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Müssen Eltern lernen, öfters „Nein“ zu sagen?

Müssen Eltern lernen, öfters „Nein“ zu sagen?

Ganze sechseinhalb Milliarden Euro wurden im Jahr 2013 für Kinderprodukte gelassen. Vielen Eltern fällt es schwer Nein zu sagen. Sie können ihren Kindern einfach keinen Wunsch verwehren, denn sie haben ja nebenbei auch das Gefühl, etwas Gutes für den Knirps zu tun. Erziehungswissenschaftler Albert Wunsch kritisiert die Folgen dieser extremen Überversorgung, denn Kinder wollen den vorgemachten Anspruch beibehalten. Im Extremfall endet diese Anspruchshaltung bei der Abzocke auf dem Schulhof, der Erpressung oder dem Klau des erwünschten Gegenstandes im Laden um die Ecke.

Keine Wertschätzung mehr bei den Kids

Wenn sie einem Kind heute irgendetwas geben, sagt es in den meisten Fällen nicht mal danke. Eltern denken dann, die Kinder heute sind anders. Ganz falsch, es sind nämlich die Eltern. Von Grund auf ist der Nachwuchs nicht anders, nein, nur die Ursache liegt bei dem fehlenden „Rückgrat“ der Eltern, einem gewissen Orientierungspunkt. Leider scheuen sich viele Eltern davor, vielmehr eine Vorbildfunktion einzunehmen. Sie haben sie aber nun mal, wenn sie es wollen oder nicht. Das heißt eben genau nicht zwischendurch dauernd zu essen, am Handy rumzumehren und immerzu das Neueste kaufen zu müssen.

Taschengeld der Kids steigt an

Kinder geben das meiste Geld für Naschzeug aus. Zwei Drittel, nämlich 66 Prozent investieren ihr Geld für Süßigkeiten. Nur knapp die Hälfte in Zeitschriften und Comics. Die Unternehmen wissen wie sie die Knirpse an ihre Marke binden können, denn Kinder sind zugänglich, offen und treu. Süßigkeiten werden nicht ohne Grund in Kinderaugenhöhe platziert. Je älter die Kinder werden, desto mehr Geld haben sie zur Verfügung: Ein zehn- bis dreizehnjähriger Teenager bekommt rund 34,47 Euro im Monat. Nur jedes fünfte Kind ist von dem Extrageld, wie zu Ostern, einer guten Note oder Mithilfe im Haushalt ausgeschlossen.

Erhöhter Standard

Jedes vierte Kind, also ca 26 Prozent, besitzt einen eigenen Computer. Jeder zweite (52 Prozent) nutzt zu Hause den PC mit. Ein Handy oder Smartphone besitzt sogar jedes zweite Kind zwischen 6 und 13 Jahren. So sind es bei den 10- bis 13-Jährigen 69 Prozent, unter den Sechs- bis Neunjährigen 27 Prozent. Zwei Drittel der Kinder zwischen sechs und dreizehn Jahren berücksichtigen, besonders bei Sportschuhen eine bestimmte Marke. Bei Kleidung wissen rund 56 Prozent genau, was sie wollen, bei Spielekonsolen rund 58 Prozent. Die Verkürzung der Kindheit hat leider längst begonnen. Eltern sollte bewusst sein, dass vor lauter Konsum die Zeit für freies Spiel und ungestörte Entfaltung sowie die Kommunikation verloren gehen. Sagt der Knirps: „Mami, ich möchte vier ganz große Eiskugeln in meiner Waffel“ sollte die Reaktion klar sein, dass zwei vollkommen ausreichend sind. Denn egal ob eintausend, zehntausend oder hunderttausend Euro auf dem Konto von Mama oder Papa liegen, spürt das Kind, die zwei könnten ja auch bezahlt werden.

Das Interview mit Erziehungswissenschaftler Albert Wunsch im Wortlaut findet Ihr hier:

http://www.deutschlandradiokultur.de/konsumwahn-bei-kindern-den-eltern-fehlt-das-rueckgrat.1008.de.html?dram%3Aarticle_id=330652


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