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Spezialthema

Nackig – Nackt – Unbekleidet

Nackt oder angezogen?

An dieser Frage scheiden sich die Geister. Manche sagen, na klar, Kinder sollen nackig sein. Das ist das natürlichste der Welt. Kinder sollten die Freiheit haben, jenseits von Scham und anderen gesellschaftlichen Zwängen als Nackedei herumzutollen. Kommt alles noch früh genug. Für die anderen Eltern ist aber genauso klar: Auf gar keinen Fall! Denn jeder Smartphonebesitzer kann potentiell gefährlich werden und wer weiß schon, wer im Park, im Freibad, am See oder hinter dem heimischen Gartenzaun lauert. Viele Eltern haben Angst vor den Nackedei-Fotos ihrer Kinder und vor dem, was Facebook und Internet daraus machen könnte – Vorlagen für eckelige Fantasien zum Beispiel von potentiellen Pädophilen.

Eindeutig ein Grund, warum in diesem Sommer (und nicht nur in diesem) viel mehr Bikini – und Badeanzug Kleinkinder am Strand zu finden sind. Zweijährige mit Elsa und Rüschen und Mini-Brustteilen, wo einfach nur ein kleiner Hauch von Brustwarze wohnt. Nur nackt geht offensichtlich nicht mehr.

Die elterliche Sorge ist gewachsen und wird sukzessive genährt von Schauergeschichten. Dabei ist zumindest kurz zu bedenken, die meisten Missbräuche von Kindern finden nicht im Freibad, sondern im engeren Freundes-, Bekannten- und Familienkreis statt. Umso dramatischer, da es sich hier um Menschen handelt, denen der kleine Mensch und seine Eltern ihr Vertrauen geschenkt haben. Aber das ist scheinbar in seinem Ausmaß so schrecklich, dass es keiner hören will.

Aber: Spanner gibt es nicht erst heute. Die gab es schon immer. Das ist nicht schön, aber Realität. Dennoch kann man mit diesem Wissen nicht alle Erwachsenen unter Generalverdacht stellen und allen Kindern das Nacktsein verbieten. Zudem ist zu hinterfragen, was sexualisiert denn? (wenn man mit dem Begriff hantieren will) Komplette, natürliche Kinder oder ev. auch Kinder, die eher in Erwachsenen gerechte Bikinis mit Rüschen und Raffungen gesteckt werden und schnell den Ruf der kleinen Lolitas gerecht werden?

Sexualisierung = die Betrachtung eines Objektes unter sexuellen Gesichtspunkten
Lolita = eine minderjährige weibliche Person, die ihre sexuellen Reize zur Schau stellt (auch unfreiwillig und unbeabsichtigt).

Nackt in der Kita
– es war einmal in Duisburg, 2008, wo Kinder monatelang unbekleidet spielen konnten. Bis eins von ihnen zu Hause davon erzählte. Dann boykottieren Eltern die Einrichtung und das gesamte Personal wurde ausgewechselt. Der Grund, die Kinder, die nackt sein wollten, durften das in einem extra Raum. Bedauerlicherweise wurden nicht alle Eltern darüber informiert….

Nackte Kinder? Eine kleine Umfrage:
„So was gibt’s bei uns nicht, dass Kinder nackig rumlaufen. Auf die Idee wären wir nicht gekommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es so was in einer städtischen Einrichtung geben würde. Wenn die Kinder zum Turnen gehen oder sich mittags schlafen legen, ziehen sie sich kurz um. Aber keiner hat je den Wunsch geäußert, sich ganz auszuziehen.”
Rotraud Meyer, Leiterin der städtischen KiTa Joachimstraße in Dorsten

„Ich bin dagegen, dass die Kinder nackt herumlaufen. Das ist nicht gut, die bekommen auch so schon viel zu viel durch das Fernsehen mit. Mein Enkel hat auch schon mal so Sachen erzählt, die er von anderen Kindern gehört hat. Die Kinder können doch wenigstens eine Unterhose oder Sportsachen tragen. Man kann sie auch anders beschäftigen.”
Katharina Bortnikov aus Duisburg, Oma eines fünfjährigen Jungen

„Also, wenn die Kinder nackt sind, dann nach Geschlechtern getrennt. Jungen und Mädchen könnten ja in unterschiedlichen Räumen nackt sein oder zu unterschiedlichen Zeiten.”
Irina Mitkin aus Duisburg, Mutter eines vierjährigen Jungen

„Das Thema Sexualaufklärung gehört zum Erziehungsauftrag ganz klar dazu.“ Es sei prinzipiell gut, wenn Kinder einen Ort hätten, an dem sie ihren eigenen Körper kennenlernen könnten – nur müsse das stets in enger Abstimmung mit den Eltern stattfinden. „In den 70er-Jahren war Nacktheit auch im Kindergarten überhaupt kein Thema“, erinnert Güthoff, „da gehörte das schlicht dazu.“
Friedhelm Güthoff, Geschäftsführer des Kinderschutzbundes NRW

 

Wie Gott uns schuf“ – Kindern sollten lernen, dass nackt natürlich ist… meint die australische Bloggerin Constance Hall, die einen Facebook-Post geschrieben, hat, mit dem sie offensichtlich eine heiße Diskussion entfacht hat. D.h. nicht nur nackte Kinder auch nackte Eltern.


Die dreifache Mutter aus Perth plädiert dafür, dass Eltern sich ihren Kindern zu Hause auch nackt zeigen sollen.
“Ich will nicht, dass die Erwartungen meiner Jungs sich daran orientieren, was sie in Zeitschriften oder im TV sehen, und ich möchte nicht, dass meine Mädchen diese Erwartungen an sich selbst haben“, schreibt sie. „Mithilfe von Königinnen, die sich selbst lieben, wird sich die Definition von Schönheit in den kommenden Generationen radikal ändern, und wir werden nicht mehr die unrealistische, retuschierte Vorstellung von Perfektion verehren, die so viele Selbstzweifel und Depressionen verursachen. Wenn du Dehnungsstreifen, eine haarige Muschi, hängende Brüste, einen flachen Hintern, Lachfalten, einen schlabberigen Bauch, Cellulite, winzige Brüste oder irgendein anderes ECHTES Frauenmerkmal hast, muss die Welt mit deinem Bild geflutet werden.“

Auch Torben Chris, Comedian aus Dänemark, erfuhr, welche Wellen Nacktheit schlagen kann. Er veröffentlichte ein Foto von sich mit seiner zweijährigen Tochter in der Badewanne.

twitter-torben-chris

„Hört mir zu: Kinder und Erwachsene können zusammen nackt sein. Es ist nichts Falsches daran, wenn ein Vater die Genitalien seiner Tochter wäscht, wenn sie ein Kind ist. Es ist eher ekelhaft, wenn man es nicht tut und unfair, wenn es nur die Mutter tut. Wenn wir es nicht aushalten, uns nackt zu sehen, dann wären wir mit Kleidung geboren worden. (…) Nacktheit mit deinem Kind ist nicht ekelhaft, sondern natürlich. Ein Vater im Bad mit seiner Tochter – das ist keine Pädophilie, sondern Spaß.“.

Tatsächlich erregte das Foto die Gemüter, es wurde über 2000 Mal kommentiert. Manche fanden das Bild einfach ganz normal – andere waren empört. Torben Chris sieht nicht ein, dass sich Väter Pädophilie-Vorwürfe gefallen lassen müssen, die einfach nur natürlich mit ihren Kindern umgehen, mit ihnen baden odern gemeinsam pullern gehen.

Und was sagen die Experten?
Kinderpsychologen weisen darauf hin, dass Eltern sensibel für das Schamgefühl ihrer Kinder bleiben sollten. Ein guter Indikator ist, wie die Kinder sich selbst verhalten. Möchten sie nicht von den Eltern nackt gesehen werden, möchten sie auch die Eltern nicht mehr nackt sehen. Kleinkinder haben ein ganz natürliches Verhältnis zu ihrem Körper Nackt sein, nackt baden, nackt spielen ist etwas Schönes und fühlt sich gut an. Das sollte durch elterliche Reglementierungen nicht unerwünscht oder gar verboten sein. Automatisch ändert sich mit den Jahren die körperliche Wahrnehmung und damit der Wunsch, spätestens in der Pubertät, auf lieber „bedeckt zu sein“.

 

Ein Ausflug am Rande – warum Lolita Lolita heißt? Wieso nennt man aufgehübschte Kinder und fraulich drapierte Jugendliche so? Eine kleine literarische Erkundung….

„Sie war Lo, schlicht Lo, am Morgen, ein Meter siebenundvierzig auf einem Strumpf stehend. Sie war Lola in Hosen, Dolly in der Schule; bürgerlich Dolores. Aber in meinen Armen war sie immer Lolita.“
Mit so hymnisch-banalen Sätzen beginnen die Bekenntnisse eines Mannes namens Humbert Humbert – so beginnt der Roman „Lolita“ von Vladimir Nabokov*. In den Vereinigten Staaten ist das Buch seit August 1958 auf der Bestseller-Liste. Aber nicht alle sind damit glücklich. Harter Tobak eben. Der Bürgermeister des Städtchens Lolita in Texas hat deshalb den Antrag gestellt, den Namen des Ortes zu ändern, der durch den Buchtitel diffamiert worden sei. In Frankreich, wo „Lolita“ in der englischen Originalfassung zum erstenmal gedruckt worden ist, war „Lolita“ dreimal verboten.
„Lolita“ schildert die Liebesaffäre zwischen dem zu Beginn der Erzählung siebenunddreißigjährigen Humbert Humbert und seiner fünfundzwanzig Jahre jüngeren Stieftochter. Romanheld Humbert erklärt, ihm sei kein widerlicheres Pseudonym eingefallen; er variiert das dumpfe Wort auch zu Humbug, Humbird, Humburger, Hamburg oder Homberg. Er macht sich nichts aus Mädchen, die schon ein Alter erreicht haben, in denen das Gesetz ihnen zwar noch nicht das Heiraten, die öffentliche Moral aber schon Liebesbeziehungen – in Grenzen natürlich – erlaubt. Noch weniger macht er sich aus Frauen; er heiratet Lolitas Mutter nur, um der Tochter nahe sein zu können. Eine Liebesbeziehung zu einem Kind beginnt und berührt – auch heute – die Gemüter, denn das Thema hat nie seine Aktualität verloren…

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