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„Schade, dass ich überhaupt ein Kind habe“ – Mütter, die keine mehr sein wollen – Teil 2

Regretting Motherhood

Nach der Studie zum Thema „Regretting Motherhood“ von Orna Donath im April 2015 veröffentlicht, wir nun nachgelegt. Damals sprachen sich 23 Frauen darüber aus, dass sie lieber keine Mutter geworden wären, dass ihr „täglich Brot“ ein Kampf ist, den sie lieber nicht gekämpft hätten – allein, die Entscheidung für ein Kind ist nicht wieder zu korrigieren. Ein Tabubruch in einer Gesellschaft, wo der Mythos der glücklichen Mutter hochgehalten wird.

Jetzt gibt es auf 270 Seiten das Buch zur Studie, in dem detailliert jeder Blickwinkel der Mutterschaft beleuchtet wird. Wie fühlen sich die Mütter? Handelt es sich um Reue oder sind die befragten Frauen ambivalent? Wie sollen sich Mütter fühlen oder besser: wie ist das Mutterbild in der Gesellschaft?

Und in der Tat: kaum ein anderes Thema wird so von außen beeinflusst wie das Muttersein. Wildfremde Menschen geben ungefragt Ratschläge und Hinweise. Irgendjemand weiß es immer irgendwo besser und das wünschenswerte Bild der glücklichen Familie weißt eine entspannte, seelig strahlende, spielende und kochende Mutter aus, die in ihrer Rolle aufgeht. Ergo: das Muttersein ist schon lange keine Privatsache mehr. Orna Donath stellt fest, dass sie gesellschaftlich relevant ist und fragt sich wie es hierzulande zu folgender Diskrepanz kommen konnte.

Auf der einen Seite gibt es sozusagen die glücklichen, wünschenswerten, „heiligen Mütter“. Auf der anderen Seite macht man sich jedoch über das „nur“ Mutti- und Hausfrau-sein lustig, belächelt es als eine nicht so ganz ernst zu nehmende Tätigkeit. Warum?

Die von Donath befragten Mütter stellen mehrheitlich fest, dass sie unwissend waren und sich gesellschaftlich genötigt fühlten – genötigt zum Kind. So kommen Aussagen wie: „Darüber habe ich überhaupt nicht nachgedacht“und „Es lag am sozialen Druck. Weil alle es so machen“. Oder dass die Kinder dem Leben einen Sinn geben sollten: „Mich für das Leben zu entscheiden, hieß für mich eigene Kinder zu bekommen.“ Die Frauen haben sich nach ihren eigenen Lebensgeschichten den gesellschaftlichen Normen gebeugt, keine Alternativen gesehen oder einfach keinen Mut zu einem „Nein“ gehabt.

Ein prekäres, nahes Thema. Ein Buch, dass jede liebende Mutter mit Bestürzung lesen wird, weil es schrecklich ehrlich ist. Es geht nah, wenn eine Mutter von drei kleinen Kindern sagt: „Ich könnte vollkommen auf sie verzichten. Wirklich. Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken“. Eine andere stellt fest: „Schade, dass ich überhaupt ein Kind habe. Ich hätte lieber keins gehabt.“ Oder: „Wenn ein kleiner Kobold käme und mich fragen würde, soll ich sie wegnehmen, als ob nichts geschehen wäre, würde ich ohne zu zögern Ja sagen.“

Übrigens: Ihren Roman „Mädchen für alles“ bezeichnet die Autorin Charlotte Roche ausdrücklich als Verarbeitung der Studie „Regretting Motherhood

 

Regretting Motherhood: Wenn Mütter bereuen

„Mädchen für alles“


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