaffen und gebündelt Informationen bereitstellen. Lösungen zur finanziellen Unterstützung der Freien Träger der Auslandsadoptionsvermittlung sind zu entwickeln.
  • 06Unbegleitete Adoptionen aus dem Ausland verhindern Unbegleitete Adoptionen aus dem Ausland sind mit erheblichen Risiken verbunden, die ein Scheitern der Adoption begünstigen können. Ein Verbot unbegleiteter Adoptionen soll helfen, diese Adoptionen zu verhindern. Wenn dennoch Schritte zur Adoption eingeleitet wurden, muss gewährleistet werden, dass nicht das Kind als schwächstes Glied in der Kette Leidtragender eines solchen Verbots ist. Vor diesem Hintergrund besteht noch Prüfbedarf hinsichtlich eines Verbots und daraus resultierender Rechtsfolgen, um adäquate Lösungen zu finden.
  • 07Möglichkeit der Adoptionsoption von Kindern in Pflegeverhältnissen verstärkt prüfen Adoptionen aus Pflegeverhältnissen sind in Deutschland im internationalen Vergleich eher selten, obwohl die
    Prüfung der Option der Adoption bei Pflegeverhältnissen bei der Hilfeplanung ausdrücklich gesetzlich vorgesehen ist. Um die Gründe hierfür benennen zu können und konkrete Handlungsempfehlungen ableiten zu können, besteht noch weiterer Expertisebedarf, insbesondere zur besseren Verzahnung der Arbeit von Pflegekinderdiensten und Adoptionsvermittlungsstellen. Unabhängig davon kann die bei Förderung offener Adoptionen vorhandene Perspektive, den Kontakt mit dem Kind zu halten, dazu beitragen, dass Eltern in Fällen, in denen eine Rückkehr des Kindes in die Herkunftsfamilie nicht in Betracht kommt und die Adoption dem Kindeswohl am besten dient , eher bereit sind, in eine Adoption einzuwilligen.

 
(Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)


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