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Männlein oder Weiblein – die Entwicklung der Geschlechtsidentität – Teil 1

Was wird es denn? Mädchen oder Junge? Jeder kennt diese löchernden Fragen und viele junge Eltern kennen auch den Ärger, wenn das geliebt Mädchen dann eben doch nicht wie eins aussieht und zwei große Kulleraugen unter dem nackten Schädel strahlen. Denn die Einteilung nach Geschlecht ist wichtig und relevant, denn sie hat Konsequenzen, die über die chromosomalen und hormonellen Unterschiede und die darauf basierende genitale Differenzierung weit hinausgehen.

Fast scheint es als ob das wichtigste Merkmal ist, um einen Lebensweg vorzuzeichnen. Denn: fast jedes menschliche Verhalten und Erleben hat eine „geschlechtliche Färbung“. D.h. es gibt bestimmte Erwartungen oder Vorschriften – zum Beispiel beim Spielzeuge, der Kleidung, bei speziellen Freizeitangeboten oder auch bei der Aufgabenverteilung innerhalb der Familie. Auch die Ideen der Eltern, was das Kind einmal werden könnte und welcher Beruf geeignet erscheint, ist davon betroffen.

Damit ist der neue Erdenbürger klar zu sortiert (unabhängig von den Fällen, wo beide Geschlechtsmerkmale vorhanden sind) und wird in eine Welt hineingeboren, die nach männlich und weiblich unterschieden ist. Während die Natur bestimmt, ob wir männlich oder weiblich sind, legt die Kultur fest, was es bedeutet, weiblich oder männlich zu sein.

Hier liegt die Wurzel der Identität und der Frage: Wer bin ich? Ob man weiblich oder männlich ist, bestimmt zum großen Teil wer man ist. Wie erlebt sich das Kind selbst und wie gehen andere mit ihm um?

Was erlebt das Kind und wie sieht es sich selbst in welchem Alter?

Null bis zwei Jahre

Säuglinge ab dem dritten Lebensmonat, spätestens jedoch mit sechs Monaten, können bereits die Stimmen männlicher und weiblicher Erwachsener auseinander halten und mit neun bis zwölf Monaten männliche und weibliche Gesichter unterscheiden. Hier können sie bereits für sich abspeichern, welche Gesichter und Stimmen zusammengehören (übrigens auch, welche Stimmen man nicht leiden kann, so dass eine Brüllorgie beginnt).

Aus Untersuchungen weiß man, dass bereits zehn bis 14 Monate alte Säuglinge bei der Betrachtung von Filmen, auf denen Kinder des eigenen und des anderen Geschlechts zu sehen sind, Kinder des eigenen Geschlechts eindeutig länger anschauen. D.h. Kleidung und Haare sind ausschlaggebend, um eine optische Sortierung vorzunehmen. Auch interessieren sich 18 Monate alte Kinder eher für geschlechtstypisches Spielzeugen (wie Puppen bei Mädchen, Autos bei Jungen).

Schon mit Ende des zweiten Lebensjahres können Kinder die beiden Geschlechter klar unterscheiden und wissen, Gegenstände und Verhalten Frauen oder Männern zuzuordnen. Mädchen suchen dann bereits zum Spielen eher auch Mädchen zum Spielen aus….

Drei bis sechs Jahre

Die Geschlechtstypisierung in Form von Identität, Präferenzen, Verhalten entwickelt sich rasant, wobei eine Gruppierung erfolgt. D.h. die Kinder sortieren nach Ähnlichkeiten und Verschiedenartigkeit. Kinder erlernen schnell, welche Attribute männlich oder weiblich sind und sortieren so ihre Welt, so werden auch beispielsweise Feuer, Blitze, Haie oder Gorillas, Stofftiere mit langen, gefährlich aussehenden Zähnen und Gegenstände, die groß, dunkel, spitz oder rau sind, als männlich bzw. „für Jungen“ eingeschätzt. Weiche, glatte und abgerundete Gegenstände, kleine oder zerbrechlich aussehende Objekte (wie z.B. Schmetterlinge, Entchen oder Wolken) oder Pastellfarben werden als weiblich bzw. „für Mädchen“ sind aus Kindersicht eher weiblich.

Auch die Entscheidung, was und wie man spielen will, ist jetzt bereits von dem sog. „Kriterium der Geschlechtsangemessenheit“ abhängig.
Aber was passiert mit 7 Jahren? Schulanfang und alles noch einmal ganz anders….? Morgen geht’s weiter…

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