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Kolumnen

Missglückte Planungen

Missglückte Planung

 

Missglückt von missen wie vermissen. Ich vermisse in der Tat. Und dabei (ich trau es mir kaum zuzugeben) geht es gar nicht um Menschen. Es geht eher um das Tägliche und den Rhythmus, um die Struktur und die Organisation, um ein wenig familiäre „Prozessteuerung“, um (natürlich, wie sollte es auch anders sein) Zeitmanagement oder schlicht und einfach um die Frage: Wie kann es gelingen?

frau-auf-bettIch spreche in Rätseln? Ach, ich weiß auch nicht. Manchmal brauch ich einfach etwas Schönes. Etwas Kleines ganz allein für mich, also ohne Kinder. Nur ich als Einzelmensch. Vielleicht einmal Theater oder eine Ausstellung, etwas trinken gehen oder ein kleiner Ausflug (der nicht zwingend auf dem Spielplatz endet). Mir würde auch schon die Vorstellung einer langen Nacht des Schlafs genügen oder die Vorstellung, später als sieben Uhr geweckt zu werden. Eine kleine Insel eben – etwas Schönes auf das man sich freuen kann und dem man entgegenfiebert. Ein Gedanke, der mich durch dieses viele Organisieren, Bedenken, Einkaufen, Kümmern trägt.

Aber leider immer, wenn ich mir etwas vornehme, wenn es darum geht, dass ein Gedanke Realität werden soll, kommt etwas dazwischen. Es ist als ob sich die Welt verschworen hätte und jeder Ausbruch sinnlos ist. Ich bin gefangen in der täglichen Schleife, die mit dem Wecker beginnt und mit eben jenem endet. Abwandlungen strengstens verboten.

Und… im Normalfall ist das auch in Ordnung. Der Tag läuft in routinierten Kreisen. Ich finde meine kleine Familie großartig. Ich genieße die Mäuse, die noch immer knutschend und kuschelnd auf meinem Schoss sitzen. Nein, ich neige eigentlich nicht zu Bedrücktheiten. Nur, wenn ich mich sehr auf etwas gefreut habe und es gelingt nicht, bin ich enttäuscht und betrübt. In letzter Zeit gab es leider eine Ansammlung ähnlicher kleiner Enttäuschungen für meine vorher grandios vorbereiteten Auszeiten. Die kleinen Ausbrüche wurden vereitelt oder besser, es funktionierte nichts.

Da liegt der Mann krank darnieder und schleppt sich durch den Tag, obwohl wir gemeinsam an unserem Zuhause bauen wollten….

Oder der Kalender ist einfach nicht kompatibel mit meinem unbedeutenden Wunsch nach einem kleinen Besuch des schwedischen Möbelhauses…

Das lang geplante gemeinsame Glas Wein trinke ich allein, da niemand da ist, der es mit mir trinken könnte…

Mein Besuch von etwas Kunst scheitert an der durchwachten Nacht vorher, die mich schwer wie ein Kartoffelsack durch den Tag stampfen lässt. Stimmung hinüber. Die Augenlider liegen wie Blei und sind nicht mehr offen für etwas Künstliches und Künstlerisches…

Die Idee, Weihnachten möglichst weit weg zu verbringen, scheitert an den freien Tagen, die möglich oder besser unmöglich sind…

Und das schöne entspannte Wochenende wurde abgelöst von einem kleinen spuckenden Kind, dass müde, verklebt und sauer riechend an meiner Schulter lehnte, von viel Wäsche und einem (im wahrsten Sinne des Wortes) üblen Geruch, der die Tage begleitete…

Der letzte Ausflug war bestimmt von so viel kindlicher schlechter Laune, dass sich die schöne Idee bereits beim Anziehen in Luft auflöste. Statt Natur, Wald und Pilzen inmitten herbstlicher Farben ein stimmungsschwankendes Minenfeld…

Ja, ich vermisse es, dass Pläne auch mal glücken und Vorstellungen Realität werden. Dass man sich einfach vornimmt etwas zu tun und dann tut man es. Fertig. Ohne Wenn und Aber. Nichts kommt dazwischen. Ein schöner Gedanke bleibt nicht einfach nur ein Gedanke…

Vielleicht sollte ich das in meinem imaginären Brief an den Weihnachtsmann formulieren mit der Bitte um Wunscherfüllung. Alternativ: Ich nehme für die kurzfristigen Glückshormone diese superschicken Schuhe, die ich gesehen habe.

Mit den besten Wünschen für etwas Schönes. Ihre/Eure Sabine Henriette Schwarz


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