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Kolumnen

Matsch im Kopf

Eigentlich sollte es heute um Urlaubserlebnisse gehen. Darum, wie man sich verändert, wenn man früh nicht auf Arbeit rennen muss, wenn die Kinder einfach den Tag vertrödeln können und man mittags immer noch mit Pyjamahose durch die Ferienwohnung rennt. Es sollte um Erholung gehen und wie man sich fallen lassen kann, wenn man das Gefühl hat, dass man darf – egal ob mit drei Jahren oder mit dreiundsechzig. Urlaub ist eine Zeit, wo es erlaubt ist, einfach nur man selbst zu sein.

Aber es ist einfach zu warm, Urlaub hin oder her. Ich kann gar nicht ich selbst sein, denn ich klebe grad im Bett am Lacken fest und warte sehnsüchtig auf ein wenig frische Luft, die aber in der sächsischen Metropole, die ich mir lobe, rar ist. Gefühlt besteht der Tag gerade nur aus Schwitzen, Trinken, Pullern und weiter Schwitzen. Alle geplanten Aktivitäten der freien Tage scheitern am Stand der Sonne. Ich fühle mich wie Olaf, der gerade zur Pfütze wird und keine Lust verspürt, die Strandbar aufzusuchen (für diejenigen, die von der Elsa-Welle im Trickfilmformat verschont blieben, das ist ein kleiner Schneemann, der unbedingt einmal den Sommer erleben will).

Leider zaubert mir keiner meine eigene kleine Wolke mit Schatten, leichtem Regen und angenehmer Kühle, die mich begleitet und auf Arbeit bitte direkt über mir schwebt. Ich wäre auch sehr großzügig und würde die anderen Kollegen, die ebenfalls ächzend und klebend (ich ahne lediglich, dass sie es tun, und die ausgezogenen Schuhe lassen es vermuten) aktiv sind, teilhaben lassen. Bis gestern war es noch auf dem Klo und im Keller erträglich. Aber auch diese kleinen Inseln der Kühle können langsam nicht mehr standhalten.

Nein, keine Sorge. Ich will mich nicht über dieses fantastische Sommerwetter beschweren. Sonne ist toll. Baden ist toll. Nur leider scheint die deutsche Architektur mit den großen Fenstern genauso wenig geeignet wie die Schattenfreien Baggerseen. Mein einziger Lichtblick, eine kühle Dusche und mein neu entdeckter Lieblingseisladen, wobei ich jetzt aus Erfahrung sprechen kann, dass nach sechs Eiskugeln ein leichtes Bauziehen den Allgemeinzustand nicht verbessert.
Apropos Allgemeinzustand.

Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass bei diesen Temperaturen, das Gehirn auf Sparflamme fährt und mehrere Gänge zurück schaltet. Ja, der Körper ist als „Heizkörper“ konzipiert und die Bewegungen der Skelettmuskeln, die Tätigkeit der inneren Organe und die chemischen Stoffwechselprozesse produzieren Wärme, die abgegeben werden muss. Je größer der Temperaturunterschied zur Umgebung, desto effizienter kann die überschüssige Hitze abgegeben werden. In der Theorie super, nur haben wir grad so gut wie keinen Temperaturunterschied. Deshalb haben wir Hitzestress!

Oh ja, meine dicken Füße, die klebrigen Hände und das matschige Gehirn fühlen sich eindeutig gestresst an. (Hitzestress nennt es übrigens der Wiener Psychologe Thau, der feststellte, dass bereits ab 27 Grad unsere kognitiven Fähigkeiten sinken und wir reizbarer werden). D.h. ich bin nicht nur reizbarer, kann weniger schlafen, stinke wie ein Illtis, nein, ich bin auch noch dümmer als sonst. Mein Gehirn befindet sich außerhalb der gewohnten Temperaturzone. Damit lässt meine „Ergebnisqualität“ sehr zu wünschen übrig. Feingefühl und Konzentration sind auf und davon – wahrscheinlich machen sie es sich gerade irgendwo gemütlich, wo es klimatisiert ist…

Verzeihung, so hirnlahm und verquer braucht es jetzt erst einmal ein kühles Wasser (nein, nicht richtig kalt, das darf ja nach Experten auch nicht sein) und etwas Zucker. Und dann versuche ich zu ignorieren, wie mir die Sachen auf der Haut kleben und wie die Schrift meiner Schreibtischunterlage bereits meine Unterarme tätowiert hat.

Lasset uns gemeinsam leiden und für baldige 27 Grad bitten, dann geht alles besser!

Ihre/Eure Sabine Henriette Schwarz


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