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Männlein oder Weiblein – die Entwicklung der Geschlechtsidentität – Teil 2

Gestern haben wir uns die Kleinsten angesehen und wie sie ihr Geschlecht „erlernen“. Heute geht’s mit den 7jährigen weiter…

Sieben bis elf Jahre

Zwischen sieben und elf Jahren entwickeln individuelle Unterschiede. Bis zum Beginn des Grundschulalters haben die Kinder erkannt und verinnerlicht, welche Geschlechtszuordnungen Spielzeuge, Aktivitäten und Berufsrollen haben. Jetzt beginnt das Nachdenken, ob man vielleicht als Mädchen doch lieber auch Fußball spielen möchte und als Junge gern Kuchen bäckt. Es wird erkannt, dass neben Geschlechtsunterschieden auch Gemeinsamkeiten zwischen beiden Geschlechtern existieren. Vieles kann man eben als Junge und Mädchen genauso gut. Nachdem erst klare Rollen und Zuordnungen gelernt wurden, beginnt jetzt das Nachdenken und die flexiblere Auslegung.

Kultur und Erziehung oder Gene?

Die Biologin und Geschlechterforscherin Anne Fausto-Sterling hat aufgezeigt, dass Gene, Chromosome, Hormone allein nicht ausreichen, um eine männliche oder weibliche Entwicklung zu programmieren. Jedes Gen braucht für seine Wirkung die systemische Kooperation mit anderen Genen im Rahmen des Organismus. Der wiederum ist verbunden mit der Psyche und beide sind eingebettet in menschliche Interaktionen, auf die wiederum Kultur und Geschichte einwirken.

Typische männliche oder weibliche Eigenschaften – gibt’s das?

Wer hätte das gedacht, Frau und Mann sind sich ähnlich. Janet Hyde sichtete und bewertete Forschungsarbeiten zu psychologischen Unterschieden zwischen Männern und Frauen – wie beispielsweise Sprachvermögen, räumliche Wahrnehmung, Empathie etc. und stellte fest, dass 30% der untersuchten Fertigkeiten nahezu keine und weitere 48% nur geringfügige geschlechtsspezifische Unterschiede aufwiesen. Die Annahme von genau zwei Geschlechtern und dem damit verbundenen Verhaltensrepertoire (Frauen können nicht einparken, Männer nicht zuhören) kann demnach weder auf einen vorgegebenen „natürlichen Unterschied“ zurückgeführt werden, noch kann sie in einer irgendwie gearteten unterschiedlichen psychischen „Wesenheit“ von Frauen und Männer gesehen werden. Männlichkeit(en) und Weiblichkeit(en) sind Muster kultureller Praxis d.h. Geschlecht wird gelernt.

Ein Junge und die Eltern-Kind-Beziehung

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