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„Mit-Mutterschaft“ von Experten gewünscht – das Abstammungsrecht wird reformiert

Zumindest ist so die Empfehlung einer vom Bundesjustizministerium eingesetzten Kommission, die sich mit einer grundlegenden Reform des Abstammungsrechts beschäftigt. Künftig soll demnach statt vom „Abstammungsrecht“ von der „rechtlichen Eltern-Kind-Zuordnung“ gesprochen werden – gerade vor dem Hinblick „moderner“ Familienkonstellationen und der gleichgeschlechtlichen Ehe gilt dies als dringend notwendig. D.h. nämlich, die genetische Abstammung ist nur noch eine (und nicht mehr DIE Größe) in der Eltern-Kind-Beziehung.

Letzten Dienstag hat der sogenannte Arbeitskreis „Abstammung“ seine Ergebnisse als „Orientierungs- und Entscheidungshilfe“ an Bundesjustizminister Heiko Maas übergeben. Jener hatte vorher bereits erklärt, dass seine Bereitschaft zur Änderung vorliegt und meinte:

Und unser Recht muss mit diesem Veränderungsprozess Schritt halten, wenn seine Gestaltungskraft nicht leiden soll.

Grundlegend für den Arbeitskreis ist das Zwei-Eltern-Prinzip und das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Abstammung. Letzteres soll ausgeweitet und ersteres festgeschrieben werden, empfehlen die elf Experten, die sich damit gegen die familienrechtliche Revolution ausgesprochen haben – ergo: Ein Kind soll nicht mehr als zwei Eltern haben.

Ganz neu ist die Idee und Einführung einer „Mit-Mutterschaft“, die es für lesbische Paare und ihre Kinder geben soll. In der Umsetzung bedeutet das, miteinander „verpartnerte“ – oder künftig verheiratete – Frauen werden bei der Geburt eines Kindes automatisch rechtlich gemeinsam Mütter. (Bis dato musste eine Frau das Kind adoptieren.) Grundlegend für die Idee ist, dass ja beide Frauen auch gemeinsam die Verantwortung für das Kind übernehmen und somit rechtlich abgesichert sein sollen.

In diesem Zusammenhang wird auch das Thema Samenspende oder Embryonenspende weiter betrachtet, denn auch hier sollen Regeln geschaffen werden, die von vornherein Gewissheit über die Elternschaft geben. Dies beugt einem eventuellen Streit und Zerwürfnis des Paares vor und klärt bereits im Vorhinein. Demnach soll künftig derjenige „zweites Elternteil“ werden, der gemeinsam mit der Mutter in die Fortpflanzung eingewilligt hat. Und bei der sogenannten Becherspende, die keine ärztliche Hilfe in Anspruch nimmt, sollen die Regelungen der natürlichen Zeugung gelten. Darüber hinaus sollen auch die Möglichkeiten, den zweiten Elternteil zu bestimmen, ausgeweitet werden. Dazu gehört beispielsweise, dass ein Dritter die Vaterschaft mit Zustimmung der Schwangeren und ihres Ehemannes bereits vorgeburtlich oder kurz nach der Geburt anerkennen kann.

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