Home  »  News   »   Familie und Leben   »   Mom I’d like to fuck…

Familie und Leben

Mom I’d like to fuck…

Frauen sollen alles. Gute Mütter sein, bitteschön, schnell nach der Geburt wieder in Größe 36 passen, perfekt geschminkt aus dem Krankenhaus kommen (siehe Herzogin Kate), ansonsten gute Gesprächspartner und Organisatoren sein, ganz zu schweigen von den Qualitäten als Liebhaberin.

Bitte sexy – früh, mittags und abends. Das ist doch wohl nicht zu viel verlangt? Genau dieses Bild macht es aber besonders schwer und ist so realistisch wie Schneemänner im August. Die Geschlechterforscherin und Sexualpädagogin Katja Grach will es in ihrem Buch „Milf-Mädchenrechnung: Wie sich Frauen heute zwischen Fuckability-Zwang und Kinderstress aufreiben“ auf den Punkt bringen. Dabei dient MILF als Abkürzung für Mom I’d like to fuck, eine Mischung, ein Geschöpf, dass alle Frauenidealen in sich vereinen soll. Strahlend schön wie vom Hochglanzcover. Perfekter Auftritt. Schwerelose Präsentation all der Weiblichkeit und Sinnlichkeit fast wie auf dem roten Teppich D.h. soviel Sexyness wie nur möglich trotz durchwachten Nächten, Kinderspucke auf der Schulter, überlaufenden Windeln oder kindlicher Magen-Darm-Grippe. Eine MILF sollte als Mutter nichts von ihrer Attraktivität einbüßen und dennoch gesunde, empathische, stabile Kinder großziehen mit frischen Sachen und frischer Kost.

D.h. es gibt keine Schlampen und Huren mehr oder gute, brave Mütter. Laut Grach sollten Frauen heutzutage beides sein:

Heilige UND Hure in einer Person

Hollywood machts vor und der Trend breitet sich aus. Dabei haben Frauen gar nicht selbst die Intention, sondern es geht vielmehr darum, wie Mann sieh sieht. Für ihn soll alles perfekt sein. Aber ist das wirklich so?

Grach:Als Sexualpädagogin kriege ich immer wieder diese Anfragen von Eltern: Was soll ich tun mit meiner Teenagertochter? Es ist so problematisch, in Social Media postet sie sich die ganze Zeit mit ihren Selfies und es geht nur mehr um äußere Attraktivität. Ich frage dann meistens, na ja, was ist das erste Kompliment, das Ihnen einfällt, wenn Sie einem kleinen Mädchen begegnen? Und das erste Kompliment, das einem auf den Lippen liegt, ist ‚Mein Gott, hast du ein schönes Kleidchen an‘. Es wird ständig von klein auf immer auf das Äußere Wert gelegt und wie süß und wie hübsch und so weiter. Warum sollten dann erwachsene Frauen plötzlich anfangen, aus was anderem ihren Selbstwert zu beziehen? Das ist ein bisschen schwierig, und das hinterlässt halt einfach eine gewisse Leere, weil man ständig beschäftigt ist mit der Arbeit am Körper. Das ist ziemlich traurig eigentlich….. Im Endeffekt, das, was es braucht, ist ein stärkerer Blick auf uns selbst, wie vielfältig wir sind und das zu akzeptieren, und viel mehr Solidarität untereinander. Es ist immer wieder ein großes Thema, Frauensolidarität, und dass sich Mütter auch stützen gegenseitig. Ich glaube, das ist was, was gesellschaftlich sehr stark verloren gegangen ist. Deswegen beschäftigen wir uns dann immer mit unserer Selbstoptimierung mehr oder weniger. Das ist alles so individualisiert und vergessen, dass es eine Gemeinschaft gibt, wo man gut zusammen helfen kann und wo diese ganzen Bewertungen überhaupt nicht wichtig sind.

Ein Ideal ist ein Ideal. Daran sollte man immer denken, auch wenn man sich mal wieder nicht hübsch oder irgendwie falsch und schlapp fühlt. Das Leben ist keine vollendete Inszenierung in Farbe. Mütter sollten sich diesem Druck nicht aussetzen und vor allem sich diesen Druck nicht selbst machen. Klar, dürfen Männer Wünsche haben, aber man muss ihnen nicht entsprechen.

Deshalb sollte man es auch eher als Ausnahme und nicht als gegeben ansehen, wenn Auftritte wie von Kate so aussehen…. In der Regel ist man nach der Geburt nämlich nicht frisiert, frisch, fit und strahlend.

 

Mehr? Im Podcast das Interview mit Katja Grach


Die MILF-Mädchenrechnung: Wie sich Frauen heute zwischen Fuckability-Zwang und Kinderstress aufreiben


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.