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Kolumnen

Mami, ich hab ein Baby im Bauch

 

Von den jungen Damen des Hauses (3 und 6 Jahre) wird alles sehr genau betrachtet und inspiziert. Sie analysieren sich, nackt vor dem Spiegel

Mami, warum hat meine kleinere Schwester dickere Brüste als ich?

Schatz, jeder Mensch sieht anders aus. Bei Dir kommen die Brüste einfach später. Versprochen.

Sie betrachten mich und natürlich den Herren Papa in ungebrochener Neugierde. Das führt mitunter zwischen 06:30 Uhr und 7:00 Uhr zu Gesprächen zwischen Klodeckel und Dusche, die mich in meinem morgendlichen leicht benebelten Zustand etwas überfordern. Da muss man erklären, warum Mamis und Papis Fell haben, wieso man einen Leberfleck am Allerwertesten hat und das Kind nicht, wie es zur Faltenbildung am Bauch kommt oder warum sie noch keinen BH anziehen dürfen.

Mami, das ist total unfair. Du ziehst das immer an. Warum darf ich denn nicht?

Hase, weil Du doch noch keine richtige Brust hast.

Antwort: „Doch, schau!“ Das Kind kneift schmerzhaft ein wenig Haut zusammen, so dass sich die kleinen Brustwarzen keck nach vorn wölben. Aua, denke ich, und putze weiter die Zähne.)

Letztens hatten wir eine Geburt im Bad. Großes Getuschel auf dem Flur. Dann öffnete sich die Badtür. Das große Kind stützte das Kleine, was humpelnd und wie ein Hund hechelnd hineinkam. (Woher sie das hatte? Keine Ahnung.) Unter dem Biene Maja T-Shirt des Schlafanzugs wölbte sich ein dicker runder Bauch und mir wurde erklärt:

Mami, ich bekomme ein Baby. Ich kann mich jetzt nicht anziehen.

Das große Kind sagt darauf mitfühlend: „Oh, Du Arme. Da muss man sich hinsetzen, laufen ist ganz schlecht. Komm, ich helfe Dir.“ Und plötzlich befand ich mich auf acht gefliesten Quadratmetern mitten in einer bühnenreifen Inszenierung, die auch meine mütterlichen Ratschläge und der Blick auf die Uhr nicht unterbrechen konnte.

Große Schwester: „Du musst Dich vielleicht besser hinlegen.“ Schon holte sie ein Handtuch und legte es für den Kopf bereit. Die Schwangere tat, wie man ihr geheißen hatte.

Große Schwester „Du musst Dich ganz dolle anstrengen. Von alleine kommen die Kinder nicht aus der Muschi.“ Aha, wie wahr sie doch spricht. „Komm, ich halte Deine Hand, dann geht alles viel besser.“ Das kleine Kind nahm die Hand. „Und, kommts schon?“ „Ja, ja – ich glaub, es wird ein Birnenbaby.“ antwortete die liegende Gebärende mit ihren 87 Zentimetern.

Trararaaaa! Mamai schau mal, wir haben ein Birnenbaby.“ rief die frisch gebackene Mutter und in der Tat hatte sie sich eine große giftgrüne Plüschbirne unter das T-Shirt gesteckt und hielt die knopfaugige Frucht jetzt stolz in die Höhe. „Na, dann ist unser Birnenbaby jetzt ja da und wir können uns anziehen.“ Entrüstung. „Aber Mami, das Baby muss warm eingepackt werden und geschuckert und es braucht einen Namen…“ Ausruf der Kleinen: „und wir müssen meinen Bauch wieder zunähen, damit nicht noch was rausfällt.“ Einwurf der Sechsjähjrigen: „Nein, nein – das Baby kommt nicht aus deinem Bauch. Das kommt aus deiner Muschi.

Die Kleine zieht darauf ihre Schlafanzughose herunter, setzt sich so breitbeinig wie möglich auf die Bank, schaut an sich hinab und fragt: „Da? Die ist doch so klein…“ Wohl war denke ich und kann nicht umhin, mich zu erinnern.

Was für ein Morgen – jetzt müssen wir uns aber beeilen, denn die Begründung, mein Kind hat heute früh ein Baby bekommen, zieht nicht als Ausrede fürs zu späte Erscheinen am Arbeitsplatz. Trotzdem wars schön und heute Nachmittag kümmern wir uns wieder ums Birnenbay, das übrigens Lilly getauft wurde…

Auf eine gute Babyzeit!

Ihre/Eure Sabine Henriette Schwarz


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